Christoph Heusgen zum Ukraine-Krieg

„Putin hat alle Glaubwürdigkeit verloren“

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, äußert sich am Dienstag im ZDF-„heute journal“ zum Ukraine-Krieg – und räumt auch Fehleinschätzungen in Bezug auf Putin ein.

Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen

Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen

Von red/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin sollte sich aus Sicht des Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, vor einem internationalen Gerichtshof verantworten müssen. „Er gehört wie Milosevic vor einen internationalen Gerichtshof“, sagte Heusgen am Dienstag im ZDF-„heute journal“ mit Verweis auf den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und vor dem Hintergrund der Gräueltaten mit toten Zivilisten im ukrainischen Butscha.

Heusgen nannte es „schwer vorstellbar“, dass man sich mit Putin noch einmal an einen Tisch setzen könne. „Putin hat alle Glaubwürdigkeit verloren“, sagte der ehemalige Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ende Oktober findet das G20-Gipfeltreffen auf der indonesischen Insel Bali statt. US-Präsident Joe Biden hatte sich für einen Ausschluss Russlands aus der Gruppe der großen Wirtschaftsmächte ausgesprochen. China lehnte das hingegen ab.

Fehleinschätzungen in Bezug auf Putin

Heusgen räumte Fehleinschätzungen in Bezug auf Putin ein. Noch am Ende der Münchner Sicherheitskonferenz und wenige Tage vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine habe er daran nicht geglaubt. „Er ist einmarschiert. Und er hat damit das Völkerrecht massiv gebrochen.“ Putin sei sehr viel weiter gegangen, als man gedacht habe. „Was jetzt passiert ist, hat allerdings alle Dimensionen gesprengt.“ Alle Versuche der vergangenen Jahrzehnte, etwas mit Russland aufzubauen, sei zunichte gemacht worden.

Der Außenexperte verteidigte dennoch das Bemühen in den vergangenen Jahren, mit Russland im Gespräch zu bleiben. Nach der Besetzung der Krim 2014 habe man versucht, Russland einzudämmen. In den vergangenen zwei Jahren habe sich Putin isoliert und nicht mehr mit der Außenwelt gesprochen. Das habe sich in dieser Dramatik vor vielen Jahren noch nicht abgezeichnet.

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Erstellt:
5. April 2022, 23:12 Uhr

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