René Jacobs in Ludwigsburg

Denkwürdiger Abend für Barockmusikliebhaber

René Jacobs führte im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele Bachs h-Moll-Messe auf. Ein Toptermin für Barockmusikliebhaber.

Hohes Niveau aller Beteiligten: René Jacobs und ein Teil des Chors in Ludwigsburg

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Hohes Niveau aller Beteiligten: René Jacobs und ein Teil des Chors in Ludwigsburg

Von Frank Armbruster

Vor 30 Jahren brachte René Jacobs zusammen mit dem RIAS-Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin eine Aufnahme von Bachs h-Moll-Messe heraus, die Furore machte. Vor Kurzem erschien nun eine Neueinspielung mit denselben Ensembles, die wohl die Spitze der aktuellen Alte-Musik-Interpretation markiert. Wenn Jacobs in dieser Besetzung – nur die männlichen Solisten entsprechen nicht denen der Aufnahme – Bachs Opus summum im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele aufführt, könnte das eigentlich als Toptermin für Barockmusikliebhaber gelten – doch trotz moderater Kartenpreise war das Ludwigsburger Forum am vergangenen Sonntagabend allenfalls zur Hälfte gefüllt. Ob’s am Wetter lag oder an den Corona-Spätfolgen? Schwer zu sagen. Die gekommen waren, erlebten jedenfalls einen in vielerlei Hinsicht denkwürdigen Abend.

Leichtfüßig und kompakt zugleich

Das lag zum einen an der selten derart perfekt zu hörenden Verzahnung der Vokal- und Instrumentalpartien. Jacobs hatte den Chor größtenteils vor dem erhöht sitzenden Orchester platziert und die Solisten auch in die Chorpartien eingebunden. Schon im „Kyrie“ verblüffte dabei die artikulatorische Beweglichkeit des RIAS-Kammerchors, der auch in virtuosesten Koloraturenpassagen wie im „Sanctus“ nicht an Leuchtkraft einbüßte. Dem standen die Solisten in nichts nach. Wunderbar die verschmelzenden Soprane im „Christe“-Duett, und auch der für den erkrankten Sebastian Kohlhepp aus dem Chor als Tenorsolist einspringende Shimon Yoshida machte seine Sache exzellent.

Auf demselben hohen Niveau agierte das Orchester. Sehr kompakt die Streicher, dazu ein leichtfüßig den Puls vorgebendes Continuo. Und wann hört man einmal solch rund timbrierte Barockoboen und einen Naturhornisten, der die Figurationen im „Quoniam tu solus sanctus“ derart geschmeidig beherrscht? Eine weniger nüchterne Akustik als die des Forums und das Bach-Glück wäre perfekt gewesen. Und ob richtige Blumen für die Musiker nicht doch schöner sind als die am Ende von Intendant Sandig verteilten Blühwiesen-Patenschaften?

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Erstellt:
16. Mai 2022, 13:38 Uhr
Aktualisiert:
16. Mai 2022, 13:52 Uhr

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