Improvisationskunst

Stuttgart gibt 70 000 Euro im Jahr

Was die Instant Performance Improvisation Group mit den Fördermitteln der Stadt bewirken will, berichten die künstlerischen Leiter am Rande des Saal Frei Labor Festivals für interdisziplinäre Improvisationskunst.

Claudia Senoner, Tänzerin und Choreografin, lobt den Mut der Stadt Stuttgart.

© Senoner

Claudia Senoner, Tänzerin und Choreografin, lobt den Mut der Stadt Stuttgart.

Von Petra Mostbacher-Dix

Gründe zu feiern? Die Instant Performance Improvisation Group (PIG)//Stuttgart hat mehrere. Das erste professionelle und interdisziplinäre Improvisationsensemble auf Landes- und Bundesebene arbeitet nun seit fünf Jahren in Saal Frei zusammen, einer Plattform für interdisziplinäre Improvisationskunst. Diese Woche findet deren Festival mit Workshops und Gastspielen renommierter Kunstschaffender zum fünften Mal statt – im Fitz-Theater animierter Formen, Produktionszentrum Tanz und Performance (PZ) sowie der Tanz- und Theaterwerkstatt e. V. Ludwigsburg.

Schließlich freuen sich die Performerinnen und Performer, dass sie seit 2022 von der Stadt Stuttgart als Institution mit 70 000 Euro jährlich gefördert werden. Zuvor gab das Stuttgarter Kulturamt Geld nur für Projekte. Zuletzt unterstützte es mit einer dreijährigen Konzeptionsförderung von 30 000 Euro pro Jahr.

Das Geld hilft, die Kunstform auszubauen

„Das gibt uns Planungssicherheit und bringt uns unserem Ziel näher, Improvisationskunst weiter, auch überregional und international, zu etablieren“, sagt Alexandra Mahnke. Sie leitet mit Claudia Senoner und Lisa Thomas – allesamt Tänzerinnen, Choreografinnen, Performerinnen und Tanzvermittlerinnen – sowie Oliver Prechtl, Pianist, Komponist und Musiker vieler Genres, das freie Ensemble und Saal Frei künstlerisch.

„Das ist jetzt die Chance, das Netzwerk zu erneuern, unsere prozesshafte Arbeitsweise zu verstetigen“, sagt Prechtl. „Die Stadt zeigt Mut und Vertrauen in uns, so wie unsere Mitglieder Mut beim Improvisieren zeigen“, so Senoner. „Nun muss nicht mehr alles ehrenamtlich laufen.“ Auch könnten sie Gleichgesinnte aus anderen Städten und dem Ausland einladen, Workshops zu geben, um Improvisation international weiterzuentwickeln. Schon Stars wie die britisch-australische Performancelegende Andrew Morrish gastierten im PZ. Mit ihm kooperieren die Instant PIGs, die acht bis zehn Mitglieder trainieren dort seit 2018, laden Kunstschaffende aller Sparten zum – kostenfreien – Mitmachen ein.

Tanzschaffende zieht es nach Stuttgart

„Es geht um kontinuierliche künstlerische Recherche und Qualität in interdisziplinärer Improvisation und Instant Composition, also der Komposition aus dem Moment heraus“, so Lisa Thomas. „Das muss man üben, dazu braucht es Handwerkszeug.“ So experimentiere man mit großer Bandbreite ästhetischer Konzepte.

Toll sei, dass so neue junge Performer und Performerinnen in die Landeshauptstadt gekommen seien. Zog es vor einer Dekade experimentell arbeitende Tanzschaffende noch aus der Stadt, stießen in den vergangenen Jahren neue Talente zur Freien Szene hinzu, die auch beim Festival auftreten. Positiv beeinflusst habe diese Entwicklung der Tanzpakt. Stuttgart erhielt 2019 den Zuschlag der Initiative von Kommunen, Bundesländern und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Förderung der Kunstform Tanz in Deutschland.

Beitrag zur Vielfalt des Kulturlebens

Um professionelle Strukturen im Kulturmanagement zu verstetigen und Zugänge zur Kulturförderung zu ermöglichen, gaben sich die Instant PIGs mit Instant Act Stuttgart eine gemeinnützige Rechtsform: „Wir wollen zur Vielfalt des Kulturlebens der Stadt beitragen, das Niveau der Szene zeigen“, sagt Mahnke. „Aus dem Moment Rollen wechseln, Fehler aushalten können, füreinander einstehen. Ideen im Raum annehmen, weiterentwickeln, das braucht Offenheit, Flexibilität, Haltung – wie in demokratischen Prozessen“, ergänzt Thomas. „Wenn wir so in die Gesellschaft ausstrahlten, das wäre wunderbar.“

Saal Frei Labor Festival für interdisziplinäre Improvisationskunst. Noch bis 6. November, Programm unter www.saalfrei.com

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Erstellt:
3. November 2022, 16:26 Uhr

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