Anschläge von Brüssel 2016

Prozess gegen IS-Terroristen

In Belgien hat der Prozess um die Brüsseler Terroranschläge im Jahr 2016 begonnen.

Trauer in Brüssel:

© dpa/Julien Warnand

Trauer in Brüssel:

Von Knut Krohn

Der aufsehenerregende Mammutprozess beginnt unspektakulär. In Brüssel wird ein Schwurgericht in den kommenden Monaten über die blutigen Terroranschläge verhandeln, die vor sechseinhalb Jahren nicht nur Belgien tief erschüttert haben. Am 22. März 2016 töteten drei Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metro-Station im belebten EU-Viertel 32 Menschen, Hunderte wurden teils schwer verletzt.

1000 Nebenkläger

Der erste Verhandlungstag am Montag begann betont geschäftsmäßig. Es wurde die Liste der Zeugen sowie deren Reihenfolge festgelegt. Am 10. Oktober werden die zwölf Geschworenen ausgewählt, bevor am 13. Oktober die Anklage verlesen wird. Zum zweiten Mal auf der Anklagebank sitzt Salah Abdeslam, der einzige Überlebende des Terrorkommandos vom 13. November 2015 in Paris, das 130 Menschenleben kostete. Der Mann soll auch an den Anschlägen in Brüssel beteiligt gewesen sein. Er wurde in Paris bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Anwalt Salah Abdeslams hat vor Beginn der Verhandlung erklären lassen, sein Mandant werde nicht im Gerichtssaal erscheinen. Damit wolle er gegen die in seinen Augen unmenschlichen Haftbedingungen im belgischen Gefängnis protestieren.

Neben ihm sind noch neun weitere Männer angeklagt, von denen einer inzwischen wohl in Syrien gestorben ist. Fast 1000 Nebenkläger sind zu dem Prozess zugelassen. Wie bei dem Terrorprozess in Paris, werden auch in Brüssel Opfer und Hinterbliebene gehört werden. Nicht nur sie werden von der noch immer nicht beantworteten Frage getrieben, warum ausgerechnet in Belgien die Terrorzelle ihre fanatisierten Anhänger rekrutieren und von allen unbemerkt ihre tödlichen Anschläge in Paris und Brüssel vorbereiten konnte. Ganz Europa war damals wegen der Attentate in Paris verunsichert, als am Morgen des 22. März 2016 zwei Explosionen kurz hintereinander die Abflughalle des Brüsseler Flughafens Zaventem erschütterte. Gut eine Stunde später gab es in einer U-Bahn, die gerade in der Station Maelbeek im EU-Viertel losgefahren war, eine weitere Explosion.

Mindestens sechs Verhandlungsmonate

Für den Prozess wurde das ehemalige Nato-Hauptquartier im Nordosten der Stadt für mehrere Millionen Euro zu einem Gerichtsgebäude umgebaut. Der Hochsicherheitstrakt trägt nun den Namen „Justitia“. Schon vor Prozessbeginn beschwerten sich die Verteidiger über den Gerichtssaal. Die Angeklagten werden während der Verhandlungen in gläsernen Boxen sitzen, mit ihren Anwälten können sie sich nur durch kleine Schlitze austauschen. Für das Verfahren sind mindestens sechs Monaten angesetzt.

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Erstellt:
12. September 2022, 14:10 Uhr

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