Streit um Schaumwein

Der Prosecco-Krieg

Die Europäische Union will australischen Winzern verbieten, den Namen Prosecco weiter zu verwenden. Doch die Weinbauern setzen sich zur Wehr.

Darf der australische Prosecco noch Prosecco heißen?

© tourism australi

Darf der australische Prosecco noch Prosecco heißen?

Von Barbara Barkhausen

Bei Prosecco denken viele an die billigere Version für Champagner. Oder vielleicht an einen Aperol-Spritz, wo das spritzige Getränk keinesfalls fehlen darf. Nur wenigen ist dabei bewusst, dass der Schaumwein zum Zankapfel zwischen der EU und Australien geworden ist.

Ursprünglich stammt der Schaumwein aus der sogenannten Prosecco-Region zwischen den Städten Conegliano und Valdobbiadene im Nordosten Italiens. Doch europäische Auswanderer brachten die Rebsorte, aus der das Getränk hergestellt wird, auch in die „neue Welt“. Denn große Teile Australiens sind mit guten klimatischen Bedingungen gesegnet – mit Wintern ohne Frost und warmen Sommern mit vielen Sonnenstunden – und damit ideal für den Weinanbau.

Dank dieser guten Voraussetzungen hat sich der fünfte Kontinent inzwischen einen Namen für seine Weine gemacht. In Australien gibt es über 60 Weinregionen mit rund 2000 Weingütern – unter anderem werden Shiraz, Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon und Riesling angebaut. Die Geschichte des australischen Weines ist so alt wie die erste weiße Besiedlung des Landes. Gouverneur Phillip brachte bereits 1788 Rebstöcke mit der „Ersten Flotte“ vom Kap der guten Hoffnung und aus Rio de Janeiro nach Australien.

Die harte Arbeit machte sich bezahlt

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte erlebt seit einigen Dekaden der Prosecco. Die Rebsorte wurde einst von dem italienischen Einwanderer Otto Dal Zotto nach Australien gebracht. Dieser kommt aus Valdobbiadene und damit aus der Region in Italien, aus der der Schaumwein stammt. Dal Zotto pflanzte die Reben 1999 als erster kommerziell an. „Als wir anfingen, gab es nichts“, berichtete er der australischen Ausgabe des „Guardian. „Niemand wusste wirklich, was Prosecco ist.“ Doch die harte Arbeit machte sich bezahlt. Inzwischen ist der Prosecco-Markt in Australien von 60 Millionen Australischen Dollar (umgerechnet 39 Millionen Euro) im Jahr 2017 zu einer 200-Millionen-Dollar-Industrie herangewachsen. Umgerechnet sind das rund 130 Millionen Euro.

Doch damit könnte bald Schluss sein: Denn im Rahmen der Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit der EU kam zutage, dass sich die „alte“ Welt am Erfolg der „neuen“ Welt stört. Australische Winzer sollen den Namen Prosecco künftig nicht mehr verwenden dürfen. Die EU will ihn – ähnlich wie einst den Champagner – zu einer geografischen Angabe machen. Letzteres hätte zur Folge, dass nur noch die lokalen Winzer im Nordosten Italiens ihren Schaumwein Prosecco nennen dürfen. Die Australier müssten sich für ihr Produkt einen neuen Namen einfallen lassen. „Es macht mich sehr traurig und in gewisser Weise ein bisschen wütend“, sagt Dal Zotto. Ihm und seinen Kollegen ginge es nur darum, Prosecco mit der australischen Öffentlichkeit zu teilen. Der überwiegende Teil – rund 95 Prozent – wird laut australischer Medienberichte lokal verkauft.

Der Streit schwelt schon lange

Ganz neu ist der europäisch-australische Streit nicht. Das Ganze begann 2009, als der Name der Rebsorte von Prosecco in Glera umgeändert wurde. Bereits 2013 versuchte die Europäische Kommission dann, Prosecco als geografische Angabe in Australien registrieren zu lassen. Prosecco ist auch der Name eines Orts in der Nähe von Triest. Das Vorhaben scheiterte jedoch, nachdem Australien argumentierte, dass es sich bei Prosecco um eine „generische Rebsorte“ wie Shiraz handele. 2019 kam das Thema dann erneut auf: Damals analysierten Rechtsexperten der in Melbourne ansässigen Monash University die Thematik. Auch sie kamen zu dem Schluss, dass Prosecco eine Rebsorte sei und das Vorhaben der EU gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoße. „Der Handel mit zweifelhaften geografischen Angaben für den Zugang zu europäischen Märkten ist ein kurzsichtiger Ansatz, der die australische Industrie negativ beeinflussen wird“, meinte die Rechtsexpertin Caroline Henckels damals.

Jetzt ist das Thema erneut auf dem Tisch und die australischen Produzenten, die sich mit ihrem Anliegen inzwischen auch Gehör im Parlament in Canberra verschafft haben, fürchten, dass sie trotz der hohen Investitionen über die vergangenen Jahre hinweg nun „wieder ganz von vorne anfangen“ müssen, wie Dean Carroll, Chef von Brown Brothers, dem größten australischen Prosecco-Produzenten, dem „Guardian sagte.

Natalie Pizzini vom Familienbetrieb Pizzini Wines warnte in einem Presse-Statement, dass sogar Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen würden. „Wir haben in gutem Glauben in diese Sorte investiert“, sagte sie. Nun versuche die EU, „die italienischen Produzenten vor fairem Wettbewerb zu schützen“. Lee McLean, der dem australischen Verband Australian Grape and Wine vorsteht, stört sich zudem an der Willkür, die seiner Meinung nach hinter dem europäischen Ansatz steckt. „Es wäre so, als würde die Region Canberra plötzlich entscheiden, die Region in Shiraz umzubenennen“, sagte er dem „Sydney Morning Herald“. Und dann würde man plötzlich jedem anderen Shiraz-Produzenten verbieten, den Namen der Weinsorte zu verwenden. Pizzini hinterfragte im Gespräch mit der lokalen Tageszeitung zudem, was ein Verbot des Namen Proseccos für andere Rebsorten bedeuten könnte. Wenn man solch einen Präzedenzfall schaffe, könnten andere Sorten vielleicht folgen. Dies könnte dann „katastrophal für die australische Weinindustrie“ sein.

Fünftgrößter Weinexporteur

Letztere ist eine wichtige Industrie für Australien, die nach diplomatischen Spannungen mit China in den vergangenen Jahren ohnehin schon einen Einbruch erlebt hat. Doch die australischen Winzer haben schon, als Peking ihnen das Leben schwer machte, nicht aufgegeben. Stattdessen haben sie auf Diversifikation gesetzt, Erfolge zeichnen sich ab: Zwar nahmen die australischen Weinexporte laut Exportbericht von Wine Australia in den zwölf Monaten bis Ende September 2022 mengenmäßig um ein Prozent auf 627 Millionen Liter ab, doch die Nachfrage in den USA, Kanada, Malaysia und Thailand legte kräftig zu. Laut der Investitions- und Handelsvertretung Austrade produziert Australien nach wie vor rund vier Prozent des weltweiten Weins und ist der fünftgrößte Weinexporteur.

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Erstellt:
11. Dezember 2022, 13:04 Uhr

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