Cervantes-Preis

Cristina Peri Rossi: Worte schützen nicht vor Bomben

Die uruguayische Schriftstellerin Cristina Peri Rossi hat bei der Verleihung des Cervantes-Preises die Schrecken des Krieges in der Ukraine angesprochen. "Ich könnte die dankbarsten Worte aufschreiben, aber sie würden nicht diejenigen retten, die im kultivierten Europa durch Bomben und Raketen sterben", schrieb die in Uruguay geborene Rossi.

Von dpa

Madrid - Die uruguayische Schriftstellerin Cristina Peri Rossi hat bei der Verleihung des Cervantes-Preises die Schrecken des Krieges in der Ukraine angesprochen.

"Ich könnte die dankbarsten Worte aufschreiben, aber sie würden nicht diejenigen retten, die im kultivierten Europa durch Bomben und Raketen sterben", schrieb die in Uruguay geborene Rossi. Die Dankesrede der durch Krankheit verhinderten 80-Jährigen wurde in der Universität von Alcalá de Henares bei Madrid von der argentinischen Schauspielerin Cecila Roth verlesen. Sie nahm auch stellvertretend für Rossi den Preis bei der Zeremonie von König Felipe VI. entgegen.

Schon die europäischen Kriege des 20. Jahrhunderts hätten deutlich gemacht, dass "der Krieg ein Massaker unter Menschen ist, die sich nicht kennen, zugunsten von Menschen, die sich kennen, aber sich nicht massakrieren", schrieb Rossi. "Manchmal verdunkelt die Angst meinen Geist, dass das Böse und die Gewalt eine Konstante der menschlichen Existenz sind und der Kampf zwischen Gut und Böse ewig dauern könnte", bekannte Rossi. "Die Gründe für Kriege sind immer dieselben: Machtstreben und wirtschaftliche Gier. Etwas typisch Männliches", fügte sie hinzu.

Rossi, deren Romane wie "Einzelgänger der Liebe" oder "Die letzte Nacht Dostojewskis" und Lyrikbände wie "Mona Lisa und ihr Maler" auch auf Deutsch erschienen, verließ ihre südamerikanische Heimat 1972 angesichts zunehmender Gewalt und der sich abzeichnenden Militärdiktatur und lebt seither im spanischen Exil. Sie ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen Lateinamerikas.

Der Cervantes-Preis gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt und ist mit 125.000 Euro dotiert. Er ist nach dem Schriftsteller Miguel de Cervantes (1547-1616) benannt. Der "Premio Cervantes" wird seit 1976 vom spanischen Kulturministerium für das literarische Lebenswerk vergeben. Rossi ist erst die sechste Frau, die mit dem Preis geehrt wird.

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Erstellt:
22. April 2022, 16:28 Uhr

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