Neuer Partyort erinnert an eine Hotellobby der 1930er

Die Bar Zubrovka, die sich an dem Film „Grand Budapest Hotel“ orientiert, zelebriert die Eleganz früherer Tage im Puls der Gegenwart.

Gefeiert wird unter einem Kronleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern.
         Foto: Rosar
         
        Gefeiert wird im Zubrovka am Rotebühlplatz 15 wie in einer Hotellobby – unter einem Kronleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern.

© /Andreas Rosar

Gefeiert wird unter einem Kronleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern. Foto: Rosar Gefeiert wird im Zubrovka am Rotebühlplatz 15 wie in einer Hotellobby – unter einem Kronleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern.

Von Uwe Bogen

Stuttgart - Im Grand Budapest Hotel, das sich im fiktiven Staat Zubrovka befindet (Hollywoodregisseur Wes Anderson hat das Land nach einer polnischen Wodka-Marke benannt), geschehen Anfang der 30er Jahre merkwürdige Dinge. „Hochgeschätzte und distinguierte Gäste“ treffen sich in dieser Luxusherberge, wie Lobby-Boy Zéro Moustafa als Erzählstimme im Oscar-prämierten Film erklärt. Also Menschen, die sich von der Kleidung und von den Manieren von anderen abheben.

Sein Chef Gustave berichtet, dass die reiche Witwe Madame D. eine „Granate im Bett“ sei. Der Lobby-Boy wundert sich: „Sie ist aber 84.“ Darauf der Concierge: „Ich hatte schon wesentlich Ältere.“ Später ist die Lady tot, Gustave reich, er steht unter Mordverdacht – und die Tragikomödie kommt voll schräg und skurril in Fahrt.

Denis Gugac, eine bekannte Größe im Stuttgarter Nachtleben, hat den 2015 mit vier Oscars auszeichneten Film schon immer geliebt. Nun holt er das Ambiente des Grand Hotels nach Stuttgart, nämlich in den einstigen Löwenbräukeller, Rotebühlplatz 15. „Die Bar ist eine Hommage an die zeitlose Eleganz vergangener Epochen“, sagt er.

Unten im Keller sieht man Koffer der 30er Jahre auf einem Rollwagen, einen gigantischen Kronleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern (der Gastronom hat dieses besondere Exemplar in Venedig erworben). Ein Lobby-Boy in Hoteluniform rennt herum, hinter der Theke leuchten Schlüsselfächer, in die man Botschaften stecken kann und in der Zimmerschlüssel hängen.

Die Hotelzimmer in dieser fantastischen Wunderwelt zum Staunen sind freilich nur Illusion. Später mal werden die Schlüssel als VIP-Ausweise an treue Gäste verteilt, die damit immer an der Schlange vorbeigehen können. Keinen digitalen Eintritt via App gibt es hier, auch keine LED-Wand. Ganz bewusst werden analoge Schätze der Vergangenheit hochgehalten.

Beim Grand Opening für 200 eingeladene Gäste ist die Begeisterung groß. Man hört viele „Wows“. Die einen sagen, das Zubrovka sei „die schönste Bar von Stuttgart“, andere rühmen einen „magischen und etwas verruchten Ort, wie ihn die Stadt noch nicht gesehen hat“. Außerdem ist zu hören, das ganz in Rot gehaltene Ambiente erinnere an den noch immer geschlossenen Kings Club. „Man sollte niemals in Rot diese Ort aufsuchen“, rät eine Besucherin, „sonst kommt man nicht zur Geltung.“

Denis Gugac hat seit Juli am Umbau im früheren Brauereikeller unter strenger Geheimhaltung gearbeitet. Da hat er noch das Hi Life, gleich zwei Häuser weiter betrieben, und im Herbst dann auf dem Cannstatter Wasen mit seiner Spitzbubenbar in der Königsalm Royal von Wirtin Nina Renoldi Premiere gefeiert. Aus dem Club Hi Life hat sich Gugac mittlerweile zurückgezogen. Und fast scheint es, dass er Gäste, die dem Hi-Life-Alter entwachsen sind, ins Zubrovka mitnimmt. Das Publikum hier ist etwas älter als nebenan. Der Vermieter Stefan Gauß freut sich, dass sein Keller, in dem vor 30 Jahren Willi Weber, der frühere Manager von Michael Schumacher, ein Lokal betrieb und der nach dem Auszug von Löwenbräu etwa sechs Jahre lang leer stand, nun so edel und glamourös wachgeküsst wird. Nun sucht der Eigentümer noch einen Mieter für das leer stehende Erdgeschoss über dem Zubrovka, für das er sich ein Restaurant oder einen schönen Laden wünscht – der Rotebühlplatz soll weiter aufblühen.

Für diese eine Nacht ist DJ Anrey aus Dubai über Frankfurt angeflogen, um hier aufzulegen. Der im Jahr 1995 in Bukarest geborene Andreas Reith, der als Anrey einer der meistbeschäftigten DJs im Kessel und weit drum herum war, ist im Oktober in die Arabischen Emirate umgezogen, um im Nightclub Penthouse des Five Hotels, das zu den besten Adressen in Dubai gehört, Resident-DJ zu werden. Von den Fotos aus dem neuen Zubrovka war er so angetan, dass er zusagte, bei der Eröffnung die Musik zu liefern, auf dass die Tanzfläche bebt. Die neue Bar ist gleichzeitig auch ein kleiner Club mit DJ-Pult und Raucherraum.

Am Montag ist Anrey bereits wieder nach Dubai zurückgeflogen und wird bis März dort bleiben und arbeiten. Ihm hat es sehr gefallen. „Stuttgart kann auf das Zubrovka richtig stolz sein“, sagt er. Geöffnet ist die Bar vorerst freitags und samstags von 23 Uhr an sowie in der Silvesternacht.

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Erstellt:
18. Dezember 2023, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
19. Dezember 2023, 21:19 Uhr

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