Binance übernimmt FTX

Klamme Krypto-Börse flüchtet sich zur Konkurrenz

Die jüngsten Kursturbulenzen bei Bitcoin und anderen Krypto-Werten gehen auf Probleme der Krypto-Börse FTX zurück. Das Unternehmen soll nun verkauft werden.

Binance-Chef Changpeng Zhao kündigte via Twitter die Übernahme von FTX an.

© AFP/Patricia de Melo Moreira

Binance-Chef Changpeng Zhao kündigte via Twitter die Übernahme von FTX an.

Von Barbara Schäder

Nach Massenabhebungen bei der Krypto-Handelsplattform FTX soll das Unternehmen unter das Dach der größeren Konkurrentin Binance schlüpfen. Die in der Nacht zu Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verkündete Vereinbarung folgte auf heftige Turbulenzen am Krypto-Markt. Obwohl die Probleme von FTX mit der bekanntesten Krypto-Währung Bitcoin nichts zu tun haben, geriet auch diese in den Abwärtssog. „Das Vertrauen in den Krypto-Sektor hat erneut stark gelitten“, kommentierte LBBW-Analyst Guido Zimmermann.

Neben dem Handel mit Krypto-Währungen bietet FTX auch eigene virtuelle Wertmarken an, genannt FTT. Ihren Käufern wurden Rabatte auf Handelsgebühren und andere Vorteile bei Geschäften auf der Plattform zugesagt. Gleichzeitig können aber auch FTT selbst gehandelt werden. Genau wie viele andere Krypto-Werte haben sie bis zum Herbst vergangenen Jahres enorm an Wert gewonnen, in diesem Jahr aber einen kräftigen Kursrutsch erlitten. Neben dem Anstieg der Zinsen auf klassische Geldanlagen trug dazu auch der Krieg in der Ukraine bei, der die Risikofreude vieler Investoren erheblich gedämpft hat.

Binance ist jetzt schon weltweit die Nummer eins

Zu den großen FTT-Investoren gehörte auch Binance, die weltweit größte und vor allem für den asiatischen Markt wichtige Krypto-Börse. Nachdem ein Bericht des Branchendiensts „Coindesk“ vergangene Woche Zweifel an der Werthaltigkeit von FTT geweckt hatte, kündigte Binance am Sonntag an, ihre FTT-Bestände zu verkaufen. „Dies alles führte zu einem Run der Kunden von FTX auf ihre dort verwalteten Gelder. Der Preis von FTT fiel ins Bodenlose“, erläutert LBBW-Analyst Zimmermann. Nun will ausgerechnet Binance FTX übernehmen.

„Gerade weil FTX eine so große Krypto-Börse ist, haben diese Entwicklungen systemischen Charakter. Folglich sind auch andere Krypto-Werte abgestürzt“, erklärte Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance. „Auf Twitter haben manche Nutzer dieses Ereignis als ,Lehman-Moment’ der Krypto-Branche beschrieben.“ Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers hatte 2008 eine Pleitewelle im Bankensektor ausgelöst.

Anleger sollten auf regulierte Anbieter setzen

Einen Zusammenbruch der Krypto-Branche erwartet Sandner allerdings nicht. Eher werde, genau wie in der Bankenbranche nach der Finanzkrise, die Regulierung verschärft werden. Schon jetzt sei Anlegern zu empfehlen, nur bei regulierten Börsen und Banken in Krypto-Assets zu investieren. „Unregulierte Börsen mit einem Firmensitz in fernen Destinationen sollte man meiden“, mahnt Sandner. Krypto-Währungen unabhängig von Börsen und anderen Finanzdienstleistern direkt selbst zu speichern, sei nur etwas für Anleger, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hätten.

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Erstellt:
9. November 2022, 16:24 Uhr

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