Quartalsbilanz

Krise? Nicht bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank liefert trotz der Energiekrise erneut einen Milliardengewinn ab. Dass sie auch neue Mitarbeiter eingestellt hat, gefällt allerdings nicht allen.

Die düsteren Wolken am Konjunkturhimmel haben die Deutsche Bank noch nicht erreicht.

© dpa/Arne Dedert

Die düsteren Wolken am Konjunkturhimmel haben die Deutsche Bank noch nicht erreicht.

Von Barbara Schäder

Trotz Energiekrise, Börsenturbulenzen und der nahenden Rezession hat die Deutsche Bank im zurückliegenden Quartal einen Milliardengewinn erzielt – zum dritten Mal in Folge. In den Monaten Juli bis September verdiente das Geldhaus unter dem Strich rund 1,1 Milliarden Euro. Sogar das vor einem Jahr noch illusorisch wirkende Ziel einer Eigenkapitalrendite von acht Prozent nach Steuern wurde in den vergangenen neun Monaten erreicht. „Gut drei Jahre nach Beginn unserer Transformation entfaltet unsere Strategie immer mehr Wirkung“, schrieb Bankchef Christian Sewing in einer Botschaft zu den Quartalszahlen.

Zwar musste die Bank im dritten Quartal rund 150 Millionen Euro auf Kredite abschreiben, weil Darlehensnehmer in Zahlungsnöte gerieten. Diese Wertminderungen gingen nach Angaben des Finanzvorstands James von Moltke aber hauptsächlich auf vier größere Einzelfälle zurück, die „weder mit der Energiekrise noch mit der drohenden Rezession“ zusammenhingen.

Der Finanzchef bleibt auch für die Zukunft zuversichtlich

Natürlich würden diese Probleme auch an der Deutschen Bank nicht spurlos vorübergehen, räumte von Moltke ein. Nach einem Anstieg der Risikovorsorge im Kreditgeschäft auf 350 Millionen Euro im dritten Quartal sieht er die Bank gleichwohl gut für die Zukunft gerüstet: Im Jahresmittel werde die Risikovorsorge rund 0,25 Prozent des Kreditvolumens entsprechen, 2023 „vielleicht ein bis drei Basispunkte höher“. Ein Basispunkt sind 0,01 Prozentpunkte.

Zum Vergleich: Die kleinere Commerzbank hatte schon vor einem halben Jahr ihre Risikovorsorge um rund eine halbe Milliarde Euro aufgestockt, als Puffer für Risiken durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen – von den Sanktionen gegen Moskau bis hin zum Anstieg der Energiepreise. Zwar steht für die Commerzbank in Russland mehr Geld auf dem Spiel als für die Deutsche Bank, die mit dem Krieg verbundenen Lieferausfälle und die Explosion der Gas- und Stromkosten treffen aber die Kunden beider Institute.

Über 1600 zusätzliche Vollzeitkräfte

Von Moltke sagte dazu, auf die hohen Energiepreise reagierten Unternehmen und Haushalte bereits durch Sparbemühungen. Zudem würden die Folgen durch die Entlastungspakete der Bundesregierung gelindert. Die meisten Kredite der Deutschen Bank seien durch hohe Sicherheiten gedeckt oder dienten der Finanzierung von „qualitativ hochwertigen Projekten“. Auch erwartet die Bank nicht, dass es im Winter zu einer Gasmangellage mit Rationierungen kommt. „Wir gehen davon aus, dass es genug Gas geben wird, aber zu höheren Kosten.“

Zu der jüngst durch Medienberichte aus New York bekannt gewordene Entlassung einer zweistelligen Zahl an Investmentbankern sagte von Moltke, Personalanpassungen in dieser Größenordnung seien nicht ungewöhnlich. Tatsächlich ist die Belegschaft im zurückliegenden Quartal insgesamt gewachsen, die Zahl der Vollzeitstellen stieg weltweit um 1641 auf 84 556. Dieser Zuwachs gehe hauptsächlich auf die Anwerbung von Hochschulabsolventen und die Festanstellung zuvor freier Mitarbeiter zurück, erklärte die Bank. Dieser Hinweis sollte offenbar dem Eindruck vorbeugen, angesichts steigender Einnahmen gebe der deutsche Branchenprimus wieder mit vollen Händen Geld aus.

Die Kostenfrage bleibt kritisch

Dennoch werfe der Stellenaufbau Fragen auf, sagte LBBW-Analyst Ingo Frommen unserer Zeitung. „Sewing hat in wenigen Jahren Unglaubliches geleistet. Bei seinem Amtsantritt 2018 stand die Bank mit dem Rücken zur Wand“, lobt er. „Aber das nächste Jahr wird herausfordernd. Und ob die Kosten gesenkt werden können, wenn Erträge wegfallen, bleibt eine offene Frage.“

Zwar hat die Deutsche Bank die Ausgaben, die durch die im Jahr 2019 begonnene Umstrukturierung entstanden, mittlerweile weitgehend hinter sich. Die um diese Umbaukosten bereinigten Ausgaben sind im dritten Quartal aber gestiegen, sie lagen vier Prozent höher als vor einem Jahr. Das lag auch am Höhenflug des Dollar – doch der dürfte so schnell nicht enden.

Die Wechselkursschwankungen brachten der Deutschen Bank freilich auch Vorteile: Im Währungshandel und im Geschäft mit Zinsprodukten steigerten ihre Investmentbanker ihre Erträge um 38 Prozent. Weil sich ein starkes Geschäft in dieser Paradedisziplin der Deutschen Bank bereits abzeichnete, war deren Aktienkurs in den vergangenen vier Wochen um 20 Prozent gestiegen. Nach der Präsentation des Quartalsberichts gab die Aktie am Donnerstag zunächst leicht nach, drehte am Nachmittag aber wieder ins Plus.

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Erstellt:
26. Oktober 2022, 15:18 Uhr
Aktualisiert:
26. Oktober 2022, 17:09 Uhr

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