Internet

Kartellamt mit härterer Wettbewerbskontrolle auch bei Amazon

Das Bundeskartellamt stuft den Online-Riesen als ein Unternehmen mit «überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb» ein. Amazon ist damit nicht einverstanden.

Das Logo von Amazon: Der Online-Riese ist mit der Entscheidung des Bundeskartellamts nicht einverstanden.

© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Das Logo von Amazon: Der Online-Riese ist mit der Entscheidung des Bundeskartellamts nicht einverstanden.

Von dpa

Bonn - Das Bundeskartellamt will nach Google und dem Facebook-Konzern Meta auch bei Amazon eine schärfere Wettbewerbskontrolle durchsetzen. Die Behörde stufte den Online-Riesen am Mittwoch als ein Unternehmen mit "überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb" ein.

Anders als Google und Meta akzeptiert Amazon die Entscheidung nicht. "Wir stimmen den Feststellungen des Bundeskartellamts nicht zu und werden die Entscheidung sowie unsere Optionen, auch Rechtsmittel, sorgfältig prüfen", hieß es in einer ersten Reaktion.

Das Kartellamt kann seit 2021 Unternehmen mit marktübergreifendem Einfluss zum Beispiel Praktiken untersagen, die aus seiner Sicht den Wettbewerb gefährden. Die Google-Mutter Alphabet wurde im Januar als ein solches Unternehmen eingestuft, Meta folgte im Mai. Zu Apple laufen noch Untersuchungen.

Doppelrolle als Händler und Marktplatz

"Amazon ist der zentrale Schlüsselspieler im Bereich des E-Commerce", erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. Zum einen sieht die Behörde für Amazons Handelsplattform eine "zentrale strategische Position im deutschen Online-Einzelhandel". Über die Plattform können andere Händler ihre Artikel bei Amazon verkaufen. "Bei seinen Marktplatzdienstleistungen für Dritthändler halten wir Amazon für marktbeherrschend", betonte Mundt. Damit greife hier auch die klassische Missbrauchsaufsicht. Amazon könne den Zugang anderer Unternehmen zu Absatz- und Beschaffungsmärkten kontrollieren und dabei seine Doppelrolle als Händler und Marktplatz ausspielen.

Auch verweist das Kartellamt auf den Abo-Dienst Prime, in dem neben kostenloser Lieferung auch unter anderem der Zugang zu Musik- und Videoangeboten enthalten ist. Mit Prime gelinge es Amazon, Nutzer "zum vermehrten Konsum im Ökosystem zu animieren, der dann anderen Anbietern mit ihren Angeboten nicht mehr zugänglich ist". Amazon macht keine Angaben zu Zahl der Prime-Kunden in Deutschland und nennt nur die weltweite Zahl von mehr als 200 Millionen.

Die Firma entgegnete: "Amazon ist in erster Linie ein Einzelhändler" - und der Gesamtanteil des E-Commerce am deutschen Einzelhandelsumsatz sei für das Jahr 2021 durch den Handelsverband Deutschland auf nur 14,7 Prozent geschätzt worden. Man konkurriere mit vielen etablierten deutschen und internationalen Unternehmen, und das gelte auch für das Geschäft des Unternehmens in anderen Branchen.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juli 2022, 11:30 Uhr
Aktualisiert:
6. Juli 2022, 17:57 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen