Donald Trumps Verhalten am 6. Januar

Die unglaublichen Aussagen von Cassidy Hutchinson

Cassidy Hutchinson schildert die absurden Szenen, die sich am 6. Januar 2021 abgespielt haben sollen. Donald Trump wollte unbedingt zu seinen Anhängern am Kapitol – und bekam einen Wutanfall, als man ihn daran hinderte.

Cassidy Hutchinson sagte vor dem Untersuchungsausschuss auf.

© AFP/STEFANI REYNOLDS

Cassidy Hutchinson sagte vor dem Untersuchungsausschuss auf.

Von the/AFP/dpa

Er soll seinem Secret Service ins Lenkrad gegriffen haben, attackierte angeblich seinen Leibwächter und wollte wohl unbedingt zum Kapitol: Die Zeugin Cassidy Hutchinson hat vor dem Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung in Washington schwere Anschuldigungen gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump erhoben. Dieser habe gewusst, dass einige seiner Anhänger damals bewaffnet gewesen seien, sagte Hutchinson bei einer Anhörung am Dienstag. Die Aussagen der ehemaligen Mitarbeiterin von Trumps „Chief of Staff“ Mark Meadows zeichnen ein unglaubliches Bild von Trumps Zustand am 6. Januar 2021.

Die Aussagen von Cassidy Hutchinson:

„Sie sind nicht hier, um mich zu verletzen“: Nach Angaben des Untersuchungsausschusses trugen zahlreiche Demonstranten, die sich am 6. Januar 2021 zur Unterstützung Trumps in Washington versammelt hatten, Waffen bei sich. Der damalige Präsident habe jedoch erklärt, es interessiere ihn nicht, ob seine Anhänger bewaffnet seien, sagte Hutchinson. „Es ist mir egal, ob sie Waffen haben - sie sind nicht hier, um mich zu verletzen. Sie können von hier aus zum Kapitol marschieren. Nehmt die verdammten Metalldetektoren weg“, soll Trump gesagt haben, bevor er sie in seiner Rede dazu aufrief, zum Kapitol zu marschieren. 

„Ich bin der verdammte Präsident“: Hutchinson berichtete auch, was ihr von Trumps Fahrt zurück ins Weiße Haus erzählt worden sei. Als Trump nach der Ansprache in seinen Wagen gestiegen sei, sei ihm gesagt worden, dass er sich nun nicht seinen Anhängern anschließen könne, die zum Kapitol strömten. Daraufhin habe Trump zu seinem Fahrer gesagt: „Ich bin der verdammte Präsident - fahren Sie mich sofort zum Kapitol.“ Daraufhin habe Trump versucht, nach dem Lenkrad zu greifen. Der Beamte habe ihn aufgefordert, seine Hand vom Lenkrad zu nehmen und ihm deutlich gemacht, dass er ihn zurück ins Weiße Haus bringen werde. Daraufhin soll der US-Präsident seinem Security-Mann an den Hals gegangen sein.

„Uns wird jedes erdenkliche Verbrechen vorgeworfen werden“: Offenbar versuchten seine Mitarbeiter verzweifelt, Trump aufzuhalten, sodass er nicht mit seinen Anhängern zum Kapitol marschiere. Nach Hutchinsons Schilderungen sagte der Rechtsvertreter des Weißen Hauses, Pat Cipollone: „Uns wird jedes erdenkliche Verbrechen vorgeworfen werden, wenn das passiert.“ Hutchinson sagte, Trump und seinen Gefolgsleuten sei vor dem 6. Januar 2021 klar gewesen, dass es zu Gewalt kommen könne - damit widersprach sie der Darstellung des Trump-Lagers, der Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol sei spontan gewesen und die scheidende Regierung habe damit nichts zu tun gehabt. Vielmehr sagte Meadows laut Hutchinson vier Tage vor den Ereignissen: „Die Dinge können richtig, richtig schlimm werden am 6. Januar.“

Trump warf Teller: Vor Wut über ein Interview des damaligen Justizministers Bill Barr soll Trump einen Teller mit Essen gegen die Wand geworfen haben, schilderte Hutchinson. Der Kammerdiener „gab mir ein Zeichen, hereinzukommen, und zeigte dann auf den vorderen Teil des Raumes, in der Nähe des Kaminsimses am Fernseher, wo ich zuerst bemerkte, dass Ketchup an der Wand heruntertropfte“. Auf dem Boden habe ein zerbrochener Porzellanteller gelegen. Der Diener habe ihr dann erzählt, dass Trump so sauer auf Barr gewesen sei, dass er sein Mittagessen gegen die Wand geworfen habe. Barr hatte in dem Interview gesagt, dass es keine Beweise für weit verbreiteten Wahlbetrug gebe.

Trump diskreditiert Hutchinson auf seiner Plattform

Noch während der im Fernsehen übertragenen Anhörung versuchte Trump, Hutchinson mit Kommentaren in seinem Online-Netzwerk Truth Social zu diskreditieren. Er bezeichnete ihre Schilderungen als „Fake-Geschichte“ und sprach mit Blick auf die Anhörungen von einem „Pseudogericht“. 

US-Medien berichteten später, dass die beteiligten Mitarbeiter des Secret Service möglicherweise bereit seien, auszusagen und Hutchinsons Darstellung zu dementieren. Der Secret Service reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Trump hatte nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im November 2020 alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an der Macht zu bleiben. Er und sein Umfeld verbreiteten unter anderem durch nichts belegte Wahlbetrugsvorwürfe.

Trauriger Tiefpunkt der Kampagne war der Sturm hunderter radikaler Trump-Anhänger auf das Kapitol, als dort der Wahlsieg von Joe Biden zertifiziert werden sollte. Die Ausschreitungen mit fünf Toten sorgten weltweit für Entsetzen. Der Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung hält derzeit eine Reihe öffentlicher Anhörungen ab, um die damaligen Vorgänge aufzudecken.

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Erstellt:
29. Juni 2022, 14:52 Uhr

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