Parteitag

Aggressive Blockaden und bunte Demo – Essen protestiert gegen die AfD

Mit Sitzblockaden haben Aktivisten versucht, den AfD-Parteitag in Essen zu verhindern. Die Polizei griff teils rigoros durch. An friedlichen Protesten beteiligten sich Zehntausende Menschen.

Zehntausende –  darunter viele Familien –  beteiligten sich bei strahlendem Sonnenschein an einer großen Demonstratio.

© dpa/Friedrich Stark

Zehntausende – darunter viele Familien – beteiligten sich bei strahlendem Sonnenschein an einer großen Demonstratio.

Von red/dpa

Mit einer Mischung aus buntem Protest und aggressivem Widerstand haben Demonstranten in Essen gegen den AfD-Bundesparteitag protestiert. Mit Straßenblockaden versuchten Aktivisten am Samstagmorgen, die Delegierten an der Anreise zu hindern. Immer wieder kam es zu Rangeleien mit der Polizei, die setzte teilweise Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Einige Delegierte wurden unter massivem Polizeischutz zu Fuß durch die aufgebrachte Menge in die Grugahalle geleitet, wo die AfD zusammenkam. Elf Polizisten und mehrere Aktivisten wurden verletzt. Der Parteitag begann leicht verspätet.

Ab dem späten Vormittag dominierte dann der friedliche Protest von vielen Bürgern: Zehntausende – darunter viele Familien – beteiligten sich bei strahlendem Sonnenschein an einer großen Demonstration durch die Stadt.

Aktivisten blockieren Straßen und Kreuzungen

Am frühen Morgen gaben zunächst linke Gruppierungen den Ton an: Die Initiative Widersetzen hatte dazu aufgerufen, den AfD-Delegierten mit Sitzblockaden den Weg zum Parteitag zu versperren. Mehrere Stunden blockierten die Aktivisten Straßen und Kreuzungen. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es gab laut Polizei mehrere Festnahmen.

Der Polizei sorgte mit mehreren Tausend Beamten dafür, dass die wichtigsten Zufahrten zur Grugahalle frei blieben. An einer Kreuzung habe eine Personengruppe versucht, eine Polizeiabsperrung zu überwinden, teilten die Einsatzkräfte mit. Kräfte einer Hundertschaft hätten dies mit Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken unterbunden. Mehrere Rettungswagen seien angefordert worden, sagte ein Polizeisprecher. Vertreter der Aktivisten kritisierten die Polizei für ein zu hartes Vorgehen.

Weidel: „Hat mit Demokratie nichts zu tun“

In einer Einkaufsstraße belagerten Demonstranten eine Bäckerei, in der sich AfD-Politiker aufhielten. Kräfte einer Einsatzhundertschaft hätten die Politiker herausgeführt, sagte ein Polizeisprecher. Die Situation sei angespannt gewesen.

Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel übte heftige Kritik an den Protesten. „Das, was sich da draußen abspielt, hat mit Demokratie nichts zu tun“, sagte sie zum Beginn des Parteitags. Aus Sorge vor einer Störung des Parteitags sicherte die Polizei die Grugahalle zu allen Seiten mit massiven Kräften ab, auch Wasserwerfer waren postiert. Linksextremisten hatten zuvor mit gewaltsamen Aktionen gedroht.

Zehntausende ziehen bei bunter Demo durch die Stadt

Am späten Vormittag begannen dann die Proteste des gemäßigten Lagers. Der zentrale Demonstrationszug erstreckte sich über mehrere Kilometer. Viele Teilnehmer hatten bunte Plakate gebastelt, demonstrierten gegen Intoleranz und Rechtsextremismus. Die Organisatoren der Initiative Gemeinsam Laut sprachen von 50 000 Demo-Teilnehmern. Die Polizei nannte zunächst keine eigenen Schätzungen. „Die vielen Tausenden Demonstranten in Essen zeigen: In Nordrhein-Westfalen ist kein Platz für Hetze, Hass und Rechtsextremismus“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

Bei einer Versammlung, die die Stadt Essen am Nachmittag organisiert hatte, blieben die Teilnehmerzahlen aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Von „kumuliert 25 000 Teilnehmern“ sprach eine Stadtsprecherin - allerdings waren die allermeisten davon nur kurz nach dem Ende des Demozugs dort geblieben.

Der AfD-Bundesparteitag läuft noch bis Sonntag. Am Sonntagmorgen werden allerdings keine massiven Proteste mehr erwartet - lediglich eine Mahnwache ist angemeldet. Die Stadt Essen hatte monatelang nach Möglichkeiten gesucht, den AfD-Parteitag noch zu verhindern - war damit aber letztlich vor Gericht gescheitert.

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Erstellt:
29. Juni 2024, 18:14 Uhr

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