René Benko

Der Immobilienmogul aus Tirols Bergen

René Benko gilt mit seiner Signa Holding als einer der reichsten Männer in Österreich. Wie hat sich der Mann emporgearbeitet, der dem Stuttgarter Rathaus Sorgen macht?

In Stuttgart hat René Benko große Pläne auf dem Kaufhof-Gelände hinter dem Rathaus.

© dpa//Jens Kalaene

In Stuttgart hat René Benko große Pläne auf dem Kaufhof-Gelände hinter dem Rathaus.

Von Ulrich Schreyer

In einem volkstümlichen Lied aus Österreich heißt es: „Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh, sie verkaufen ihr Bettchen und schlafen auf Stroh.“ Der Immobilienmogul René Benko, geboren 1977 in Innsbruck, muss sein Bettchen nicht verkaufen. Stattdessen kauft er sich immer wieder etwas dazu. So gelang ihm 2018 die Fusion von Galeria Kaufhof und Karstadt. In Stuttgart gehören ihm unter anderem auch der Kaufhof hinter dem Rathaus und das daneben stehende Parkhaus.

Liebend gerne möchte er die Kaufhof-Filiale abreißen und neu bauen . Damit aber stellt er Stadtverwaltung und Gemeinderat vor ein Problem. Nach den Vorgaben für die Entwicklung der Innenstadt müsste er in dem Neubau auch Wohnungen einrichten. Als Hauptmieter aber möchte der Tiroler gerne die Stuttgarter Bundesbankverwaltung unterbringen. Diese soll mit 475 Mitarbeitern in die oberen fünf Stockwerke einziehen, unten soll es Läden geben. Und die Sicherheitsbestrebungen der Bundesbank lassen nach Ansicht der Verwaltung keine Wohnungen zu. Der Gemeinderat muss nun entscheiden, ob er Benko einen Verzicht auf Wohnungen durchgehen lässt – und damit zugunsten des Kaufhauskönigs von den Vorgaben für die Entwicklung der Innenstadt abweicht.

Nicht einfacher wird die Angelegenheit dadurch, dass die Signa Holdingauch die Hand auf dem Parkhaus neben dem Kaufhof-Gebäude hat, auf dessen Areal Oberbürgermeister Frank Nopper gerne ein Haus der Kulturen errichten möchte. Kommt die Stadt Benko in Sachen Wohnungen nicht entgegen, könnte dieser das Haus der Kulturen blockieren. Ein Vergleich könnte so aussehen: Benko darf mit dem Kaufhof-Gebäude machen, was er will, und baut der Stadt dafür auf dem Grundstück des Parkhauses ein Haus der Kulturen, das er später an diese verkauft.

Harte Verhandlungen mit Städten

In Deals mit Städten kennen Benko und seine Manager sich aus. In Düsseldorf etwa hat Signa angeboten, Karstadt samt Arbeitsplätzen zu erhalten – wenn der Konzern statt des alten Kaufhofs direkt gegenüber ein Hochhaus bauen darf, das möglicherweise die in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt üblicherweise zulässige Höhe von 100 Metern überschreitet. In anderen Städten weiß man um das Verhandlungsgeschick der Signa-Manager und den Druck, den sie aufbauen.

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Benko, der europaweit zu den großen Spielern im Immobilienwesen und bei Kaufhäusern gehört, wächst in eher bescheidenen Verhältnissen auf: Der Vater ist Gemeindebediensteter, die Mutter Erzieherin. Die Schule macht ihm wenig Spaß, er verlässt sie frühzeitig. Stattdessen nahm er in den 90er Jahren an Schulungen beim Finanzdienstleister AWD (heute Swiss Life) des illustren Finanzinvestors Carsten Maschmeyer teil.

Dafür, dass oben was zu holen ist, hat er schon früh ein gutes Gespür: Bereits in der Schulzeit entrümpelt er Wohnungen in der Innsbrucker Innenstadt und baut die Dachgeschosse für einen Projektentwickler in exklusiven Wohnraum um. 1999 macht er Ähnliches dann in eigener Regie: Aus Dachböden in Wien werden Luxus-Penthäuser. Zunächst soll er Tag und Nacht an seinem Aufstieg gearbeitet haben – mit schnellen Autos beeindruckt er sich selbst sehr gerne, aber eben auch mögliche Geschäftsfreunde. Heute hat er das nicht mehr nötig, lebt er mit Frau und vier Kindern in Innsbruck eher zurückgezogen.

