E-Mobilität

Daimlers Stadtbusse fahren bald nur noch elektrisch

Den Herstellern von Lkw und Bussen geht der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur Strom und Wasserstoff in Europa viel zu langsam. Nicht nur die Verantwortlichen von Daimler Truck sehen die Europäische Union in der Verantwortung.

Daimler-Vorständin Karin Radström kritisiert den langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur für Strom und Wasserstoff in Europa.

© dpa/Uli Deck

Daimler-Vorständin Karin Radström kritisiert den langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur für Strom und Wasserstoff in Europa.

Von Knut Krohn

Die Ansage ist deutlich. Von 2030 an will Daimler seine Stadtbusse nur noch mit Elektromotoren ausstatten, sagt Till Oberwörder, Chef des Busgeschäfts bei Daimler Truck. „Wir mussten eine Entscheidung treffen und dann investieren“, erklärte er kürzlich in Brüssel, wo Daimler im schicken Ambiente des Oldtimer-Museums Autoworld die Zukunft seiner Palette für schwere Fahrzeuge präsentierte. Für Überlandbusse setze das Unternehmen allerdings auf einen anderen Antrieb, erklärt Till Oberwörder. Bei langen Strecken seien Fahrzeuge mit Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff angetrieben werden, klar im Vorteil.

Daimler Truck entwickelt E-Motoren weiter

Immer wieder betont der Daimler-Manager, dass das Unternehmen im Kampf gegen den Klimawandel den Weg der Dekarbonisierung seiner Flotte an Nutzfahrzeugen konsequent eingeschlagen habe. Auch der Zeitrahmen ist schon abgesteckt. Bis zum Jahr 2039 will der Branchenprimus nach eigenen Angaben in den globalen Kernmärkten nur noch Lkw und Busse anbieten, die im Fahrbetrieb CO2-neutral sind. Daimler Truck hat bereits 2018 den ersten batterieelektrischen Stadtbus, e-Citaro, auf den Markt gebracht. Dessen Reichweite konnte von 150 Kilometer auf inzwischen fast 300 Kilometer gesteigert werden.

Einher mit diesen Nachrichten aus der Stuttgarter Konzernzentrale geht eine Forderung an die Politik. Der Umbau könne nur gelingen, wenn die nötige Ladeinfrastruktur für die Fahrzeuge der Zukunft aufgebaut werde. Fehlende Ladesäulen sind nicht nur bei Pkw-Käufern häufig noch ein Argument, sich gegen die E-Mobilität zu entscheiden.

Brüssel sieht die Herausforderungen nicht

Die Verantwortlichen von Daimler Truck werden auch in diesem Fall sehr deutlich. „Der Aufbau einer Infrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge in Europa geht viel zu langsam“, konstatiert die Chefin für Europa und Lateinamerika, Karin Radström, und beschreibt ihre jüngsten Treffen mit Politikern in Brüssel. „Es ist wichtig, dort zu sein, denn ich habe das Gefühl, dass einige die Größe der Herausforderung noch nicht richtig einschätzen“, sagt die Vorständin, die auch das Lkw-Geschäft des Dax-Konzerns verantwortet. Ein langsamer Ausbau wäre eine riesige verpasste Chance, „denn es ist eigentlich gar nicht so schwierig, unseren gesamten Sektor zu dekarbonisieren, wenn man bereit ist zu investieren“. Angesichts der großen Herausforderung dürfe man allerdings nicht zu lange zögern, sondern müsse damit beginnen, die Dinge anzupacken. Karin Radström wünscht sich etwa mehr Pilotprogramme. „Das würde es unseren Kunden erleichtern zu investieren“, glaubt die Managerin.

Elektro-Lkw sind auf dem Vormarsch

Argumentationshilfe liefert den Fahrzeugbauern etwa eine Studie der Unternehmensberatung PwC. Die Branchenexperten gehen davon aus, dass Elektrolastwagen spätestens in einem Jahrzehnt den Markt beherrschen. Schon 2030 seien E-Lastwagen bei den Gesamtkosten etwa 30 Prozent günstiger als Diesel-Lkw, heißt es in der Untersuchung. Dann werde jeder dritte neue Lastwagen in Europa, Nordamerika und China elektrisch fahren. „Bis 2035 wird ihr Anteil in diesen Märkten bei den Neuzulassungen auf über 70 Prozent steigen.“

Doch wird auch in der Studie betont, dass die Entwicklung nur dann gelingen kann, wenn gleichzeitig ein flächendeckendes Netz von Ladesäulen und Wasserstofftankstellen aufgebaut wird. Für die nötigen Investitionen für ein belastbares Netz mit 1800 Megawatt-Ladesäulen und 2100 Wasserstofftankstellen müssten 36 Milliarden Euro veranschlagt werden. Um genügend grünen Strom für die E-Lastwagen zu haben, seien zudem bis zu 21 000 zusätzliche Windräder nötig.

Firmen kooperieren beim Ladenetzausbau

Um diese Herkulesaufgaben in Sachen Ladeinfrastruktur zu meistern, haben die drei großen Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck, die Volvo Group und die VW-Tochter Traton Group im vergangenen Jahr eine Absichtserklärung unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie den Aufbau und Betrieb eines öffentlichen Hochleistungsladenetzes für batterieelektrische schwere Fernverkehrs-Lkw und Reisebusse in Europa vorantreiben. Mittelfristig sollen rund 500 Millionen Euro investiert werden, um den Ausbau eines Netzes von mindestens 1700 Ladepunkten an Autobahnen, Abladestellen und zentralen Logistikpunkten voranzutreiben. Mit dieser Initiative soll aber nicht die Politik aus der Pflicht entlassen werden. Bei der Präsentation der Kooperation hieß es, dass man von der EU erwarte, dass sie den Ausbau eines dichten Ladenetzes in ganz Europa in den nächsten Jahren zügig vorantreibe.

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Erstellt:
2. November 2022, 15:58 Uhr
Aktualisiert:
2. November 2022, 17:09 Uhr

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