Debatte um AKW-Laufzeitverlängerung

So reagieren EnBW und Eon

Der Kernkraftverband sieht keine technischen Probleme und keine Abhängigkeiten von Russland, wenn es um die mögliche Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke geht. EnBW und Eon verweisen dagegen lediglich auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Der überwiegende  Teil der Bundesregierung bleibt dabei: Ende  des Jahres sollen die  Lichter im Kernkraftwerk Neckarwestheim ausgehen.

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Der überwiegende Teil der Bundesregierung bleibt dabei: Ende des Jahres sollen die Lichter im Kernkraftwerk Neckarwestheim ausgehen.

Von Inge Nowak

Auf die Debatte über eine mögliche Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke reagieren die deutschen Energiekonzerne überwiegend zurückhaltend. Die Versorger EnBW und Eon verweisen lediglich auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Die EnBW hat nach dem Ausstiegsbeschluss im Jahr 2011 eine langfristige Strategie für den Rückbau ihrer Kernkraftwerke ausgearbeitet, die sie seither konsequent umsetzt“, sagt ein Sprecher auf Anfrage ausweichend. Demnach liefert Block II des Kernkraftwerks Neckarwestheim noch bis Ende des Jahres Strom, dann geht der Meiler vom Netz. Der Krieg in der Ukraine scheint daran nichts zu ändern. Die Bundesregierung habe in diesem Zusammenhang eine Verlängerung der Laufzeiten geprüft und sich bereits im März dagegen entschieden. „Bitte haben Sie Verständnis, dass sich jegliche hypothetischen Fragen vor diesem Hintergrund für uns nicht stellen.“

Die Position der Versorger

Ähnlich sieht man es beim Essener Versorger Eon, dessen Tochter Preussen Elektra das Kernkraftwerk Isar 2 betreibt. „Wir bereiten uns seit Jahren sowohl technisch als auch organisatorisch auf die Stilllegung und den Rückbau unserer Kernkraftwerke vor“, sagte der Sprecher. Auch aus Sicht von RWE (Kernkraftwerk Emsland) kommt die Atomdebatte „zu spät“. „Wir müssen uns um die Sachen kümmern, die wirklich die Probleme lösen“, fordert RWE-Chef Markus Krebber in der „Welt“. Wichtig für ihn sei, die Gasinfrastruktur aufzubauen und Gas einzusparen.

Bundeskanzler Olaf Scholz und auch Wirtschaftsminister Robert Habeck stehen zum Aus für die Atommeiler – Scholz hat erst vor Kurzem auf die technischen Hürden für den Weiterbetrieb verwiesen. Der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder hält dagegen. Aus seiner Sicht ist eine solche Verlängerung „auf jeden Fall“ möglich, sagte Söder im Deutschlandfunk. Auch aus der FDP kommen Forderungen, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern.

Was das Gesetz sagt

Derzeit speisen noch drei Atomreaktoren Strom in die Netze ein: Neckarwestheim 2, Emsland und Isar 2. Im ersten Quartal 2022 haben sie etwa sechs Prozent zur Stromherstellung in Deutschland beigetragen. Das Gesetz sieht vor, dass sie Ende 2022 vom Netz gehen. Bereits ein Jahr zuvor waren die Meiler Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf stillgelegt worden. Diese kommen für einen Weiterbetrieb nicht mehr in Betracht. Dass aber die drei noch laufenden Anlagen länger am Netz bleiben, hält man beim Branchenverband Kerntechnik Deutschland technisch für möglich.

Vereinfacht ausgedrückt gebe es dabei die Möglichkeit, in den verbrauchsschwachen Sommermonaten die Leistung der Ablagen abzusenken – schlicht weniger Strom zu produzieren – und die Anlagen im Gegenzug in den kommenden Wintermonaten noch einige Zeit laufen zu lassen. Experten sprechen vom sogenannten Streckbetrieb, erläutert der Verbandssprecher. Möglich sei aber auch, den Betrieb im vollen Umfang weiterzuführen. Die Zeitdauer müsse dabei die Politik bestimmen. Nötig dafür seien neue Brennelemente, die für jede Anlage angefertigt werden müssten. Nach Ansicht des Sprechers könnten diese erst im zweiten Halbjahr 2023, „aber rechtzeitig für den Winter 2023/24 zur Verfügung stehen“.

Keine Personalprobleme

In der Beschaffung des benötigten Brennstoffs sieht der Verbandssprecher keine Probleme. Das Uran und die der Brennelementeherstellung vorgelagerten Dienstleistungen würden auf dem Weltmarkt beschafft. Wichtige Uranproduzenten seien neben Kasachstan auch Kanada, Australien und Namibia. Eine Notwendigkeit, auf russisches Uran zurückzugreifen, bestehe nicht, relevante Dienstleistungen könnten in Westeuropa erbracht werden. Auch Personalprobleme sieht der Sprecher nicht. In einem aktiven Kernkraftwerk seien rund 500 Mitarbeiter beschäftigt; wichtig seien die Spezialisten in den Leitwarten. Der Bedarf könnte teils mit Umschulungen von Mitarbeitern anderer Anlagen gedeckt werden.

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Erstellt:
22. Juni 2022, 18:50 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2022, 09:01 Uhr

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