Sportwagen aus Stuttgart

Der Zeitplan steht – wann Porsche an die Börse geht

Volkswagen hält trotz des düsteren Marktumfelds am Zeitplan für den angekündigten Börsengang der Sportwagen-Tochter Porsche fest. VW-Konzernchef Herbert Diess verrät Einzelheiten.

Porsche will an der Börse hoch hinaus.

© picture alliance / dpa/Daniel Maurer

Porsche will an der Börse hoch hinaus.

Von red/rtr

Man sei im Plan, Porsche im vierten Quartal 2022 auf das Börsenparkett zu schicken, sagte Konzernchef Herbert Diess am Mittwoch beim Wirtschaftsforum in Katar. Finanzchef Arno Anlitz antwortete auf die Frage nach einer möglichen Verschiebung bei einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Ganz einfache Antwort: Nein.“ Ein Börsengang gebe Volkswagen Flexibilität, um die Transformation zu einem softwaregestützten Mobilitätsanbieter zu finanzieren. Porsche habe seine Robustheit selbst unter schwierigen Bedingungen bewiesen und sei hoch profitabel.

Der Krieg in der Ukraine, die steigenden Zinsen und die zunehmend unsicheren Konjunkturperspektiven haben Börsengänge in Deutschland in diesem Jahr bisher fast vollständig blockiert, im Rest Europa sieht es etwas besser aus. Große Anleger wagen sich kaum an Börsenneulinge heran. Investmentbanker trauen Porsche aber zu, die Rolle eines „Eisbrechers“ zu übernehmen, weil das Unternehmen als VW-Tochter bekannt ist und das Luxussegment von der Konjunktur relativ unabhängig ist.

Antlitz sagte, es gebe eine Menge Skepsis bei Investoren zu Technologiefirmen und Start-ups. Er zeigte sich zuversichtlich, Anleger von Porsche trotzdem überzeugen zu können: „Es gibt immer noch Kapital da draußen.“ Der VW-Finanzchef bekräftigte auch Überlegungen für einen Teil-Börsengang des Batterie-Geschäfts. Ein Listing sei aber eher 2023 oder 2024 denkbar.

Porsche rührt die Werbetrommel

Eine Entscheidung zu Porsche wird für September erwartet. Schon am 18. Juli will das Management auf einem Kapitalmarkttag die Werbetrommel rühren. Nach gegenwärtiger Planung könnten die Weichen für den Börsengang Ende August gestellt werden, sagte eine mit den Abläufen vertraute Person zu Reuters. Dann könnte der VW-Aufsichtsrat Anfang September grünes Licht geben. Einen Monat später könnten Porsche-Vorzugsaktien an der Börse gehandelt werden. Als erstes hatte das „Manager Magazin“ darüber berichtet. Der Insider gab zu bedenken, dass sich daran wegen des Ukraine-Kriegs noch etwas ändern könne. Volkswagen äußerte sich nicht zum Zeitplan.

Analysten halten eine Bewertung der Porsche AG mit 80 Milliarden Euro und mehr für möglich. Das Emissionsvolumen von 15 bis 25 Milliarden Euro, das sich daraus ergäbe, würde Porsche in eine Liga mit Mega-Börsengängen vergangener Jahre bringen. Je nach Börsenumfeld könnte auch deutlich weniger herausspringen.

Die Hoffnungen in Wolfsburg

Der Wolfsburger Autokonzern erhofft sich Milliardeneinnahmen, mit denen er die Transformation zu einem Software-gestützten Mobilitätsanbieter vorantreiben und weiteres Wachstum finanzieren kann. Die Familieneigner wollen durch die Transaktion wieder direkten Zugriff auf die Ertragsperle Porsche AG erhalten, die nach der verlorenen Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen gegangen war.

Laut der zwischen Volkswagen und den Familien Porsche und Piech geschlossenen Vereinbarung soll das Grundkapital der Porsche AG zur Hälfte aus Vorzugs- und Stammaktien bestehen. Bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzüge sollen am Kapitalmarkt platziert werden, also 12,5 Prozent des Grundkapitals. Die Porsche Automobil Holding (PSE), über die die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an Volkswagen halten, soll 25 Prozent zuzüglich einer Aktie der Stammaktien zeichnen und erhält damit eine Sperrminorität.

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Erstellt:
23. Juni 2022, 07:06 Uhr

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