BTS aus Südkorea

Die Superstar-Boygroup geht zum Militär

Die Boyband BTS pausiert und zieht vorübergehend in eine Militärkaserne ein. Zuvor hatte die südkoreanische Gesellschaft jahrelang über eine mögliche Ausnahmeregelung für BTS debattiert.

You’re in the Army now! Die Mitglieder der südkoreanischen Band BTS wollen ihren Militärdienst ableisten.

© dpa/Andrew Harnik

You’re in the Army now! Die Mitglieder der südkoreanischen Band BTS wollen ihren Militärdienst ableisten.

Von Fabian Kretschmer

Die sogenannten Bangtan-Boys verlassen die Konzertbühne und ziehen vorübergehend in eine Militärkaserne ein: Am Dienstag hat das Label der südkoreanischen Band BTS bekannt gegeben, dass die sieben Mitglieder demnächst ihren Wehrdienst antreten werden. Als erstes beginnt der bereits 29-jährige Sänger Kim Seok-jin noch dieses Jahr mit seiner patriotischen Pflicht. Seine Kollegen werden sukzessive folgen, sodass die K-Pop-Band bis 2025 wohl pausieren wird.

Damit hat BTS den Schlusspunkt für eine Debatte gesetzt, die sowohl Südkoreas Medien als auch das Parlament jahrelang beschäftigt hat. Das gesamte Land fragte sich, ob man den Rekordmusikern eine Ausnahme gestatten für die anderthalb Jahre dauernde Militärpflicht.

Willkürliche Regeln

Und tatsächlich scheinen die bisherigen Regeln willkürlich und aus der Zeit gefallen. Leistungssportler müssen etwa ihren Dienst an der Waffe nicht antreten, wenn sie bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen. Auch klassische Musiker und exzellente Forscher werden in Einzelfällen von der Regelung ausgenommen, solange sie mit ihrem Werk das nationale Prestige erhöhen.

Dabei steht außer Frage, dass seit Jahrzehnten niemand stärker zur Bekanntheit auf der Welt beigetragen hat als die BTS-Mitglieder: Seit knapp drei Jahren generiert niemand mehr Musikverkäufe, laut Schätzungen haben die Mitglieder allein 2020 mehr als 50 Millionen Dollar eingenommen.

Volkswirtschaft surft erfolgreich auf der K-Pop-Welle

Doch sie füllen mit ihrer Karriere nicht nur die eigenen Taschen, sondern unterstützen die gesamte südkoreanische Volkswirtschaft, die hocherfolgreich auf der K-Pop-Welle, also der Welle des koreanischen Pop, surft. Schließlich sorgt die Band nicht nur dafür, dass zuhauf junge Touristen nach Seoul reisen wollen, Kosmetikprodukte made in Korea kaufen und sich die Kinofilme vom Land am Han-Fluss anschauen. Darüber hinaus ist der indirekte Imagegewinn für Südkorea unbezahlbar, wenn etwa BTS vor der UN-Generalversammlung in New York auftritt.

Doch insbesondere das derzeit regierende konservative Lager hatte darauf gepocht, dass die Musiker keine Ausnahme erhalten. Der Wehrdienst ist in Korea schließlich aufgrund des Konflikts mit dem verfeindeten Norden eine hochsensible Angelegenheit.

Label publiziert vorproduzierte Videos

Und wenn alle paar Monate bekannt wird, dass ein Schauspieler oder Sohn eines Konzernvorstandes die Wehrpflicht umgeht, indem er zuvor eine ausländische Staatsbürgerschaft ergattert hat, zieht dies wochenlange negative Presse nach sich und kann ganze Karrieren zerstören.

Insofern könnte der Move von BTS durchaus auch geschäftlich die richtige Idee gewesen sein. Und die Einnahmequellen werden auch in den nächsten zwei Jahren sicher nicht versiegen. Denn das Label hat sich bereits länger auf die Abwesenheit der Sänger vorbereitet und wird nun laut Expertenmeinungen vorproduzierte Videos und Merchandising-Ware publizieren.

Pop, der wie Investmentbanking funktioniert

K-Pop funktioniert generell ein wenig wie Investmentbanking: Ein Label castet Bandmitglieder bereits im zarten Jugendalter, steckt riesige Summen in deren Gesangs- und Tanzausbildung sowie Sprachunterricht und Medienmanagement. Erst Jahre später entscheidet sich, ob das bis ins letzte Detail durchgestylte Gesamtprodukt auf dem Markt funktioniert und die erhofften Gewinne abwirft.

Nicht nur Entertainer, sondern Staatsdiener

Doch die Boyband BTS hat von Beginn an die Konventionen des K-Pop gesprengt. Die sieben Männer waren vor ihrer Popkarriere teilweise als Underground-Rapper unterwegs, schreiben bis heute ihre Songs selbst, feilen bei der Produktion mit und verzichten bei vielen Live-Auftritten auf Playback. Zudem meiden sie im Gegensatz zu früheren Generationen auch keine gesellschaftskritischen oder Tabu-Themen: So setzt sich BTS in ihren Lyrics für psychische Gesundheit ein, prangert den immensen Leistungsdruck in Südkorea an und kritisiert die strengen Gesellschaftskonventionen.

Die extrem loyalen BTS-Fans, auch als sogenannte „Army“ bekannt, haben zunächst enttäuscht reagiert, dann jedoch ihre Unterstützung bekundet: „Ich bin immer noch untröstlich, aber sehr stolz auf die Entscheidung, die sie getroffen haben“, schrieb ein Fan in den sozialen Medien. Ein anderer kommentierte: „ Es ist eine so große Ehre für BTS, ihrem Land nicht nur als Entertainer zu dienen, sondern auch als Staatsbürger.“

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Erstellt:
18. Oktober 2022, 15:22 Uhr
Aktualisiert:
18. Oktober 2022, 16:41 Uhr

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