Kommentar: Das schlechte Gewissen fliegt mit

Kommentar: Das schlechte Gewissen fliegt mit

Von Tobias Heimbach

Wer heute in ein Flugzeug steigt, tut das mitunter mit einem gewissen Unbehagen. Angst vorm Fliegen ist nicht unbedingt der Grund – sondern die Sorge um das Klima. Schließlich ist der Flugverkehr für drei Prozent aller Treibhausgase verantwortlich. Auch die Branche hat das Thema erkannt. Die Luftfahrtmesse ILA in Berlin hat das Thema Nachhaltigkeit zum Schwerpunkt erklärt. Doch wer glaubt, dass Fliegen bald klimafreundlich möglich sein wird, täuscht sich.

Anders als bei Autos gibt es beim Fliegen bislang keine gute Alternative zu fossilem Treibstoff. Die Flugbranche verweist zwar auf Entwicklungen bei nachhaltigem Flugbenzin, doch bislang sind alle Verfahren teuer und die produzierten Mengen gering. Für die Versorgung aller deutschen Flughäfen wären 10 Millionen Tonnen pro Jahr notwendig. Doch in Deutschland werden gerade einmal mehrere Hundert Tonnen hergestellt.

Dass die EU Vorgaben zur Beimischung des klimafreundlichen Flugbenzins macht, ist dennoch ein richtiger Schritt. Ebenso wenn Fluglinien auf modernere Flugzeuge umstellen, da diese oft weniger Kerosin verbrauchen. Auch wäre es besser, die Bahn als Alternative konkurrenzfähig zu machen – schnell, pünktlich und vor allem beim Preis.

Doch auch dies wird wahrscheinlich nur einen kleinen Unterschied machen: Alle Prognosen gehen davon aus, dass der Flugverkehr zunehmen wird. Das schlechte Gewissen wird noch lange mitfliegen.

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Erstellt:
5. Juni 2024, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2024, 22:05 Uhr

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