Gäubahn: Gutachten stützen Position der Stadt

Eine Expertise kommt zu dem Schluss, dass ein Weiterbetrieb den Städtebau in Stuttgart erschweren würde.

Von Christian Milankovic

Stuttgart - Im Ringen um die Zukunft der Gäubahn, also der Strecke von Stuttgart Richtung Schwarzwald, Bodensee und Schweiz, liegen neue Gutachten vor. Beauftragt wurden sie vom Interessenverband Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn. Der Zusammenschluss von Städten und Institutionen entlang der Strecke wollte Aussagen der Stuttgart-21-Projektpartner überprüft wissen, mit denen beim Gäubahn-Faktencheck im November begründet wurde, warum ein Weiterbetrieb der Strecke zwischen Nord- und Hauptbahnhof über die für 2025 geplante Kappung hinaus nicht möglich sei.

Die Gutachten, die unserer Zeitung vorliegen, stärken die Position der Stadt Stuttgart, die um ihre städtebaulichen Ambitionen auf den heutigen Gleisflächen fürchtet, wenn die Züge weiterhin auf dem hohen Damm in Richtung Hauptbahnhof rollen. Ein solches temporäres Belassen von oberirdischen Gleisen der Gäubahn sei „mit deutlichen Beeinträchtigungen der städtebaulichen Ziele der Landeshauptstadt für die Entwicklung des neuen Stadtteils Rosenstein verbunden“, heißt es im Gutachten des Instituts für Stadt- und Regionalentwicklung. Es seien „die Wohnungsbaufertigstellungen und die Erschließung der geplanten Standorte für soziale und kulturelle Infrastrukturen hervorzuheben. Hinzu kommen zu erwartende funktionale Beeinträchtigungen und erhöhte finanzielle Aufwendungen.“

Derzeit ist geplant, die Gleise der Gäubahn rund ein halbes Jahr vor Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Abschnitt zwischen Nord- und Hauptbahnhof zu unterbrechen, um die neue S-Bahn-Führung in diesem Bereich fertig zu stellen. Endstation für Züge der Gäubahn wäre dann der Bahnhof von Stuttgart-Vaihingen, wo Reisende auf S- und Stadtbahnen umsteigen können. Dieser Zustand soll bis zur Inbetriebnahme des geplanten Pfaffensteigtunnels von der Gäubahn zum Flughafen anhalten. Die Bahn geht davon aus, die Röhren bis 2032 fertiggestellt zu haben, Kritiker bezweifeln dies.

Der Interessenverband macht sich dafür stark, einige Gleise des Kopfbahnhofs für die Gäubahnzüge vorübergehend zu erhalten. Ein weiteres Gutachten kommt aber zum Schluss: „Ein provisorischer Betrieb bis zum Kopfbahnhof ist nur mit Unterbrechungen möglich.“ Stadtdirektorin Andrea Klett-Eininger sagt, jeder Erhalt oberirdischer Bahnanlagen stehe „in einem erheblichen Konflikt zur Realisierung von StuttgartRosenstein.“

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Erstellt:
8. September 2023, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
8. September 2023, 23:56 Uhr

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