Berlin

Hungerstreikende Klimaaktivisten wollen auch nicht mehr trinken

Zwei der Klimaaktivisten, die derzeit in Berlin einen Hungerstreik durchführen, erhöhen den Druck auf die Bundesregierung: Jetzt wollen sie nicht mal mehr etwas trinken.

Wolfgang Metzeler-Kick will den Druck auf die Bundesregierung erhöhen.

© AFP/JOHN MACDOUGALL

Wolfgang Metzeler-Kick will den Druck auf die Bundesregierung erhöhen.

Von red/epd

Zwei der hungerstreikenden Klimaaktivisten im Berliner Regierungsviertel wollen von Mittwoch an auch keine Flüssigkeiten mehr zu sich nehmen. Mit dem sogenannten trockenen Hungerstreik wollen sie den Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erhöhen, kündigten der aus Bayern stammende 49-jährige Wolfgang Metzeler-Kick und der 34-jährige Berliner Adrian Lack am Montag bei einer Pressekonferenz der Kampagne „Hungern bis ihr ehrlich seid“ in Berlin an. Metzeler-Kick ist ein bekannter Klima-Aktivist der sogenannten „Letzten Generation“: Er studierte in München technischen Umweltschutz und lebt in Regensburg.

Von Scholz fordern sie eine nach eigenen Worten „uneingeschränkte Klimaehrlichkeit“. Der Kanzler solle eine Regierungserklärung abgeben, in der er eingesteht, dass der Fortbestand der menschlichen Zivilisation durch die Klimakatastrophe extrem gefährdet sei, dass es kein CO2-Restbudget mehr gebe, weil bereits jetzt Hunderte Gigatonnen davon zu viel in der Luft seien, und dass deshalb jetzt radikal umgesteuert werden müsse.

Metzeler-Kick kalkuliert eigenen Tod ein

Der Ingenieur Metzeler-Kick, der sich mit dieser Forderung bereits seit dem 7. März im Hungerstreik befindet, betonte am Montag, dass es sich um anerkannte wissenschaftliche Fakten handele. „Die Bundesregierung wird uns und die Menschheit aber eher sterben lassen, als das anzuerkennen“, sagte er. Er sei nicht bereit, die Regierung damit durchkommen zu lassen: „Entweder durch das Aussprechen oder durch meinen Tod.“

Eine Sprecherin der Kampagne verwies auf die aktuelle Flutkatastrophe in Süddeutschland, die eben kein Jahrhunderthochwasser sei. „Uns droht ein ganzes Jahrhundert voller Hochwasser, Dürren und anderer Katastrophen“, warnte sie. Menschen verlören ihr Hab und Gut, einige sogar ihr Leben, Tausende Menschen müssten evakuiert werden: „Klimaehrlichkeit wäre hier ein erster Schritt.“

Ärztinnen und Krankenschwestern unterstützen

Die hungerstreikenden Klimaaktivisten campieren seit Wochen in Zelten im Berliner Invalidenpark neben dem Bundeswirtschaftsministerium. Begonnen hatte mit der Aktion vor 89 Tagen Wolfgang Metzeler-Kick, die anderen folgten nach und nach. Betreut werden sie von einem medizinischen Support-Team aus Ärztinnen und Krankenschwestern. Zwei Personen mussten den Hungerstreik aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, aktuell verweigern noch vier Aktivisten die Nahrungsaufnahme.

Um bleibende Schäden zu verhindern, nehmen die Hungerstreikenden täglich wenige Gramm Kohlenhydrate, Vitamine und Elektrolyte in Form von Säften und Brausetabletten zu sich. Mit Beginn des trockenen Hungerstreiks wollen Metzeler-Kick und Lack auch nichts mehr trinken.

Scholz fordert Ende des Hungerstreiks

Bundeskanzler Scholz hatte die Klimaaktivisten wiederholt aufgefordert, die Aktion zu beenden. Gewalt gegen sich selbst sei nicht gut für die Demokratie. Einen direkten Draht in das Kanzleramt gibt es nach Angaben der Aktivisten aber bislang nicht.

Auch der Berliner Protestforscher Dieter Rucht riet in der „tageszeitung“ (Montag) von einem weiteren Hungerstreik ab. Er respektiere zwar, dass die Leute das tun und aufrichtig handelten. „Doch der bescheidene Effekt, der durch den Hungerstreik erreicht werden könnte, steht in keinem Verhältnis zu der drastischen Aktion und den möglichen Konsequenzen für die Aktivistinnen und Aktivisten“, sagte der emeritierte Professor vom Wissenschaftszentrum Berlin und an der Freien Universität (FU) Berlin.

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Erstellt:
3. Juni 2024, 14:06 Uhr

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