Waldbrände in Brandenburg

Hunderte Menschen werden in Sicherheit gebracht

An gleich zwei Stellen südwestlich von Berlin kämpfen Einsatzkräfte gegen Waldbrände. Die Flammen sind so dicht, dass Hunderte ihre Häuser verlassen müssen.

Ein Waldstück steht in Flammen.

© dpa/Thomas Schulz

Ein Waldstück steht in Flammen.

Von red/dpa

Dunkle Schwaden über dem Wald, beißender Rauch in der Luft, ein dramatischer Kampf gegen die Flammen: Hunderte Menschen haben sich am Wochenende vor Waldbränden in Brandenburg in Sicherheit bringen müssen. Bei Treuenbrietzen kämpften Feuerwehr und Bundeswehr schon seit Freitag am Boden und aus der Luft gegen ein Feuer, das sich durch wechselnde Winde ausbreitete. Am Sonntag dann eine neue Hiobsbotschaft: Etwa 20 Kilometer entfernt geriet bei Beelitz ein weiterer Waldbrand außer Kontrolle. In beiden Fällen wurden Ortsteile evakuiert.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Innenminister Michael Stübgen (CDU) informierten sich am Sonntagnachmittag vor Ort in Treuenbrietzen. Die Lage spitze sich dramatisch zu, sagte Stübgen. Woidke sagte: „Wir müssen damit rechnen, dass sich die Situation weiter verschärft.“ Rund 600 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen. „Es kann sein, dass es zu weiteren Evakuierungen kommt“, sagte er. Auch das Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen bereitete sich vorsorglich auf eine Räumung vor.

1400 Einsatzkräfte sind vor Ort

„Wir haben derzeit 1400 Einsatzkräfte im Einsatz“, sagte Woidke. Überwiegend seien es Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Brandenburg, aber auch solche aus Sachsen-Anhalt seien da. Außerdem wird Hilfe aus Berlin erwartet. Dazu kommen nach Woidkes Angaben Bundeswehrsoldaten und Kräfte des Technischen Hilfswerkes und anderer Rettungsorganisation.

Treuenbrietzen liegt etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin und 40 Kilometer von Potsdam entfernt. Der Brand war am Freitag in einem Kiefernwaldstück auf 60 Hektar ausgebrochen. Noch am Samstag schien sich die Lage zu stabilisieren: Die Flammen wurden bis auf 40 Hektar eingedämmt. Doch in der Nacht zum Sonntag war dann die Rede von rund 100 Hektar Brandfläche, am Sonntag waren es bereits 200 Hektar. Das entspricht etwa 280 Fußballfeldern. 2018 hatte es in der gleichen Gegend einen Waldbrand auf 400 Hektar gegeben. Woidke sagte, die Lage sei jetzt noch dramatischer als 2018.

Zu den geräumten Stadtteilen gehörten Frohnsdorf, Tiefenbrunnen und Klausdorf. Die Menschen verließen ihre Häuser zügig, mit Koffern und Taschen, mit Hunden und Katzen, wie die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, sagte. „Sie wissen ja wie es läuft, viele waren 2018 beim großen Waldbrand schon einmal in der Situation.“ Viele Menschen kamen bei Freunden oder Verwandten unter.

Stadthalle dient als Notunterkunft

Zudem diente die Stadthalle in Treuenbrietzen als Notunterkunft. Eine etwa 80-jährige Frau, die sich dort in Sicherheit gebracht hatte, wirkte am Sonntagnachmittag sichtlich mitgenommen. Das Schlimmste sei, wenn man sein Haus verlassen müsse, den Schlüssel umdrehe und nicht wisse, ob es morgen noch existiere, sagte sie im Gespräch mit einem dpa-Reporter.

Treuenbrietzen mit insgesamt 7500 Einwohnern hat etwa ein Dutzend Ortsteile. Insgesamt breitet sich die Stadt über eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometer aus. Zum Vergleich: Berlin hat knapp 900 Quadratkilometer.

Die Ortsmitte war am Sonntagnachmittag fast menschenleer, wie ein dpa-Reporter berichtete. In der Luft lag ein leichter Schmorgeruch. Am Kreisverkehr an der B102 war eine Polizeisperre aufgebaut. Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks fuhren mit Blaulicht durch den Ort. Ein blauer Wasserwerfer der Polizei war zur Unterstützung der Löscharbeiten angerückt. Die Feuerwehr war mit großen Löschwagen in Richtung der abgesperrten B102 unterwegs. Dahinter fuhr eine Kolonne des Deutschen Roten Kreuzes mit mehreren Transportern.

Munition im Boden erschwert Löscharbeiten

Der Kampf gegen die Flammen ist in dem Gebiet besonders schwierig: Weil im Boden eines ehemaligen Spreng- und Übungsplatzes Munition und Kampfmittel liegen, kommen die Feuerwehrleute nicht direkt an den Brand heran. Geht das Feuer durch die Fläche, kann im Boden versteckte Munition hochgehen. Hubschrauber der Bundeswehr nahmen deshalb in Dutzenden Löschflügen Zehntausende Liter Wasser aus einem nahen Baggersee auf und löschten von oben.

Der zweite Waldbrand bei Beelitz wütete im selben Landkreis Potsdam-Mittelmark. Nach Angaben von Bürgermeister Bernhard Knuth hatte es sich bis zum frühen Abend auch dort auf 200 Hektar ausgebreitet - dieselbe Größenordnung wie bei Treuenbrietzen.

Einige Straßenzüge seien bereits evakuiert, sagte Knuth. Zudem seien Bewohner anderer Straßen aufgefordert worden, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. „Wir hoffen, dass die Ausbreitung zum Stoppen kommt und wir letztlich erfolgreich das Feuer bekämpfen können“, sagte Knuth. Der Wind habe sich inzwischen ein bisschen gelegt und es gebe nicht mehr ganz so starke Böen.

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Erstellt:
19. Juni 2022, 21:22 Uhr

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