14 Gewinner

Nobelpreisträger in Stockholm und Oslo ausgezeichnet

Zehn Männer, zwei Frauen und zwei Organisationen zählen in diesem Jahr zu den Nobelpreisträgern. Bei feierlichen Ehrungen wird auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg betont, wie wichtig ihre Arbeit für die Menschheit ist.

Die Feierlichkeiten waren erstmals seit Corona wieder größer.

© dpa/Jonathan Nackstrand

Die Feierlichkeiten waren erstmals seit Corona wieder größer.

Von red/dpa

Die 14 diesjährigen Nobelpreisträgerinnen und -träger haben in Skandinavien ihre prestigeträchtigen Auszeichnungen erhalten. Menschenrechtler aus Belarus, Russland und der Ukraine wurden am Samstag zunächst auf einer Preiszeremonie in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Alle weiteren Preisträger bekamen ihre Nobelmedaillen und -diplome dann kurz darauf in Stockholm.

Passenderweise am Tag der Menschenrechte wurden im Rathaus von Oslo das ukrainische Zentrum für bürgerliche Freiheiten (Center for Civil Liberties, CCL), die aufgelöste russische Organisation Memorial und der inhaftierte belarussische Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki mit dem wichtigsten politischen Preis der Erde geehrt. Sie seien „Champions des Friedens“, sagte die Vorsitzende des zuständigen norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen.

Nicht jeder kann Preis persönlich entgegennehmen

Die CCL-Vorsitzende Olexandra Matwijtschuk und Memorial-Chef Jan Ratschinski konnten die Preise für ihre Organisationen persönlich entgegennehmen. Der seit anderthalb Jahren im Gefängnis sitzende Bjaljazki wurde dagegen von seiner Frau Natalja Pintschuk vertreten.

„In meinem Heimatland sitzt ganz Belarus in einem Gefängnis“, sagte sie im Namen ihres Mannes. Die Auszeichnung bestärke ihn nicht nur darin, seinen Überzeugungen treu zu bleiben, sondern gebe auch allen Belarussen die Hoffnung, im Kampf für ihre Rechte auf die Solidarität der demokratischen Welt zählen zu können. Reiss-Andersen sagte in Richtung Bjaljazki: „Ales, du bist nicht allein. Wir stehen dir bei.“

Friede auf der Welt bedroht

Die Ukrainerin Matwijtschuk betonte, dass Frieden, Fortschritt und Menschenrechte untrennbar miteinander verbunden seien. Ein Staat, der Journalisten töte, Aktivisten einsperre und friedliche Demonstrationen auflöse, stelle nicht nur eine Bedrohung für seine Bürger dar, sondern für die ganze Region und den Frieden in der Welt. Zur Lage in ihrer Heimat sagte sie: „Die Menschen in der Ukraine wollen Frieden mehr als alles andere auf der Welt. Aber Frieden kann nicht dadurch erreicht werden, dass ein angegriffenes Land seine Waffen niederlegt. Das wäre nicht Frieden, sondern Besatzung.“

Der Russe Ratschinski sagte, die Auszeichnung habe große symbolische Bedeutung für Memorial. „Sie unterstreicht, dass staatliche Grenzen die Zivilgesellschaft nicht trennen können und sollten.“ In einem Interview der BBC berichtete er davon, dass Memorial von russischer Behördenseite aus geraten worden sei, den Preis wegen der Mitausgezeichneten abzulehnen. Natürlich habe man diesem Ratschlag keine Beachtung geschenkt, sagte er.

Zeichen gegen Putin und Lukaschenko

Der Friedensnobelpreis war Bjaljazki, Memorial und dem CCL bereits Anfang Oktober zugesprochen worden - international wurde das auch als Zeichen gegen das Vorgehen von Kremlchef Wladimir Putin und dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gewertet. Ausgezeichnet wurden die Preisträger für ihre langjährige Arbeit, Machthabende zu kritisieren und wesentliche Bürgerrechte zu verteidigen. Sie hätten sich außerordentlich darum bemüht, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverstöße und Machtmissbrauch zu dokumentieren, würdigte die Jury sie. „Gemeinsam demonstrieren sie die Bedeutung der Zivilgesellschaft für Frieden und Demokratie.“

Die Nobelpreise gehen auf den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Sie werden traditionell an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht - der Friedensnobelpreis als einziger in Oslo, alle anderen in Stockholm. Pro Kategorie ist die Auszeichnung in diesem Jahr erneut mit einem Preisgeld in Höhe von zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 920 000 Euro) dotiert.

Rückkehr nach Corona-Regulierungen

„Dieses Jahr ist besonders“, sagte der Vorsitzende der Nobelstiftung, Carl-Henrik Heldin, auf der Stockholmer Zeremonie. Nachdem die Corona-Pandemie größere Feierlichkeiten in den beiden Vorjahren verhindert habe, könne man die Bühne nun endlich wieder mit Nobelpreisträgerinnen und -trägern füllen. Mit Blick unter anderem auf Ukraine-Krieg, Energiekrise und zunehmendem Klimawandel sagte er: „Angesichts dieser Vielzahl von Krisen und Herausforderungen braucht die Welt engagierte Wissenschaftler, die unermüdlich nach der Wahrheit suchen und die Grenzen unseres Wissens erweitern.“

Unter den Geehrten war auch der schwedische Evolutionsforscher Svante Pääbo, der Direktor am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie ist. Er bekam den Medizin-Nobelpreis für seine Erkenntnisse zur menschlichen Evolution. Der Physik-Nobelpreis ging an Alain Aspect, John Clauser und den Österreicher Anton Zeilinger, derjenige für Chemie an Morten Meldal, Carolyn Bertozzi und Barry Sharpless, der vor 21 Jahren schon einmal einen Chemie-Nobelpreis bekommen hatte. Die französische Schriftstellerin Annie Ernaux bekam den Literaturnobelpreis, die US-Ökonomen Ben Bernanke, Douglas Diamond und Philip Dybvig den Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Auf der Bühne des Konzerthauses saßen auch zahlreiche Preisträger der beiden Vorjahren, die 2020 und 2021 pandemiebedingt nicht nach Schweden kommen konnten. Darunter waren zwei Deutsche, Benjamin List (Chemie 2021) und Reinhard Genzel (Physik 2020).

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Erstellt:
10. Dezember 2022, 19:32 Uhr

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