SPD-Innenministerin

Nancy Faeser strebt zurück nach Hessen

Die Bundesinnenministerin lässt ihre Kandidatur bei der Landtagswahl im nächsten Jahr noch offen. Der Landesparteitag gerät aber schon zur vorzeitigen Krönungsmesse.

Erst vor einem halben Jahr als Bundesinnenministerin vereidigt: Nancy Faeser (SPD)

© dpa/Jörg Carstensen

Erst vor einem halben Jahr als Bundesinnenministerin vereidigt: Nancy Faeser (SPD)

Von Gerhard Kneier

Wen die hessische SPD bei der Landtagswahl im Herbst 2023 als Spitzenkandidaten ins Rennen schickt, will sie erst Anfang kommenden Jahres entscheiden. Nach dem Landesparteitag der Sozialdemokraten am Samstag im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion gibt es aber ernsthaft keinen Zweifel mehr: Es wird die erst vor gut einem halben Jahr als Bundesinnenministerin vereidigte Nancy Faeser sein.

Auch wenn sie in dem neuen Amt viel in Berlin sei, „in Brüssel oder der ganzen Republik, so hat sich doch nichts geändert: Mein Herz ist in Hessen“, rief die 51-Jährige vor den jubelnden Delegierten auf der Fußballtribüne der mittelhessischen Stadt aus. Und die wählten sie wenig später mit dem Spitzenergebnis von 94,3 Prozent der Stimmen als SPD-Landesvorsitzende wieder. Das ist ein satter Zuwachs zu den 88,8 Prozent, mit denen sie Ende 2019 in Baunatal als Nachfolgerin von Thorsten Schäfer-Gümbel erstmals in dieses Amt gewählt worden war.

Volker Bouffier zieht sich schon jetzt zurück

Damit ging der Wunsch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Erfüllung, der zu Beginn des Kongresses eine Videobotschaft an die 300 Delegierten gerichtet hatte: Er bescheinigte Faeser einen „großartigen Job als Ministerin“ und wünschte ihr zugleich für die Wahl als Parteichefin ein Ergebnis, „das Dir den Rückhalt gibt, den Du für Deine Arbeit in Hessen und im Bund gut gebrauchen kannst“. Es darf als sicher gelten, dass eine Kandidatur Faesers im seit nunmehr gut acht Jahren schwarz-grün regierten Hessen auch mit dem Kanzler abgesprochen ist.

Ein Erfolg bei der Landtagswahl im nächsten Jahr ist allerdings noch völlig offen. Erst einmal soll am 31. Mai in Wiesbaden mit dem bisherigen Landtagspräsidenten Boris Rhein (CDU) ein neuer Ministerpräsident als Nachfolger des mit 70 Jahren zurücktretenden Volker Bouffier gewählt werden. Und dann dürfte mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen 2023 ein weiterer chancenreicher Bewerber auftreten, sodass es zu einem Dreikampf um den Posten des Regierungschefs kommt.

Hessen soll „wieder rot werden“, ruft Faeser

Dessen ungeachtet glich der Parteitag am Wochenende bereits einer vorgezogenen Krönungsmesse. Faeser lieferte dazu die passende Bewerbungsrede für die Spitzenkandidatur. Die vorzeitige Neuwahl des Ministerpräsidenten nannte sie „ein durchschaubares Manöver, um Boris Rhein den Amtsbonus zu verschaffen“. SPD-Generalsekretär Christoph Degen sagte, Rhein könne gerne noch ein „Praktikum“ in der Staatskanzlei absolvieren – Hauptsache, es werde nach anderthalb Jahren beendet. Sie wolle alles tun, damit Hessen „wieder rot wird“. rief Faeser aus. Und kündigte schon an: dann würden endlich die Kitas im Land „komplett kostenlos“.

Zum Artikel

Erstellt:
8. Mai 2022, 16:26 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen