Inflation leicht gesunken

9-Euro-Ticket und Tankrabatt zeigen leichten Effekt

Die Teuerungsrate ist im Juli leicht gesunken – bleibt aber auf hohem Niveau. Experten warnen vor dem Herbst, wenn Tankrabatt und 9-Euro-Ticket auslaufen.

Wie lang reicht das Geld im Portemonnaie?

© IMAGO/Sven Simon/IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Wie lang reicht das Geld im Portemonnaie?

Von the/epd/rtr

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli im Vergleich zum Vormonat leicht auf 7,5 Prozent zurückgegangen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. „Leicht dämpfend wirkten sich seit Juni 2022 zwei Maßnahmen des Entlastungspakets auf die Gesamtteuerung aus: das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt. Im Juli 2022 wurde zudem die EEG-Umlage abgeschafft“, erklärte der Präsident des Bundesamtes, Georg Thiel.

Die Inflationsrate bleibe aber auf hohem Niveau, betonte er. Im Juni hatte die Teuerung 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat betragen, im Mai waren es 7,9 Prozent – so hoch wie seit dem Winter 1973/74 nicht mehr. Gegenüber dem Juni 2022 stiegen die Verbraucherpreise im Juli den Angaben zufolge um 0,9 Prozent.

Warnungen vor dem Herbst

Experten warnen aber vor steigendem Inflationsdruck im Herbst, wenn nicht nur Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket auslaufen, sondern ab Oktober zusätzlich die Gas-Umlage erhoben wird. „Dies stellt für die Bürger einen massiven Kostenschub dar“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden seien Mehrkosten zwischen 300 und 1000 Euro pro Jahr zu erwarten. „Im Extremfall werden das Ende des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts, die üblichen Gaspreiserhöhungen sowie die Gas-Umlage die deutsche Inflationsrate etwa drei Prozentpunkte nach oben treiben“, sagte Krämer. „Die Inflationsrate wäre dann im vierten Quartal zweistellig.

Energie verteuerte sich im Juli wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine um 35,5 Prozent und bleibt damit Preistreiber Nummer eins. Allerdings war das Plus im Juni mit 38,0 Prozent noch höher ausgefallen. Die Preisaufschlag bei Strom betrug 18,1 Prozent und hat sich vor allem infolge der Abschaffung der EEG-Umlage abgeschwächt (Juni: +22,0 Prozent). Kraftstoffe verteuerten sich auch infolge des Tankrabatts nur noch um 23,0 Prozent (Juni: +33,2 Prozent, Mai: +41,0 Prozent). Die Preise für leichtes Heizöl haben sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.

Nahrungsmittel wurden teurer

Die Preise sowohl für die Bahntickets im Nahverkehr (-43,9 Prozent) als auch für die kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches (-63,0 Prozent) gaben wegen des Neun-Euro-Tickets stark nach. Nahrungsmittel kosteten hingegen 14,8 Prozent mehr als im Juli 2021. „Damit hat sich der Preisauftrieb den fünften Monat in Folge verstärkt“, betonten die Statistiker. Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+44,2 Prozent) sowie Molkereiprodukte und Eier (+24,2 Prozent). Fleisch und Fleischwaren kosteten 18,3 Prozent mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli angesichts der rekordhohen Inflation in der Währungsunion erstmals seit 2011 ihren Leitzins angehoben und beabsichtigt im September nachzulegen. Dadurch steigen die Kreditkosten für Verbraucher wie Unternehmen, worunter Konsum und Investitionen weiter leiden dürften. Das wiederum könnte der ohnehin schwächelnden Konjunktur zusetzen.

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Erstellt:
10. August 2022, 11:10 Uhr
Aktualisiert:
10. August 2022, 11:18 Uhr

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