Wechsel an Semperoper

Ballettchef Aaron S. Watkin geht nach England

2006 trat Aaron S. Watkin in Dresden als Ballettchef an, um etablierten Ensembles den Rang abzutanzen. Nun verlässt der gebürtige Kanadier die Semperoper.

Ballettchef Aaron S. Watkin geht nach England

Von der Spielzeit 2024/24 an wird Aaron S. Watkin das English National Ballet leiten.

Von Andrea Kachelrieß

Als Aaron S. Watkin 2006 als junger, charismatischer Ballettchef nach Dresden kam, verfolgte man von Stuttgart aus den Wechsel aufmerksam. Der Kanadier hatte unter Reid Anderson am National Ballet in Toronto getanzt und in Europa auch bei William Forsythe, der das Semperoper-Ballett prompt nach der ersten Premiere zu „the finest company in Germany“ adelte.

Wie die Kompanie nun meldet, wird Aaron S. Watkin zur Spielzeit 2023/24 die Nachfolge von Tamara Rojo antreten und die Leitung des English National Ballet übernehmen. Auf die 17 Jahre in Dresden blickt der 52-jährige scheidende Ballettchef so zurück: „Ich schätze mich glücklich, dass ich die Gelegenheit hatte, mit einer so einzigartigen Gruppe von talentierten und engagierten Künstlern und Fachleuten zusammenzuarbeiten“, so Watkin. „Ich bin sehr stolz darauf, was wir alle gemeinsam erreicht haben, um das Semperoper Ballett zu einem international renommierten und angesehenen Ensemble aufzubauen.“

Ein von Persönlichkeiten geprägtes Ensemble

In seiner Zeit als Tänzer am Het Nationale Ballet hatte Watkin eine jährliche Aids-Benefizgala in Amsterdam von großer Strahlkraft organisiert. „Da war eine wunderbare Stimmung“, erzählte die Stuttgarter Solistin Bridget Breiner – die wollte sie wie viele andere jeden Tag haben: Und so waren bei Watkins Start als Ballettchef Stars wie sie nicht zu halten und folgten ihm nach Dresden: Natalia Sologub etwa zeigte dem Mariinsky die kalte Schulter, ein Jiri Bubenícek seinem langjährigen Chef John Neumeier Goodbye. Mit einer von vielen Tänzerpersönlichkeiten geprägten Mannschaft und begleitet von David Dawson als Haus-Choreograf schickte sich Aaron S. Watkin an, etablierteren Ensembles den Rang abzutanzen.

Nach dem anfänglichen Hype kehrte in Dresden schnell der Alltag ein. Bridget Breiner etwa wurde mit der Semperoper nicht warm und kehrte nach Stuttgart zurück. Mit einem breit gefächerten Repertoire, das mit etlichen Klassikern dem touristischen Anteil im Publikum der Semperoper entgegenkommt, ist Watkins Kompanie heute auch bei internationalen Gastspielen erfolgreich. Nun freut sich Watkin auf den nächsten Schritt in seiner Karriere: „Ich bin begeistert von der Möglichkeit, das English National Ballet zu leiten und gemeinsam mit den herausragenden Tänzern, Kulturschaffenden und Mitarbeitern der Company eine vielversprechende Zukunft aufzubauen.“

Ein besonderer Karriereschritt

Semperoper-Intendant Peter Theiler würdigte Watkin als „einzigartige Künstlerpersönlichkeit“. „Das Semperoper-Ballett verdankt seiner künstlerischen Expertise und seinem uneingeschränkten Engagement seine herausragende Position in der Ballettwelt sowie seine außerordentliche Beliebtheit bei den internationalen Gästen der Semperoper.“ Obwohl man seinen Weggang sehr bedauere, gratuliere man ihm zu diesem besonderen Karriereschritt.