Premiere in der Tri-Bühne

Yahi Nestor Gahe verwandelt Lachen in Tanz

In Yahi Nestor Gahes neuem Tanzstück „L-Movement“ geht es ums Lachen. Nach der Premiere in der Tri-Bühne ist eine kürzere Version im öffentlichen Raum zu sehen.

Yahi Nestor Gahe, in Stuttgart lebender Choreograf von der Elfenbeinküste, will in seinem neuen Tanzstück die Mechanismen des Lachens untersuchen.

© Peter Pöschl/PP

Yahi Nestor Gahe, in Stuttgart lebender Choreograf von der Elfenbeinküste, will in seinem neuen Tanzstück die Mechanismen des Lachens untersuchen.

Von Andrea Kachelrieß

In Yahi Nestor Gahes neuem Tanzstück „L-Movement“ geht es ums Lachen. Nach der Premiere in der Tri-Bühne ist eine kürzere Version im öffentlichen Raum zu sehen.

Herr Gahe, auf einem Video aus den Proben schauen alle sehr streng. Ist Lachen eine ernste Sache?

Gute Frage. Wenn man die soziale und politische Ebene betrachtet, dann fällt auf, dass unsere Gesellschaft alles sehr ernst nimmt. Das leichte, natürliche Lachen steht im Gegensatz zum Ernst, der unser Zusammenleben prägt. In unserem Stück versuchen wir, diese verschiedenen Aspekte des Lachens zu beleuchten, auch die Momente, wo durch Lachen eine Beziehung entstehen kann.

Es verbindet, befreit, löst Ängste . . . Lässt sich auch was Negatives übers Lachen sagen?

Ja, man kann Lachen auch als Waffe benutzen, Stichwort Mobbing, Auslachen. Diese andere Ebene des Lachens spricht „L-Movement“ ebenfalls an. Wie empfindet ein Opfer eine solche Situation? Wir wollen, dass sich die Zuschauer einfinden können und verstehen, wie die Mechanismen des Lachens funktionieren. Es gibt Komiker, die über die Massenmorde des Kolonialismus oder den Holocaust Witze machen. Lachen wird also auch bei Themen eingesetzt, die so lebensverachtend sind, dass sich die Frage stellt, wie man darüber lachen kann. Auch mit solchen Zusammenhängen haben wir uns beschäftigt.

Sie arbeiten mit einem Tänzer und zwei Tänzerinnen. Wie ändern Geschlecht und Kulturen den Blick aufs Lachen?

Es gibt da schon Unterschiede, auf der Bühne geht es uns aber vor allem um die individuelle Persönlichkeit und darum, wie sie Gemeinschaft erlebt, wie die Bewegung des Lachens in Tanz übergeht. Lachen beinhaltet einen dialogischen Aspekt. Diesen greife ich zusammen mit der Regisseurin und Bühnenbildnerin Dorothea Lanz und dem Komponisten Matthias Schneider-Hollek immer wieder auf.

Inwiefern?

Das Bild des Spiegels findet sich zum Beispiel in der Raumlösung. Die Zuschauer sitzen sich mit der Tanzfläche in der Mitte gegenüber. Das Lachen des Anderen entzündet eventuell das eigene oder auch gerade nicht. Und weil wir die soziale Funktion des Lachens testen wollen, haben wir ein kürzeres Format für den öffentlichen Raum entwickelt.

Termin: „L-Movement“, 13.-15. Juli, 19 Uhr, Theater Tri-Bühne, am 16. Juli, 17.30 Uhr, auf dem Marktplatz in Ludwigsburg, am 17. Juli, 18.30 Uhr, auf dem Marktplatz in Bad Cannstatt

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Erstellt:
11. Juli 2022, 14:22 Uhr

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