Großfeuer in Gohrischheide

Brandstiftung mit Millionenschaden

Auch nach einer Woche brennt es noch in der Gohrischheide. Hubschrauber, Bundeswehrpanzer und Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, die sich bis nach Brandenburg ausbreiten. Nun gibt es Erkenntnisse – auch zur Ursache.

In der Gohrischheide brennt es weiterhin.

© dpa/Robert Michael

In der Gohrischheide brennt es weiterhin.

Von red/dpa

Das bis nach Brandenburg reichende Feuer in der Gohrischheide (Landkreis Meißen) ist der größte Waldbrand in Sachsen seit 30 Jahren. Nach Erkenntnissen der Behörden wurde er vorsätzlich gelegt und hat Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht.

An drei Stellen auf sächsischem Gebiet wurden Rückstände von Brandbeschleunigern gefunden, mit denen Flächen entzündet wurden - auch noch während der Löscharbeiten. Polizei und Staatsanwaltschaft Dresden ermitteln nach Angaben vom Freitag wegen des Verdachts der Brandstiftung gegen bisher unbekannte Täter. Ob es eine oder mehrere Personen waren, sei noch unklar, sagte ein Sprecher.

Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden am Nachmittag des 23. Juni „vor 15.10 Uhr auf derzeit unbekannte Art und Weise an mindestens vier Stellen im Landschaftsschutzgebiet Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain bei Gröditz Heide- und Forstflächen“ entzündet, am Abend und in der Nacht des 25. Juni dann „an mindestens zwei weiteren Stellen“. Nach ersten Schätzungen entstand ein Sachschaden von etwa 13,5 Millionen Euro.

Es herrscht extreme Trockenheit

Das Feuer breitete sich den Angaben zufolge wegen der extremen Trockenheit und des dichten Bewuchses schnell auf einer Fläche von mindestens 900 Hektar nach Norden und über die Landesgrenze aus. Erst am vergangenen Montag war es unter Kontrolle. „In einem Teil der Gohrischheide brennt es noch immer“, sagte Einsatzleiter Matthias Heydel am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Im Rest des Gebiets gebe es Flammenbildung und Glutnester, die rund um die Uhr bewacht werden müssten, auch weil bisher nur wenig Regen in der Region angekommen ist.

Nach Angaben des Staatsbetriebs Sachsenforst übertrifft die Dimension des Waldbrandes den vom Mai 1992 bei Weißwasser (Landkreis Görlitz). Dort standen rund 1000 Hektar Wald in Flammen. Landesforstpräsident Utz Hempfling dankte bei einem Besuch am Brandort Haupt- und Ehrenamtlichen „für ihren unermüdlichen Einsatz“. Dadurch sei weiterer Schaden, besonders für Menschen, verhindert worden.

Laut Sachsenforst sind vor allem staatliche Waldflächen, aber auch Privat- und Bundeswald betroffen. Räummaschinen der Bundeswehr schufen vegetationsfreie Schutzstreifen, um die Ausbreitung von Flammen zu verhindern. In Sonderschutzzonen, wo natürliche Prozesse vollkommen ungestört ablaufen sollen, könne ein Waldbrand „als Teil der natürlichen Dynamik“ angesehen werden, sagte Hempfling. Auf den verbrannten Böden entstünden neue Pionierpflanzen- und Tiergesellschaften, die als selten und wertvoll bewahrt werden.

Das Areal ist munitionsbelastet

Der Großbrand war am Donnerstag vergangener Woche ausgebrochen und hatte sich am Freitag in Richtung Mühlberg (Brandenburg) ausgeweitet. Die Hitze und drehender Wind hatten die Löscharbeiten erschwert, das Feuer war an mehreren Stellen der Wege, die das Brandgebiet begrenzen, übergesprungen. Mit Hilfe dreier Löschhubschrauber konnte es immer wieder zurückgedrängt und die Evakuierung von Ortsteilen vermieden werden.

In dem munitionsbelasteten Areal, auf dem sich früher ein Truppenübungsplatz befand und Explosionsgefahr besteht, hilft eine gepanzerte Waldrückemaschine beim Eindämmen von Flammen. Das Großgerät kann auch mit 4000 Liter Löschwasser befüllt werden. Die Bergepanzer der Bundeswehr, die die Einsatzkräfte seit Anfang der Woche unterstützten, seien wieder abgezogen, sagte Heydel.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an, sie setzen dabei auf die Mithilfe der Bevölkerung. Gesucht werden Zeugen und Hinweise zu verdächtigen Personen, die sich in der Nähe oder Umgebung des Brandgebiets aufgehalten haben. Brandstiftung ohne Personenschaden kann Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren nach sich ziehen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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Erstellt:
1. Juli 2022, 15:42 Uhr

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