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Carsharing bald ohne den Stern

Mercedes und BMW verkaufen nach verlustreichen Jahren das Geschäft mit frei verfügbaren Flotten in den Städten an Stellantis.

Mercedes zieht einen Schlussstrich unters Carsharing-Geschäft.

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Mercedes zieht einen Schlussstrich unters Carsharing-Geschäft.

Von Markus Grabitz

Mercedes zieht einen Schlussstrich unter das Carsharing-Geschäft. Der Autobauer verkauft seine Anteile an Share Now an Stellantis, den Mutterkonzern von Marken wie Opel, Fiat, Chrysler und Peugeot. Schon 2019 hatte der Stuttgarter Hersteller einen Teilrückzug aus dem Carsharing angetreten. Da hatte der damalige Daimler-Konzern, der nach der Abspaltung der Nutzfahrzeugsparte jetzt Mercedes-Benz Group heißt, seinen 2009 gegründeten eigenen Carsharing-Anbieter namens Car2go in ein Gemeinschaftsunternehmen mit BMW überführt. BMW brachte seinerzeit seine Carsharing-Aktivitäten ein, die unter dem Namen Drive Now liefen. Auch der bayerische Hersteller BMW hat jetzt an Stellantis verkauft. Der Deal steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden.

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Share Now bezeichnet sich selbst als weltweit führender Carsharing-Anbieter bei den stationsunabhängigen Mietwagen („free floating“). Die Autos von Share Now können in mehr als einem Dutzend Metropolen in acht Ländern Europas per App gebucht werden. In Paris, Amsterdam und Stuttgart sind nur batterieelektrische Autos zu haben. Den Kaufpreis verraten die Beteiligten nicht. Viel Freude dürfte der Verkauf Mercedes-Finanzvorstand Harald Wilhelm aber nicht machen. Der Erlös dürfte sehr überschaubar bleiben.

Auch 13 Jahre nach Beginn des Carsharings keine Gewinne

Selbst Mercedes machte zuletzt kein Hehl daraus, dass das Geschäft mit den stationsunabhängigen Mietwagen nicht profitabel ist. Mercedes-Benz-Mobility-Chef Franz Reiner sagte kürzlich unserer Zeitung: „Share Now ist heute in einigen Städten profitabel.“ Die Aussage klingt nur auf den ersten Blick wie eine Erfolgsnachricht. Tatsächlich ist sie das Eingeständnis, dass auch 13 Jahre nach Beginn des Carsharings in den Innenstädten der Konzern mit dem Stern damit unter dem Strich insgesamt keine Gewinne einfahren konnte.

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Das Verlustgeschäft wird nun abgestoßen. Während das Unternehmen mit Leasing und Finanzierung ansehnliche Gewinne erwirtschaftet, ist das Konzept des Autoteilens damit gescheitert.

Beim Carsharing gibt es zwei Varianten. Beim stationsbasierten Modell muss der Kunde das Auto an einer Station abholen und wieder zurückbringen. Diese Variante gilt als erfolgreich und verhilft vielen Menschen, die keinen eigenen Wagen haben, kurzfristig zu einem mobilen Untersatz. Die zweite Variante ist das Free-floating-Modell. Dabei greift der Kunde per Mobilfunk-App auf Fahrzeuge zu, die irgendwo im Stadtgebiet von dem letzten Kunden abgestellt wurden.

Die Marke mit dem Stern setzt nicht auf hohe Stückzahlen

Das Carsharing passte auch immer weniger in die Luxusstrategie, der sich Mercedes-Konzernchef Ola Källenius verschrieben hat. Sie besagt, dass die Marke mit dem Stern nicht auf hohe Stückzahlen setzt, sondern die Gewinne vor allem mit renditestarken Fahrzeugen im oberen und obersten Preissegment erwirtschaften will.

Vom Konzept, Mobilitätsdienstleister zu sein, nimmt Mercedes aber auch nach dem Verkauf von Share Now nicht endgültig Abschied. Offiziell heißt es, nun wolle man sich umso stärker auf die beiden anderen Geschäftsfelder des Mobilitäts-Joint-Ventures mit dem bayerischen Autobauer konzentrieren: Free Now und Charge Now.

Unterschiedliche Mobilitätsformen per App

Über Free Now können registrierte Nutzer per App unterschiedliche Mobilitätsformen ordern und bezahlen, sei es ein Taxi, den Mietwagen, den E-Scooter oder das E-Bike – auch das klassische Carsharing ist über diese Software-Plattform verfügbar. Charge Now vermittelt Zugang zu Ladestrom für Elektroautos an derzeit mehr als 130 000 öffentlichen Ladesäulen in ganz Europa.

Reiner Feurer von BMW sagt: „Free Now und Charge Now sind mit dem Ansatz, eine Software-Plattform für möglichst viele Player in ihrem jeweiligen Segment aufzubauen, sehr erfolgreich unterwegs.“ In den ersten drei Monaten des Jahres hätten die beiden Angebote mit 42,3 Millionen Transaktionen etwa 30 Prozent mehr Geschäft gemacht als im Vorjahreszeitraum.

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Erstellt:
3. Mai 2022, 16:36 Uhr
Aktualisiert:
3. Mai 2022, 17:10 Uhr

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