Zentralklinikum Rastatt

Ärger um eine Geburtsstation

Streit zwischen Baden-Baden und Rastatt: Es geht um den Standort des geplanten Zentralklinikums – und somit auch um den Geburtsort der Babys, die dort künftig zur Welt kommen.

Am Münchfeldsee in Rastatt soll das neue Klinikum gebaut werden.

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Am Münchfeldsee in Rastatt soll das neue Klinikum gebaut werden.

Von Stefan Jehle

Es gibt geteilte Sorgen, aber eine geteilte Geburtsstation? Mit getrennten Kreißsälen für Kinder aus unterschiedlichen Städten? Ein derartiges Kuriosum könnte bald im Badischen entstehen – die Städte Baden-Baden und Rastatt diskutieren zumindest heftig darüber. Der Hintergrund: Am Standort Münchfeldsee, am Stadtrand von Rastatt, soll ein neues Zentralklinikum gebaut werden. Dieses soll die bisherigen Krankenhäuser in Baden-Baden, Rastatt und dem südlich gelegenen Bühl ersetzen. Fertig werden soll es nach aktuellem Stand 2029.

Die idyllische Gegend soll Gesundheit fördern

Soweit sind sich die beteiligten Städte einig. Auch weil der kleine, idyllisch gelegene See, einer schnellen Genesung der Patienten förderlich sei, heißt es. Doch hinter den Kulissen knirscht es gewaltig. Wegen der Corona-Bedingungen hatte Rastatt Ende 2021 seine Geburtshilfestation in der örtlichen Klinik dauerhaft schließen müssen. Sie wurde ins zehn Kilometer entfernte Baden-Baden abgeben. Dort wurden während der Krise vier Kreißsäle modernisiert.

Die Kurstadt möchte diese gern behalten – auch im neuen Zentralklinikum Mittelbaden, das allerdings nun mal auf Rastatter Gemarkung entstehen soll. Bei dem Streit geht es unter anderem um „das Geburtsrecht“, wie Baden-Badens neuer Oberbürgermeister Dietmar Späth (parteilos) durchblicken lässt, auf das seine Stadt pocht. Im Juli hatte Späth erstmals die Forderung gestellt: „Wir brauchen auch künftig Kinder, die in Baden-Baden geboren werden.“

Getrennte Kreißsäle sind denkbar

Möglich wäre das mit einem Flächentausch. Die Kurstadt reicht mit einer kleinen Landzunge bis an Rastatter Gemarkung heran. Gedacht wird nun an „ein kleines Stückchen Baden-Baden“ in Rastatt – in Form einer Exklave. Die Geburtsstation könnte so geteilt werden: mit getrennten Kreißsälen für Kinder aus Baden-Baden und Rastatt, auf jeweils eigener Gemarkung.

Das hat der Stadtrat von Baden-Baden nun konkretisiert. In einem Beschluss heißt es: „Grundsätzlich besteht die Überlegung, dass durch einen Gebietstausch ein Teil der Kreißsäle auf Baden-Badener Gemarkung liegen würden.“ Was planerisch schwierig ist: Am Ende müsste gar das baden-württembergische Innenministerium zustimmen. Im Mai 2020, als es erstmals um das Aus für die Geburtshilfe Rastatt ging, scherte sich umgekehrt niemand: Kinder würden „vom Gütesiegel ‚geboren in Rastatt‘ ausgeschlossen“, hatte damals Rastatts SPD-Fraktionschef Joachim Fischer gewarnt.

Abstimmung im Mai 2023

Doch es droht neuer Streit: Von einer Bürgerinitiative wird der Standort Münchfeldsee nun ganz infrage gestellt. Die Unterschriften für ein Bürgerbegehren sind zusammen, voraussichtlich Anfang Mai 2023 wird abgestimmt. „Eine zweigeteilte Geburtsstation ist eine zunächst bizarr anmutende Idee, aber sie könnte dazu beitragen, die verschiedenen politischen Strömungen in Stadt und Kreis auf ein gemeinsames Ziel hin zusammenzuführen“, sagt derweil Manuel Hummel, der Sprecher der Grünen im Kreistag. Allerdings wurden bisher weder die Stadt Bühl noch 22 Rastatter Kreisgemeinden gefragt, wie sie sich den Neubau vorstellen. Es bleibt somit spannend.

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Erstellt:
26. Dezember 2022, 16:00 Uhr

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