Mahnung an die Banken

Bundesbank dringt auf mehr Risikovorsorge

Die Energiekrise dürfte zu Unternehmenspleiten führen. Die Kreditinstitute sollten sich besser dafür wappnen, mahnt die Notenbank.

Die durchschnittliche Risikovorsorge der Banken befindet sich auf einem historischen Tief.

© dpa/Boris Roessler

Die durchschnittliche Risikovorsorge der Banken befindet sich auf einem historischen Tief.

Von Barbara Schäder

Angesichts der mit dem Ukraine-Krieg verbundenen Unwägbarkeiten mahnt die Bundesbank die Kreditwirtschaft zu einer Aufstockung ihrer Risikovorsorge. „Insbesondere bei Unternehmenskrediten können durch sinkende Erträge und höhere Zinsaufwendungen die Ausfallrisiken zunehmen“, heißt es im neuen Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank. Noch verharre die Risikovorsorge der Banken „auf historisch niedrigem Niveau“.

Laut dem Bericht entsprechen die bislang vorgenommenen Wertberichtigungen und Rückstellungen in Summe etwa einem halben Prozent des gesamten Kreditbestandes deutscher Institute. „Wir sehen schon Raum für weitere Risikovorsorge“, sagte der zuständige Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte steigen

In den vergangenen Jahren ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stetig zurück. Wegen der Energiekrise stehe die deutsche Wirtschaft nun aber vor einem „Strukturwandel“, sagte Bundesbankvizepräsidentin Claudia Buch. „Man kann sich kaum vorstellen, dass der Strukturwandel vonstattengeht, ohne dass wir einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen sehen.“

Für das Winterhalbjahr erwartet die Bundesbank eine Rezession. Falls es doch noch zu Engpässen bei der Gasversorgung kommen sollte, wäre ein regelrechter Einbruch der Wirtschaftsleistung zu befürchten. Im Finanzstabilitätsbericht rechnete sie vor, dass die Banken dann im schlimmsten Fall ihre Kreditvergabe an Unternehmen um neun Prozent zurückfahren müssten, was die Krise wiederum verschärfen würde.

Anschlussfinanzierung kann für Eigenheimbesitzer schwierig werden

Für vergleichsweise moderat hält die Bundesbank dagegen die Risiken auf dem Immobilienmarkt. Selbst in einem Extrem-Szenario, „bei dem die Immobilienpreise um 30 Prozent einbrechen und die Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent steigt, entstünden den Banken nur Verluste in Höhe von 0,7 Prozent des betroffenen Kreditvolumens“, heißt es in dem Bericht. Ein Grund dafür: Eigenheimbesitzer gehören eher zum wohlhabenderen Teil der Bevölkerung. „Allerdings verfügt jeder zweite Haushalt, der Wohneigentum besitzt und Verbindlichkeiten ausstehen hat, über ein Finanzvermögen von weniger als vier Monatseinkommen“, schränkt die Bundesbank ein. „Insbesondere diese Haushalte sind verwundbar.“

Die steigenden Zinsen stellen ein Risiko vor allem für Immobilienbesitzer dar, die nach Ablauf ihrer vor Jahren geschlossenen Darlehensverträge auf eine Anschlussfinanzierung zu den aktuellen Konditionen angewiesen sind. Allerdings haben laut Bundesbank rund 35 Prozent der Kreditnehmer, bei denen eine Anschlussfinanzierung ansteht, ihren ersten Darlehensvertrag spätestens 2014 geschlossen. Damals lagen die Bauzinsen ähnlich hoch wie jetzt oder sogar höher.

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Erstellt:
24. November 2022, 15:06 Uhr

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