Maskenpflicht

Ausnahmen für Frischgeimpfte „wenig alltagstauglich“

„Wer soll das überprüfen?“ Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hält nichts davon, für Frischgeimpfte Ausnahmen bei der Maskenpflicht zuzulassen. Es ist nicht die einzige Kritik.

Wie geht es mit der Maskenpflicht im Herbst weiter?

© dpa/Robert Michael

Wie geht es mit der Maskenpflicht im Herbst weiter?

Von the/AFP/epd

Es ist ein Vorschlag für ein verändertes Infektionsschutzgesetz: Menschen, die vor weniger als drei Monaten geimpft wurden, müssen keine Maske tragen. Diese geplante Ausnahme von der Maskenpflicht sorgen aber weiter für Kontroversen: Die Regelung sei „wenig alltagstauglich“, sagte am Mittwoch Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt in SWR Aktuell. Er schloss sich damit der Kritik aus den Ländern an.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält die geplante Regelung hingegen für durchaus kontrollierbar. Die Einhaltung könne durch eine farbliche Kennzeichnung des Impfzertifikats in der Corona-Warnapp kontrolliert werden, sagte der Minister am Dienstabend im ZDF-heute journal“.

Die geplante Regelung sieht vor, dass es bei Kultur-, Freizeit- und Sportveranstaltungen eine Befreiung von der Maskenpflicht geben soll, wenn ein negatives Testergebnis vorgelegt wird oder die letzte Impfung nicht länger als drei Monate zurückliegt. Der Präsident der Bundesärztekammer Reinhardt hält von einer solchen Lösung wenig: „Wer soll das überprüfen? Und was passiert, wenn so eine Impfung drei Monate und zwei Tage alt ist?“ Auch die Gesundheitsminister der Länder hatten nach ihren Beratungen am Dienstag erklärt, die vorgesehenen Ausnahmen von der Maskenpflicht in Innenräumen für frisch Geimpfte und Genesene seien „in der praktischen Umsetzung nur schwer kontrollier- und umsetzbar“.

Keine Impfung alle drei Monate

Im ZDF-“heute journal“ verteidigte der Gesundheitsminister den Plan. Die Kontrolle des Zertifikats sei durch eine farbliche Kennzeichnung einfach, meint Lauterbach. Die Regelung sei auch nicht so zu verstehen, dass sich „die Leute alle drei Monate impfen lassen sollen“. Dies sei abwegig und „medizinisch unsinnig“, sagte Lauterbach in den ARD-“Tagesthemen“.

Testergebnisse zu angepassten Impfstoffen wiesen darauf hin, dass sie auch gut vor Ansteckung schützten, fügte der Minister hinzu. Aus diesem Grund könnten Frischgeimpfte für drei Monate durchaus von der Maskenpflicht in Innenräumen befreit werden, so der Gesundheitsminister. Die Impfstoffe sollen ab Herbst auf den Markt kommen.

Kritik an Lauterbachs Impfempfehlung

Unterdessen zog Lauterbach auch wegen seiner Äußerungen zu einer vierten Corona-Impfung Kritik auf sich. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagte dem Nachrichtensender „Welt“, die Empfehlungen des  Gesundheitsministers seien „nicht wissenschaftlich“. Lauterbach, der selbst Mediziner und approbierter Arzt ist, treffe vielmehr rein politische Entscheidungen. Diese seien aber für Mediziner kein Orientierungspunkt, sagte Schmidt-Chanasit.

Er orientiere sich als Arzt an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, sagte der Virologe weiter. Die Stiko empfiehlt die vierte Impfung bislang für Menschen ab 70, Lauterbach hatte sie davon abweichend auch für jüngere angeregt. 

Er trat nun aber dem Eindruck entgegen, er empfehle eine vierte Corona-Impfung für alle. „Ich habe nicht gesagt, für alle die vierte Impfung, ich habe nur darauf hingewiesen, dass wir auch eine Botschaft für die unter 60-Jährigen oder die unter 70-Jährigen benötigen“, sagte er im ZDF-“heute journal“. 

Bei jüngeren Menschen könne es aber durchaus Sinn machen, „dass man noch etwas zuwartet“ und sich mit den neuen Impfstoffen behandeln“ lasse, fügte der SPD-Politiker in den ARD-“Tagesthemen“ hinzu. Älteren und Menschen mit Risikofaktoren rate er „ganz klar“ und in Übereinkunft mit der Stiko, sich die vierte Impfung jetzt abzuholen. 

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Erstellt:
10. August 2022, 14:02 Uhr

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