Krankenhäuser in Baden-Württemberg

Hitze und Corona machen Kliniken zu schaffen

Große Hitze kann vor allem für Ältere gefährlich werden. Kliniken in Baden-Württemberg berichten deshalb von mehr Betrieb in den Notaufnahmen während der letzten Hitzetage – doch gleichzeitig trifft sie die Corona-Sommerwelle.

Wer zu wenig trinkt, läuft bei immer häufigeren Hitzewellen zunehmend Gefahr, wegen Flüssigkeitsmangels im Krankenhaus zu landen (Symbolbild).

© imago images/Robert Poorten

Wer zu wenig trinkt, läuft bei immer häufigeren Hitzewellen zunehmend Gefahr, wegen Flüssigkeitsmangels im Krankenhaus zu landen (Symbolbild).

Von Simon Koenigsdorff

Die extreme Hitze der vergangenen Woche ist vorerst vorüber, in den kommenden Tagen sind aber weiterhin Temperaturen um die 30 Grad möglich. Auch in den Kliniken des Landes haben sich die wiederholten Hitzetage seit Juni deutlich bemerkbar gemacht. Eine Umfrage unserer Zeitung unter Krankenhäusern aus verschiedenen Landesteilen zeigt, dass zuletzt vermehrt Patienten mit Hitzebeschwerden vorstellig geworden sind.

Kreislaufprobleme und Wassermangel

Laut dem Klinikum Karlsruhe würden vor allem Ältere mit Kreislaufproblemen oder einem Hitzekollaps vom Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht. Die Universitätskliniken in Mannheim und Tübingen verweisen beide darauf, dass in vielen Fällen Wassermangel eine Hauptursache sei – teils weil Ältere oft weniger Durstgefühl spüren, teils aber auch in Verbindung mit Vorerkrankungen. Doch auch manche Jüngere unterschätzten die Gefahr, bei Hitze zu wenig zu trinken, so eine Sprecherin der Filderklinik. Auch das Marienhospital Stuttgart bemerkt derzeit auffällig oft jüngere Hitzepatienten mit Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Laut dem Klinikum Stuttgart laute der erste Verdacht bei älteren Patienten oft Schlaganfall, entpuppe sich dann aber immer wieder als Wassermangel. Im Unterschied zu indirekten Symptomen seien direkte Hitzefolgen wie Hitzschläge in den Rems-Murr-Kliniken in diesem Sommer aber noch nicht vorgekommen, so ein Sprecher.

Insgesamt steigen mit der Hitze die Patientenzahlen. „20 bis 25 Prozent mehr an Patienten täglich sind keine Seltenheit“, sagt Ingo Matheus, Sprecher des Klinikverbunds Südwest. Doch mit zusätzlichen Hitzepatienten im Sommer haben die befragten Kliniken bereits gerechnet. Sowohl das Klinikum Karlsruhe als auch die Uniklinik Mannheim, beide in besonders hitzebelasteten Städten, melden bislang keine unerwartet hohe Zunahme – ebenso wie das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, dessen Geschäftsführer Mark Alscher keine auffälligen Zahlen im Vergleich zu den Vorsommern verzeichnet. Der Notaufnahmeleiter des Klinikums Stuttgart, Tobias Schilling, ist sich hingegen sicher, dass die Zahl hitzebedingter Erkrankungen insgesamt zunehme.

Corona-Sommerwelle verschärft Lage

Zeitgleich belastet die Kliniken auch die Corona-Sommerwelle. Das Klinikum Esslingen verweist auf Hitzepatienten, die oft unbemerkt auch an Covid erkrankt seien. Doch vor allem Personalausfälle durch Krankheit, Quarantäne und Urlaub setzen viele Häuser unter großen Druck. Ein Sprecher des RKH-Klinikverbunds nennt die Situation „sehr angespannt“, nicht alle Betten könnten betrieben werden. Von einer Mehrfachbelastung durch Hitze und Pandemie berichten unter anderem die Kliniken in Karlsruhe und Stuttgart sowie der Klinikverbund Südwest. Die meisten Häuser beteuern jedoch, dass die Versorgung in den Notaufnahmen nicht beeinträchtigt sei. Positiv sieht dagegen das Klinikum Karlsruhe, dass Aufklärung über die Gefahren von Hitze nach Einschätzung der dortigen Ärzte immer mehr Kinder, aber auch Erwachsene zur Vorsicht bewege.

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Erstellt:
7. August 2022, 10:48 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2022, 10:07 Uhr

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