LBBW, Airbus, Lidl, Kaufland

Wer wie viel Inflationsausgleich an die Mitarbeiter zahlt

Die Politik hat grünes Licht gegeben: Unternehmen dürfen ihren Beschäftigten bis zu 3000 Euro steuer- und abgabenfrei überweisen. Wer zahlt wie viel bei den Unternehmen in der Region? Eine Umfrage.

Willkommene Bescherung: Die Beschäftigten der  LBBW-Bank erhalten  mit dem Dezembergehalt einen Teil des  Inflationsausgleichs.

© dpa/Marijan Murat

Willkommene Bescherung: Die Beschäftigten der LBBW-Bank erhalten mit dem Dezembergehalt einen Teil des Inflationsausgleichs.

Von Inge Nowak

Bundestag und Bundesrat haben bereits zugestimmt. Damit können Unternehmen ihren Beschäftigten eine Inflationsausgleichzahlung gewähren. Bis zu 3000 Euro sind steuer- und sozialabgabenfrei möglich, um die Belastungen durch die stark gestiegenen Preise etwas abzufedern. Das Geld kann in einem Betrag oder in Teilbeträgen bis Ende 2024 erfolgen. Eine Zahlungspflicht gibt es freilich nicht.

Die LBBW hat reagiert. Der Vorstand der Landesbank hat beschlossen, den Beschäftigten der LBBW-Bank, wozu auch die BW-Bank gehört 2000 Euro zu zahlen – und zwar in zwei Schritten. Der erste Teilbetrag von 1200 Euro wird mit dem Dezembergehalt überwiesen, die restlichen 800 Euro kommen dann mit dem Februargehalt, teilt das Unternehmen mit. Dabei hat sich die LBBW für eine weitreichende Lösung entschieden: Das Institut macht nämlich keinen Unterschied etwa zwischen Voll- und Teilzeit-Beschäftigten. Sie profitieren genauso wie Mitarbeitende in Elternzeit in vollem Umfang von der Sonderzahlung, teilt die Landesbank mit. Offiziell noch nicht entschieden ist, wie viel die Beschäftigten der LBBW-Tochtergesellschaften wie die Südleasing erhalten werden. „Die hundertprozentigen Tochtergesellschaften der Bank haben grünes Licht bekommen, ebenfalls entsprechende Entscheidungen zu treffen,“ sagt ein Sprecher.

Die Schwarz-Gruppe zahlt 250 Euro

Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist etwas früher dran. Sie lässt ihren Tarifbeschäftigten 250 Euro zukommen; geringfügig Beschäftigte erhalten 75 Euro – entweder in bar mit dem Novembergehalt oder aber als Warengutschein (Kaufland). 175 000 Mitarbeiter in Deutschland können sich über den Zuschlag freuen. Insgesamt knapp 40 Millionen Euro wendet das Handelsunternehmen in Deutschland dafür auf.

Besonders schnell war der Ventilatorenhersteller EBM Papst in Mulfingen. Bereits Mitte September hat das Familienunternehmen angekündigt, die Beschäftigten mit einer Sonderzahlung von 500 Euro und die Auszubildenden mit 150 Euro zu unterstützen. Gut 6000 Beschäftigte haben das Geld mit dem Oktobergehalt bereits erhalten. „Als EBM-Papst Familie lassen wir unsere Kolleginnen und Kollegen in der aktuellen Zeit nicht allein“, sagt Sonja Fleischer, die in der Geschäftsführung für Personalthemen zuständig ist.

Airbus ist vorgeprescht

Auch Flugzeugbauer Airbus hat entschieden: Rund 120 000 Airbus-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit werden die Prämie bis Ende 2022 erhalten, darunter auch Auszubildende und Leiharbeitskräfte, erläutert ein Sprecher. 1500 Euro erhalten die Beschäftigten in den Heimatländern von Airbus in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien. In Baden-Württemberg hat das Unternehmen Standorte in Backnang, Ulm, Friedrichshafen sowie Lampoldshausen bei Heilbronn.

Das Besondere an EBM Papst und Airbus: Beide Unternehmen sind (bei dem Ventilatorenhersteller sind es 40 Prozent der Beschäftigten) tarifgebunden – und in der Metall- und Elektroindustrie laufen gerade Tarifverhandlungen, wo der Inflationsausgleich eine wichtige Rolle spielt. Die Arbeitgeber haben Ende Oktober die steuer- und sozialabgabenbefreite Inflationsbeihilfe von 3000 Euro plus eine nicht bezifferte Lohnerhöhung als erstes Angebot vorgelegt – obwohl Mitglieder mit einem eigenen Angebot bereits vorgeprescht sind. Ein Sprecher von EBM Papst sagt dazu salopp: „Das Ergebnis der Tarifverhandlungen werden wir wie üblich nach erfolgtem Abschluss bewerten“.

Sondersituation bei Metall- und Elektro

Bosch, Trumpf, Porsche, Mercedes, Daimler Truck, Pilz oder Eberspächer, allesamt Unternehmen im Metallverbund, geben sich dagegen zurückhaltend. „Das Gros der rund 53 000 ZF-Beschäftigten in Deutschland wird auf Basis der Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie vergütet. Für diese Branche laufen derzeit die Tarifverhandlungen; dabei wird auch der Aspekt der Preisentwicklung eine Rolle spielen. Betriebliche Sonderzahlungen oder sonstige zusätzliche Unterstützungsleistungen von ZF sind derzeit nicht vorgesehen“, sagt etwa ein Sprecher des Zulieferers aus Friedrichshafen.

Für Balluff, Hersteller von Sensortechnik, steht dagegen bereits fest: „Ja, wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser außergewöhnlichen Situation finanziell unterstützen“, sagt eine Balluff-Sprecherin. Allerdings wolle man erst die Ergebnisse der Tarifverhandlungen abwarten. Bei Trumpf ist man zuversichtlich, dass die diskutierte Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro bis 2024 im Ergebnis der Metalltarifverhandlungen eingearbeitet sein wird.

Bei Balluff im Ausland läuft die Umsetzung

Im Ausland sind die Unternehmen teilweise schon weiter. Selbst wenn es keine Unterstützung der Politik gebe, prüft Balluff Zuwendungen für die Beschäftigten im Ausland; „teilweise läuft die Umsetzung bereits“, sagt die Sprecherin. Auch bei Festo ist klar: „Unsere Standorte im Ausland spüren die Inflation in ganz unterschiedlichem Ausmaß. Daher wird dies individuell auf lokaler Ebene in jeder unserer Landesgesellschaften ausgesteuert“, sagt die Sprecherin.

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Erstellt:
8. November 2022, 14:14 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2022, 14:38 Uhr

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