Deutsche Industrie

Elektro- und Digitalindustrie erwartet Produktionsdelle

Wie keine andere Industrie profitiert die Elektrobranche von den technologischen Megatrends. Ihr Verband sieht Risiken durch die EU-Bürokratie, verteidigt die Union aber gleichzeitig gegen rechts.

Waschmaschinen werden hergestellt.

© Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Waschmaschinen werden hergestellt.

Von dpa

Frankfurt/Main - Nach einem "recht ordentlichen" Jahr 2023 rechnet die deutsche Elektro- und Digitalindustrie im laufenden Jahr mit einer Wachstumsdelle. "Auf Jahressicht erwarten wir, dass die reale Produktion um zwei Prozent nachgeben wird", sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, in Frankfurt. Inflation, vergleichsweise hohe Zinsen und hohe Energiepreise seien Gründe für das aktuelle schwierige konjunkturelle Umfeld.

Sorgen bereitet den Unternehmen die geplante EU-Regulierung zum Einsatz künstlicher Intelligenz. "Unser Eindruck ist, dass die EU aktuell beim Einsatz von künstlicher Intelligenz vor allem regulatorisch vorprescht und dabei viel zu wenig präzise ist", beklagte der Vorsitzende der Verbandsgeschäftsführung, Wolfgang Weber, laut Mitteilung. Die vorliegende KI-Verordnung drohe zu einer massiven Innovationsbremse zu werden, die mit unnötigen bürokratischen Kosten und einem hohen Maß an Rechtsunsicherheit für die Industrie einhergehe.

2023 verzeichnete der Industriezweig das dritte Jahr in Folge einen Produktionszuwachs, der nach Novemberzahlen voraussichtlich 1,4 Prozent betragen wird. Der nominale Umsatz kletterte um 8 Prozent auf die Rekordmarke von 242 Milliarden Euro, während die Beschäftigung ebenfalls um 12.000 auf 910.000 Menschen zulegte. Die Unternehmen seien weiterhin zu Investitionen bereit und profitierten von den intakten Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung.

Europäischer Binnenmarkt für Export wichtig

Für den Export werde der europäische Binnenmarkt immer wichtiger, betonte Präsident Kegel und warnte trotz deutlicher Kritik an überbordender EU-Bürokratie vor einem Austritt Deutschlands aus der Union. Laut der Mitteilung sagte er: "Wer meint, dass Deutschland auf sich allein gestellt besser fahren könnte, offenbart gefährliche wirtschaftspolitische Ahnungslosigkeit."

Auch gesellschaftspolitisch stellte sich der Verband gegen Positionen der Rechtsextremen. "Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, jede Facette rechter Ideologie lehnen wir entschieden ab", sagte Präsident Kegel. "Rechtsextremistische Parteien schaden dem Wirtschaftsstandort und damit dem Wohlstand. Dies gilt auch für die AFD."

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Erstellt:
29. Januar 2024, 11:16 Uhr

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