Todesfahrt in Berlin

Bezirk will weniger Verkehr an Gedächtniskirche

Der Bereich rund um Ku’damm und Gedächtniskirche ist einer der beliebtesten Orte für Touristen und zum Einkaufen in Berlin. Entsprechend voll ist es dort. Und auch gefährlich wegen möglicher Anschläge. Der zuständige Bezirk fordert schnelles Handeln.

In Berlin herrschen nach der Todesfahrt Trauer und Entsetzen.

© dpa/Christoph Soeder

In Berlin herrschen nach der Todesfahrt Trauer und Entsetzen.

Von red/dpa

Nach der tödlichen Autofahrt eines psychisch kranken Mannes in Berlin will der Bezirk Pläne für reduzierten Autoverkehr an der Gedächtniskirche so schnell wie möglich umsetzen. Auf beiden Seiten des Breitscheidplatzes sollten Autospuren entfernt oder umgelenkt werden, um eine direkte und gerade Fahrt Richtung Breitscheidplatz zu verhindern, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Kirstin Bauch (Grüne), am Freitag. Dafür gebe es seit Jahren Konzepte, die aber von der Senatsverkehrsverwaltung und dem Senat bisher nicht beschlossen worden seien, so dass die Umsetzung bisher gescheitert sei.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wie lässt sich eine Amokfahrt verhindern?

Am Mittwoch war der Autofahrer auf dem Ku’damm und der Tauentzienstraße in zwei Menschengruppen gefahren. Die Lehrerin einer Schulklasse aus Hessen starb, ein Lehrer und sieben Schüler kamen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser, weitere Menschen wurden verletzt. Der Breitscheidplatz war allerdings nicht betroffen. Dort war 2016 auf der anderen Seite der Gedächtniskirche ein islamistischer Attentäter auf den Weihnachtsmarkt gefahren. Rund um den Platz wurden danach die großen Betonklötze aufgestellt.

Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sagte: „Wir müssen die hohe Gefährdung des Breitscheidplatzes über die Verkehrslenkung in den Griff bekommen.“ Die derzeitigen schweren Absperrungen aus großen Betonklötzen zum Schutz des Platzes könnten dann wieder entfernt werden.

Sicherheit durch besondere Schutzmaßnahmen?

An Orten wie dem Breitscheidplatz spiele die Frage der Sicherheit durch besondere Schutzmaßnahmen eine herausgehobene Rolle, sagte Verkehrs- und Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne). Gemeinsam mit Bezirk und Innenverwaltung solle eine Lösung vorangebracht werden. „Ein verkehrsberuhigter Tauentzien kann natürlich in der City West die Aufenthaltsqualität erhöhen – und würde auch das Problem der Raser auf dem Ku’damm und dem Tauentzien lösen, in diesem Sinne rede ich da gerne drüber“, so Jarasch, die aber auch sagte: „Die Konzepte zum Umbau des Tauentzien, die jetzt aus der Schublade geholt wurden, hätten die Amokfahrt nicht verhindern können.“

Kritik an den Plänen des Bezirks kam von der Berliner CDU. Der tödliche Vorfall dürfe nicht für eine „ideologische Verkehrspolitik“ missbraucht werden, hieß es in einer Mitteilung. „Die Tränen der Opfer sind noch nicht getrocknet, da wollen die Grünen im Bezirk aus der entsetzlichen Amokfahrt politisches Kapital schlagen“, so der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici.

Keine Diskussionen über grundsätzliche Sperrung

Nach den Konzepten des Bezirks soll nördlich des Platzes die Budapester Straße verengt werden mit nur noch einer Spur in jede Richtung. Die Kantstraße wird dann an der Seite zur Sackgasse. Für den südlichen Bereich an der Tauentzienstraße, die jetzt von der Amokfahrt betroffen war, gebe es ein Konzept des Senats, bei dem die Einmündung der Rankestraße und der Mittelstreifen umgebaut werden. Sollte der Senat den Umbau endlich beschließen, könne der Bezirk den Verkehr provisorisch ab dem Herbst umlenken. Der endgültige Umbau der Straßen dauere länger.

Bauch und Schruoffeneger sagten, natürlich lasse sich nicht die ganze Stadt schützen. Aufgabe der Politik sei es aber, auf den großen öffentlichen Plätzen für Sicherheit zu sorgen. Der Durchgangsverkehr müsse dann weiträumiger um den Innenstadtbereich umgeleitet werden, hieß es. Diskussionen über die grundsätzliche Sperrung der Tauentzienstraße für Autos sollten aber nicht jetzt geführt werden. Zunächst gehe es um das bereits vorhandene Sicherheitskonzept.

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Erstellt:
10. Juni 2022, 17:04 Uhr

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