Beginn goldener Zeiten

Der Anfang des neuen Jahrtausends wird für Benko der Beginn eines raschen und fast unglaublichen Aufstiegs, geradezu goldener Zeiten. 2004 baut er Innsbruck, der Stadt mit dem berühmten „Goldenen Dachl“, das damals vielfach bewunderte Kaufhaus Tyrol. Partner war Stararchitekt David Chipperfield. Beste Architekten bei ganz besonderen Neubauten – diese Linie verfolgt er bis heute.

Bekannte Namen als Partner

Etwas undurchsichtig waren nach Medienberichten seine frühen Geldgeber, so etwa ein griechischer Reeder, der aber inzwischen nicht mehr mit von der Partie ist. Benko selbst wurde 2013 von einem österreichischen Gericht zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er versucht haben soll, in ein Steuerstrafverfahren einzugreifen. Und in der Alpenrepublik gelten, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ einst schrieb, ohnehin etwas andere Maßstäbe, von „Freunderlwirtschaft“ sprach das Blatt.

Signa hat nicht nur eine Firmenzentrale in Innsbruck, wo Benko 2011 von Landeshauptmann Günther Platter zum „Tiroler des Jahres“ gekürt wurde. Präsent ist er selbstverständlich auch in Wien – auch mit Beteiligungen an „Kronen-Zeitung“ und „Kurier“. In der Kaffeehaus-Stadt läuft sich über den Weg, wer in Sachen Politik oder Geschäft unterwegs ist.

Benko, der 2013 aus dem operativen Geschäft aussteigt und den Vorsitz des Beirats der Signa Holding übernimmt, umgibt sich gerne mit schmucken Namen: So sitzt nicht nur Alfred Gusenbauer, Österreichs SPÖ-Bundeskanzler von 2008 bis 2009, in seinem Beirat, auch der Münchner Unternehmensberater Roland Berger mischt in dem Aufsichtsgremium mit.

Signa liebt die besten Plätze

Die Signa Holding sichert sich gerne beste Plätze in Städten mit gutem Namen. Noch immer gilt die Tauentzienstraße in Berlin mit dem Kaufhaus des Westens, bekannt als KaDeWe, als feine Adresse. In München ist Signa bei Oberpollinger engagiert, in Hamburg an den Alsterarkaden. Auch Südtirol lockt den Tiroler: Hoch über Bozen will er auf dem Virgl ein Museum für die Gletschermumie Ötzi errichten.

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Doch auch nach Stuttgart gibt es Verbindungen. So gehört etwa Sport Scheck in der Nähe des Hauptbahnhofs zum Signa-Imperium. Ein Benko-Freund dürfte auch Einfluss bei Züblin haben: Hans Peter Haselsteiner. Der österreichische Bauunternehmer ist nicht nur an Züblins Muttergesellschaft Strabag beteiligt, sondern hält auch Anteile an der Signa Holding. Nach einem Bericht des Wiener „Standard“ hat Haselsteiner seinen Anteil an Signa Ende 2021 auf 15 Prozent aufgestockt, 80 Prozent dürften Benkos Familienstiftung gehören. Das Immobilienvermögen von Signa Real Estate beträgt nach Angaben der Holding 14 Milliarden Euro, der Handelsumsatz von Signa Retail etwa sieben Milliarden Euro.

Einer aber, der auch in Stuttgart bis heute einen Namen hat, hat seine Ämter bei Signa aufgegeben und sich auch von seinen Anteilen getrennt: der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Zu undurchsichtig soll ihm das Gebaren des einstigen Geschäftsfreundes gewesen sein, hieß es 2017. Benko, der inzwischen zu den reichsten Österreichern gehört, dürfte dies verschmerzt haben. „Forbes“ schätzte sein Vermögen 2021 auf 5,6 Milliarden Dollar (nach damaligen Kursen etwa fünf Milliarden Euro). So viel Geld macht nicht nur den Tiroler lustig und froh.

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Erstellt:
24. Mai 2022, 06:08 Uhr
Aktualisiert:
24. Mai 2022, 06:30 Uhr

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