Finanzen

Hafenkooperation von Hamburg und MSC kommt voran

Der Deal bleibt umstritten: Die Stadt Hamburg will den Hafenlogistiker HHLA gemeinsam mit der weltgrößten Containerreederei MSC führen. Im Rathaus wird nach Abschluss eines MSC-Kaufangebots nicht mehr mit größeren Komplikationen gerechnet.

Ein Container wird auf dem Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen mit einer Containerbrücke auf ein Schiff geladen.

© Daniel Reinhardt/dpa

Ein Container wird auf dem Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen mit einer Containerbrücke auf ein Schiff geladen.

Von Von Thomas Kaufner, dpa

Hamburg - Die Pläne der Stadt Hamburg und der Reederei MSC für den Umbau des Hafenlogistikers HHLA sind einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Nach dem Übernahmeangebot der weltgrößten Reederei an HHLA-Aktionäre verfügen beide Partner nun über 92,3 Prozent der Anteile, wie MSC am Dienstag in einer Pflichtmitteilung bekanntgab.

Damit verfügen Stadt und MSC gemeinsam "bei weitem über die gestaltungsfähige Mehrheit", wie Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) nach Bekanntgabe des Ergebnisses sagte. Kartellrechtliche Komplikationen erwartet die Senatorin "aufgrund ausführlicher rechtlicher Prüfung im Vorfeld" nicht. Wegen der satten Zwei-Drittel-Mehrheit der rot-grünen Koalition im Rathaus dürfte auch die Zustimmung der Bürgerschaft im kommenden Jahr sicher sein.

Hamburg will mit MSC Zukunft des Hafens sichern

Die Kooperation der Hansestadt mit der weltweit größten Reederei soll den drittgrößten europäischen Seehafen in den kommenden Jahren voranbringen, so die Absicht des Senats. Damit der Hafen im Wettbewerb mit den deutlich größeren Konkurrenten Rotterdam und Amsterdam bestehen kann, sind hohe Investitionen nötig, um die Containerterminals zu modernisieren. Dabei geht es vor allem um eine weitere Automatisierung und damit um eine schnellere und für die Kunden günstigere Abfertigung. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat des Öfteren betont, "dass wir auch weitere Terminalbeteiligungen in Hamburg brauchen so wie es in Rotterdam, in Antwerpen, in allen größeren Häfen dieser Welt der Fall ist".

Zuvor hatte eine Minderheitsbeteiligung des chinesischen Staatskonzerns Cosco an einem einzelnen HHLA-Terminal in Hamburg für erhebliche Diskussionen und Verstimmungen bis in die Bundesregierung geführt. Im Fall MSC/HHLA hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck allerdings keine Bedenken mit Blick auf die öffentliche Sicherheit. "Das will ich ausdrücklich sagen. Es ist ein Unterschied zwischen einem chinesischen Unternehmen und einem europäischen wie MSC", sagte der Grünen-Politiker im September auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Bremen.

MSC und die Stadt haben bereits zugesagt, das Eigenkapital der HHLA um insgesamt 450 Millionen Euro zu stärken. Außerdem will die Reederei ihr Ladungsaufkommen in Hamburg von 2025 an deutlich erhöhen. Von 2031 an sollen es mindestens eine Million Standardcontainer pro Jahr sein. MSC-Chef Søren Toft hatte bei der Verkündigung des Plans gesagt, mit der Zusammenarbeit werde die Hansestadt zu einem Knotenpunkt für sein Unternehmen.

Neuer Hafenpartner ist weltgrößte Containerreederei

Der neue Hafenpartner der Stadt Hamburg ist die weitaus größte Containerreederei der Welt, die nach Daten des Branchendienstes Alphaliner auf fast 20 Prozent der globalen Transportkapazitäten kommt, deutlich mehr als der frühere Marktführer Maersk aus Dänemark. Der Container-Arm umfasst nach Unternehmensangaben rund 800 Schiffe, die 520 Häfen in 155 Ländern anlaufen.

Über eine Tochter ist das Unternehmen bereits an rund 70 Terminals weltweit beteiligt, beispielsweise in Bremerhaven in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Eurogate. MSC befindet sich in Privatbesitz der Familie Aponte und betreibt mit MSC Cruises auch ein bedeutendes Kreuzfahrtgeschäft. Wichtig war für die Stadt die Maßgabe, dass Hamburg bei der HHLA in jedem Fall die Mehrheit behält.

Nur noch 7,7 Prozent HHLA-Aktien in der Hand freier Aktionäre

Nach MSC-Angaben wurden der Reederei im Laufe der rund sechswöchigen Annahmefrist 9,74 Prozent der HHLA-Anteile von Aktionären angedient. Geboten waren 16,75 Euro je HHLA-Aktie. Parallel hat sich MSC auf dem Markt weitere 12,21 Prozent der HHLA-Anteile gesichert. Hinzu kommen rund 70,35 Prozent, die bislang im Besitz der Hansestadt Hamburg sind. Insgesamt verfügen die Stadt und MSC damit inzwischen über 69,43 Millionen HHLA-Aktien. "Dies entspricht insgesamt einem Anteil von circa 92,30 Prozent des zum Meldestichtag bestehenden Grundkapitals und der zum Meldestichtag bestehenden Stimmrechte der Gesellschaft", heißt es in der MSC-Pflichtmitteilung.

Damit sind im Gegenzug nur noch 7,7 Prozent in der Hand anderer Aktionäre - viel zu wenig, um wichtige Unternehmensentscheidungen mit der sogenannten Sperrminorität zu blockieren. Außerdem erreichten die beiden Partner die Schwelle von 90 Prozent, eine wichtige Marke, weil damit verbliebene Aktionäre auch gegen deren Willen zur Übertragung ihrer Aktien gezwungen werden können - der Fachbegriff hierfür lautet Squeeze-out. MSC hat bereits deutlich gemacht, "dass ein Delisting im besten Interesse der HHLA liegen kann", also eine Aufhebung der Börsennotierung.

Kritik bei Gewerkschaftern und Opposition

Politiker von CDU, Linken, AfD und FDP in der Hamburger Bürgerschaft haben den Deal zwischen Senat und MSC stets kritisiert und gefordert, auch andere Hafenakteure wie die Reederei Hapag-Lloyd stärker zu beteiligen. Sie warfen Rot-Grün vor, mit den "Geheimverhandlungen mit MSC" anderen Reedereien und deutschen Hafenstandorten, aber auch den HHLA-Beschäftigten vor den Kopf gestoßen zu haben.

Befürchtungen um Arbeitsplätze gibt es bei Arbeitnehmern, Betriebsräten und der Gewerkschaft Verdi. Auf Plakaten bei Demonstrationen hieß es: "Kein Verkauf von Stadteigentum! Unser Hafen - nicht Euer Casino". Aus Protest waren HHLA-Beschäftigte sogar in einen wilden Streik getreten. Die Stadt hält den gewerkschaftlichen Kritikern entgegen, dass maßgebliche Zusagen für die Mitarbeiter erreicht worden seien. So würden etwa betriebsbedingte Kündigungen für mindestens fünf Jahre ausgeschlossen. "Auch für die Beschäftigten ist schwarz auf weiß festgehalten, dass die bestehende Mitbestimmung erhalten bleibt."

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Erstellt:
12. Dezember 2023, 15:40 Uhr

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