„Faust-Szenen“ im Forum in Ludwigsburg

Zweistündiges Opus in Mischform

Die Staatsoper Stuttgart führt im Ludwigsburger Forum am Schlosspark Robert Schumanns „Faust-Szenen“ auf, was in einem pauschalen Drama endet.

André de Ridder.

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André de Ridder.

Von Markus Dippold

Robert Schumann macht es mit seinen „Faust-Szenen“ weder den Ausführenden noch dem Publikum einfach. Aus den beiden Teilen von Goethes „Faust“-Drama greift der Komponist einige Szenen heraus und zwingt diese in eine dramaturgische Mischform. Das Ergebnis ist eher Oratorium als Oper und fordert eine große Besetzung. Vor allem benötigt das zweistündige Opus einen Dirigenten, der die dicke Instrumentierung und kühnen harmonischen Wendungen der Partitur in den Dienst der Dramaturgie stellt.

Das Orchester spielt zu undifferenziert

Doch bei der konzertanten Aufführung der Staatsoper Stuttgart im äußerst schwach besuchten Forum am Schlosspark in Ludwigsburg liegt genau darin die entscheidende Schwäche. André de Ridder neigt in den ersten beiden Abschnitten des dreiteiligen Werks zu sehr pauschalen Gesten. Die Liebes-Annäherung von Faust und Gretchen in der Gartenszene klingt hier ebenso pauschal wie Fausts Tod kurz vor der Konzertpause. Zu undifferenziert lässt de Ridder das Orchester spielen. Den stärksten Eindruck hinterlässt Kai Kluge, der mit strahlendem Tenor das Sonnenaufgangs-Solo des Ariel und die Partie des Pater Ecstaticus am Beginn des dritten Teils zelebriert. Jarrett Ott begeistert in der Titelpartie mit seinem in allen Lagen gut klingenden Bariton. Wie er den hoch liegenden Monolog „Hier ist die Aussicht frei“, seine Stimme ätherisch schweben lässt und dabei eine an diesem Abend rare Wort-Ton-Behandlung hören lässt, ist eindrucksvoll.

Ott in der Titelpartie begeistert

Im zweiten und dritten Abschnitt dieser „Faust-Szenen“ ist auch der von Manuel Pujol einstudierte Staatsopernchor stark gefordert. Vor allem die Klangpracht in den letzten Szenen zeigt die gewohnte Stärke des Ensembles. Allerdings versteht man vom Text – auch wegen der großen Distanz zwischen Chor und Publikum – nicht allzu viel.

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Erstellt:
12. Juli 2022, 17:06 Uhr

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