Zwist um Stecker

Netzagentur nimmt Stellung zu Balkon-Kraftwerken

Braucht es für ein Balkon-Solarmodul einen speziellen Stecker? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Das eine Lager bekommt nun einen prominenten Fürsprecher.

Mit Stecker-Solarmodulen kann man mit wenig Aufwand eigenen Strom produzieren. Fans der privaten Energiewende sehen trotzdem noch ein paar Hürden.

© privat/MachDeinenStrom

Mit Stecker-Solarmodulen kann man mit wenig Aufwand eigenen Strom produzieren. Fans der privaten Energiewende sehen trotzdem noch ein paar Hürden.

Von Judith A. Sägesser

Wer mit einem Balkon-Solarkraftwerk selbst Strom erzeugen will, steht über kurz oder lang vor der Stecker-Frage. Darf man den Wechselrichter der Panels einfach in die Steckdose stöpseln, oder braucht es einen Spezialstecker, landläufig nach der Firma Wieland benannt?

Während Energieberater, aber auch die Deutsche Gesellschafts für Sonnenenergie das für überflüssigen Aufwand halten, betont die Elektriker-Branche die Sicherheit. Doch braucht es diesen Stecker, der schnell einen dreistelligen Betrag kostet, wirklich? Bisher gilt eine Anschlussnorm, die eine „spezielle Energiesteckvorrichtung“ fordert. Weil diese aber eben umstritten ist und sich laut einer Marktstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin die wenigsten daran halten, dürfte auch diese Frage im Zuge der aktuellen Überarbeitung der Norm Thema sein. Bis dahin bleibt Betreibern von Balkonkraftwerken in der Praxis, einer der beiden Seiten mehr Glauben zu schenken. Und das eine Lager bekommt nun einen prominenten Fürsprecher: In der Debatte hat Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur, jetzt Stellung bezogen.

Klaus Müller bezieht Stellung in der Debatte

In einer Mailing-Aktion von MachDeinenStrom hatten Bürger in dieser Sache an die Netzagentur geschrieben und um Positionierung gebeten. Müllers Antwort kam kurz vor Weihnachten: Er teile die Bewertung, dass ein normaler Stecker reiche. Er wende sich damit nun auch an den VDE, den Verband Elektrotechnik, zuständig für die Anschlussnorm. Er würde es begrüßen, wenn bei der Überarbeitung der Produktnorm der Schuko-Stecker „für akzeptabel“ erklärt würde.

Klaus Müller scheint grundsätzlich etwas übrig zu haben für Balkonkraftwerke. „Für eine Mitmach-Energiewende sind die Mini-Module unverzichtbar und definitiv ein positiver optischer Reiz in vielen Fassadenbildern“, schreibt er. „Private Haushalte sollten ohne Verunsicherungen und erhöhte Kosten ihr Balkonkraftwerk anschließen.“

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Erstellt:
28. Dezember 2022, 15:08 Uhr
Aktualisiert:
30. Dezember 2022, 15:22 Uhr

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