Klimaschutz

Brüssel beschließt das Aus für Benzin- und Dieselmotoren

In der Europäischen Union dürfen ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Kritik kommt nicht nur von der Autoindustrie.

In der EU dürfen ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. Das hat die EU beschlossen. Dafür erntet Brüssel massive Kritik - nicht nur von der Autoindustrie.

© dpa/Arne Dedert

In der EU dürfen ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. Das hat die EU beschlossen. Dafür erntet Brüssel massive Kritik - nicht nur von der Autoindustrie.

Von Knut Krohn

Neuwagen dürfen in Zukunft keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Die EU hat in Brüssel damit das Aus für PKW mit Benzin- und Dieselantrieb ab dem Jahr 2035 beschlossen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen pries die Einigung zwischen Europaparlament und den EU-Mitgliedsstaaten im Kurznachrichtendienst Twitter als „entscheidenden Meilenstein zu Erreichung unseres Klimaziels für 2030“ an. Die Regelungen für Neuwagen sind Teil eines umfassenden Klimaschutzpakets, mit dem die EU bis 2030 ihre CO2-Emissionen um 55 Prozent reduzieren will.

Frage der E-Fuels nicht nicht geklärt

Wirklich endgültig ist die Entscheidung allerdings nicht. Im Jahr 2026 soll der Beschluss im Lichte der aktuellen Entwicklungen noch einmal überprüft werden. Und es gibt noch einige Schlupflöcher. In dem nun erzielten Kompromiss ist eine Bitte an die EU-Kommission festgehalten, zu überprüfen, ob der Einsatz von sogenannten E-Fuels für Autos künftig in Frage kommen könnte. Darauf hatte in der Bundesregierung vor allem die FDP gedrängt. Ausnahmen soll es zudem für Hersteller geben, die weniger als 10 000 Autos pro Jahr produzieren - also Hersteller von Luxusautos wie Ferrari.

Massive Kritik kommt von den Autobauern. Die zielt allerdings nicht direkt auf das beschlossene Aus für Diesel – und Benzinmotoren, denn die Industrie sieht sich durchaus in der Lage, PKW ab 2035 nur noch mit Elektromotoren auszustatten. „Es ist fahrlässig, Ziele für die Zeit nach 2030 festzulegen, ohne entsprechende Anpassungen aufgrund aktueller Entwicklungen vornehmen zu können“, moniert VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie kritisiert, dass der Ausbau des Ladesäulennetzes für Elektroautos viel zu langsam vorangehe.

Warnungen aus der Automobilindustrie

Vor allem in den ärmeren Ländern der EU sei es praktisch unmöglich in wenigen Jahren die entsprechende Infrastruktur zu installieren. Auch warnt sie vor den drohenden Rohstoffabhängigkeiten etwa beim Bau der Batterien. Zudem müsse geklärt sein, dass ausreichend erneuerbare Energien erzeugt werden. „Die EU muss jetzt umgehend bei den Rahmenbedingungen in die Offensive gehen“, betonte Müller.

Der Präsident des europäischen Autoherstellerverbands Acea, der BMW-Chef Oliver Zipse, nannte die Einigung „extrem weitreichend“. Er erklärte allerdings, die europäische Automobilindustrie sei der Herausforderung gewachsen. Aber auch Zipse rief die EU dazu auf, die wesentlichen Voraussetzungen zu schaffen, etwa „ein nahtloses privates und öffentliches Ladeinfrastruktur-Netzwerk“.

Kritik kommt auch aus dem EU-Parlament

Trotz einiger unbeantworteten Fragen unterstützen die meisten Europaparlamentarier das Verbrenneraus. Vom Grünen-Abgeordneten Michael Bloss hieß es, jetzt sei klar, dass die Zukunft in der Elektromobilität liege. Es handle sich um eine „Zeitenwende“, die den Wohlstand von morgen sichere. Kritisch sieht er, den Wunsch der FDP teure E-Fuels zuzulassen. „Das mag die FDP als Sieg verkaufen, aber nicht alle können sich diese Porschementalität leisten.“ Weniger euphorisch äußern sich Abgeordnete aus der konservativen EVP-Fraktion. Mit dem Beschluss setze man „alles auf eine Karte“, erklärte der CDU-Politiker Jens Gieseke. „Ein vollständiges Verbot einer Technologie geht zu weit. Aus unserer Sicht hätte es eine freiwillige Regelung für klimaneutrale Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe geben müssen.“ Die Kritiker im Parlament hoffen nun auf das Jahr 2026, wenn der Kompromiss im Lichte der Entwicklung noch einmal überprüft wird. Manche Entscheidungen könnten dann noch einmal entschärft werden. ENDE-ENDE

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Erstellt:
28. Oktober 2022, 09:24 Uhr

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