Krieg in der Ukraine

Moskaus Untergang

Das frühere Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte ist gesunken. Ob nun im Sturm oder durch einen ukrainischen Raketentreffer, es ist ein symbolisches Geschehen, kommentiert Franz Feyder.

Der 1979 gebaute, russische  Lenkwaffenkreuzer Moskwa. 1982 wurde er unter dem Namen Slawa – dem russischen Wort für Ruhm – in Dienst gestellt; 14 Jahre später nach der Hauptstadt Russlands umbenannt.

Der 1979 gebaute, russische Lenkwaffenkreuzer Moskwa. 1982 wurde er unter dem Namen Slawa – dem russischen Wort für Ruhm – in Dienst gestellt; 14 Jahre später nach der Hauptstadt Russlands umbenannt.

Von Franz Feyder

Was hat Raketenkreuzer „Moskwa“ („Moskau“) nicht alles erlebt: 1979 gebaut sicherte er 1989 das Gipfeltreffen des russischen Präsidenten Michail Gorbatschow und des US-Präsidenten George Bush auf Malta. Mit großherzigen Spenden der Bürgerinnen und Bürger Moskaus 1991 saniert und so vor der Verschrottung gerettet, weil während des Niedergangs der Sowjetunion das Geld für Reparaturen und Modernisierung fehlte. Bis 2013 Kommandoschiff der russischen Flotte im Schwarzen Meer, ersetzt durch die „Pjotr Weliki“. An der Seite der französischen Marine im Kampf gegen die Terroristen des Islamischen Staates in Syrien. Auf der „Moskwa“ empfing Kreml-Despot Wladimir Putin politische Vertraute wie den italienischen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi – und die Besatzung stand im Ehrenspalier stramm. Vor zwei Jahren noch wurde er von Grund auf überholt.

Gleichgültig, ob der Kreuzer jetzt sank, weil er von einer ukrainischen Rakete getroffen wurde. Oder aber Opfer eines Sturms wurde, wie das russische Verteidigungsministerium behauptet und den Meteorologen nur als Brise wahrnahmen: Die „Moskau“ liegt auf dem Meeresboden.

Eben das Schiff, dem auf der Schlangeninsel vor der Krim stationierte ukrainische Soldaten am 24. Februar, Tag 1 der neuen Offensive, auf die Aufforderung zur Kapitulation über Funk entgegneten: „Russisches Kriegsschiff, fahr zur Hölle!“ Kein Drehbuchautor hätte so eine Szene erfinden können: zu unrealistisch in einem Krieg des übermächtigen Russlands gegen die vermeintlich schwache Ukraine. 50 Tage nach Angriffsbeginn aber steht fest: Putin hat keines seiner Ziele erreicht, seine Armee ist in der Defensive und zieht sich teilweise aus der Ukraine zurück, seine Schiffe sinken: Moskau geht eben unter.

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Erstellt:
15. April 2022, 17:22 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2022, 17:43 Uhr

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