E-Mobilität

Ein E-Auto laden so einfach wie normales Tanken

Das Netz an Ladesäulen hinkt dem Bedarf immer weiter hinterher. Nun will die Europäische Union beim Ausbau der Infrastruktur aufs Tempo drücken.

In Europa sind immer mehr Elektroautos auf den Straßen. Doch der Ausbau der Ladestruktur hängt dieser Entwicklung hinterher, weswegen die EU nun Druck machen möchte.

© dpa/Patrick Pleul

In Europa sind immer mehr Elektroautos auf den Straßen. Doch der Ausbau der Ladestruktur hängt dieser Entwicklung hinterher, weswegen die EU nun Druck machen möchte.

Von Knut Krohn

Autos mit Benzin- und Dieselmotoren sind in Europa bald Geschichte. Umweltschützer feiern diese Nachricht als Erfolg, doch auf dem Weg in die mobile Klimaneutralität müssen noch viele Steine aus dem Weg geräumt werden. So zeichnet sich bereits jetzt ein massives Problem an: der Ausbau des Netzes an Strom- oder Wasserstofftankstellen hält nicht Schritt mit dem Verkauf von Neufahrzeugen mit alternativen Antrieben.

Die Zulassungszahlen von E-Autos steigen

Überdeutlich wird die Misere im Bereich der E-Autos. Von ihnen werden immer mehr verkauft, doch die Zahl der benötigten Ladesäulen hinkt hinter dieser Entwicklung hinterher. 878 432 batteriegetriebene Fahrzeuge wurden in der EU 2021 neu zugelassen, in Deutschland gefördert mit bis zu 9000 Euro staatlicher Kaufprämie. Der nahende Abschied von Verbrennungsmotoren wird diesen Boom in den kommenden Jahren noch beschleunigen.

Auch in der Europäische Union, die in diesem Sommer das Aus von Verbrennermotoren im Jahr 2035 beschlossen hat, wird das Problem erkannt. Nun will man gegensteuern. Aus diesem Grund berät das EU-Parlament über die sogenannte Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Damit könnten am Ende verbindliche Ziele für den Ausbau des Ladenetzes in den Mitgliedstaaten festgelegt werden. Ladestationen sollen europaweit alle 60 Kilometer aufgebaut werden, sowohl an Autobahnen als auch an Bundesstraßen.

Die EU will den Preis-Dschungel lichten

„Das Laden muss so einfach wie das Tanken werden“, fordert Ismail Ertug aus dem Verkehrsausschuss des Parlaments. Der SPD-Politiker ist überzeugt, dass in Zukunft die Abdeckung und die Leistungen der Ladestationen schnell verbessert werden können. Wichtig ist für ihn auch den noch immer existierenden Preis-Dschungel zu lichten. Da müsse mehr Transparenz geschaffen werden, erklärt Ertug, zudem „wird Kartenzahlung an allen Ladestationen Pflicht“.

Unterstützung erhält der Sozialdemokrat von seinem CDU-Kollegen Jens Gieseke, der ebenfalls den schleppenden Ausbau beim Ladenetz kritisiert. Den Grund für die Misere sieht er allerdings nicht in Brüssel. „Die Mitgliedstaaten müssen endlich ihre Hausaufgaben erledigen“, fordert Gieseke. Eine besondere Herausforderung sieht er darin, sich nicht nur auf Stromladesäulen zu konzentrieren, sondern etwa auch den Ausbau von Wasserstofftankstellen zu forcieren.

Zu viele Autos für zu wenige Ladesäulen

Inzwischen sind mehrere Studien im Umlauf, die die Forderung nach mehr Ladepunkten mit Daten untermauern. In einer Untersuchung der staatliche KfW-Bank heißt es: „In den letzten beiden Jahren ist der Bestand an Elektroautos dreimal stärker gewachsen als die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte.“ Statt acht Elektroautos müssten sich nun 23 Fahrzeuge einen öffentlichen Stromladepunkt teilen. Das liege auch deutlich unter der ursprünglichen EU-Zielgröße von einem Ladepunkt pro zehn Elektro-Autos.

Die Experten der KfW-Bank mahnen allerdings auch ein besser koordiniertes Vorgehen bei der Installation des Ladenetzes an. Bisher sei man beim Ausbau „tendenziell gleichmäßig“ vorgegangen, was in dünn besiedelten Gebieten zu nicht kostendeckenden Angeboten führe. In Zukunft solle man sich auf die Ballungsräume konzentrieren, heißt es in der KfW-Untersuchung. Auf dem Land hätten schlicht mehr Autobesitzer die Möglichkeit, ihr E-Auto auf einem privaten Stellplatz zu laden. In ländlichen Regionen gaben fast 40 Prozent der Befragten an, ein Auto grundsätzlich auch auf einem privaten Stellplatz laden zu können. In Großstädten erklärten nur 19 Prozent, einen eigenen Ladeplatz organisieren zu können, steht in der Studie.

Brüssel macht Druck auf die EU-Staaten

Zum Problem könnte in den nächsten Jahren zudem werden, dass die Situation in den anderen Ländern Europas noch wesentlich schlechter ist. Derzeit befinden sich rund 70 Prozent aller Ladesäulen für E-Autos in nur drei Mitgliedstaaten, nämlich in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Nachholbedarf gibt es vor allem in den Staaten Mittel- und Osteuropas. Diesen Missstand will Brüssel nun mit der Verordnung ändern und mehr Druck auf die jeweiligen Regierungen machen. Stimmt die Mehrheit des Plenums am Mittwoch für die Verordnung, müssen die Regierungen der Mitgliedstaaten sie bis spätestens 2025 umgesetzt haben.

Die EU-Kommission hofft, dass die neuen Zielvorgaben bis 2030 dazu führen, dass rund 3,5 Millionen Ladepunkte in der EU gebaut werden. Das würde für viele Menschen den Wechsel zu einem E-Auto wahrscheinlich wesentlich attraktiver machen. Denn noch immer herrscht die Furcht, mit einem Elektrofahrzeug auf der Suche nach einer Ladesäule auf freier Strecke liegen zu bleiben.

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Erstellt:
17. Oktober 2022, 18:50 Uhr

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