Hohe Preise in der Türkei

Inflation steigt auf mehr als 80 Prozent

Transportkosten erhöhten sich um 117 Prozent. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich um mehr als 90 Prozent. Die Inflation in der Türkei steigt weiter.

Bäckerei in Ankara: Die Preise für Lebensmittel in der Türkei steigen weiter.

© IMAGO/Xinhua/IMAGO/Mustafa Kaya

Bäckerei in Ankara: Die Preise für Lebensmittel in der Türkei steigen weiter.

Von jbr/dpa/rtr

Die hohe Inflation in der Türkei steigt weiter an. Die jährliche Teuerung lag im August bei 80,21 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Montag in Ankara mitteilte. Die Lebensmittelpreise stiegen im Jahresvergleich im Schnitt um mehr als 90 Prozent. Im Juli hatten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 79,6 Prozent höher gelegen. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise im August um knapp 1,5 Prozent.

Der Inflationsgipfel dürfte nach Prognose der Zentralbank erst im Herbst erreicht werden, und zwar mit Teuerungsraten von nahezu 90 Prozent. Umfragen zufolge glauben viele Türken der amtlichen Statistik nicht: Sie sind der Meinung, dass die Preise noch stärker steigen als offiziell ausgewiesen.

Lebensmittelpreise verdoppeln sich

Die Transportkosten - zu denen etwa Benzin gerechnet wird - erhöhten sich im vergangenen Monat um 117 Prozent. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich um mehr als 90 Prozent. Auch für Möbel und Haushaltsgeräte mussten die Verbraucher tiefer in die Taschen greifen: Sie kosteten durchschnittlich 92 Prozent mehr als im August 2021.

Die Inflation in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für Preisauftrieb, da sie in die Türkei importierte Güter wechselkursbedingt verteuert. Hinzu kommen Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Anders als viele andere Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank gegen die Entwicklung jedoch nicht mit Zinsanhebungen. Im August hatte die Zentralbank den Leitzins stattdessen sogar von 14 auf 13 Prozent gesenkt. Fachleute verweisen auf politischen Druck.

Präsident Recep Tayyip Erdogan will mit niedrigen Zinsen die Konjunktur anschieben. Die Inflationsrate soll nach einer Vorhersage der Regierung bis Jahresende auf 65 Prozent zurückgehen. Bis Ende 2023 dürfte sie dann auf knapp 25 Prozent fallen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichen Prognose.

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Erstellt:
5. September 2022, 09:58 Uhr

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