Einschulung für Erstklässler

So teuer kann der Schulstart für Eltern werden

Hunderttausende angehende Erstklässler freuen sich in diesen Wochen schon auf den ersten Schultag. Doch für fast jede vierte Familie ist die Einschulung mittlerweile eine finanzielle Belastung.

Der Schulstart geht ins Geld – mit dem Ranzen allein ist es nicht getan.

© dpa/Robert Michael

Der Schulstart geht ins Geld – mit dem Ranzen allein ist es nicht getan.

Von Imelda Flaig

Viele Kinder können das Ende der Ferien derzeit kaum erwarten. Denn sie warten sehnsüchtig auf ihren ersten Schultag. Für sie und ihre Familien ist die Einschulung ein besonderer Tag. Ein Tag, der aber auch besonders teuer werden kann: Nach Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) geben Eltern für die Einschulung im Schnitt 970 Euro aus. Und eine aktuelle, repräsentative Umfrage unter Eltern kommt zu dem Ergebnis, dass fast jede vierte Familie die Einschulung ihrer Kinder als finanzielle Belastung erlebt.

Schulranzen, Schultüte, Trinkflasche, Brotdose, Hefte – da kommt vieles zusammen. Die Kosten können allerdings enorm variieren, je nachdem, ob noch ein Fest eingerechnet wird oder der erste Schreibtisch für den Schulanfänger. Während die finanzielle Belastung bei den einen unter 300 Euro liegt, sind es bei anderen deutlich mehr als 1400 Euro, je nach Budget und Ausgabefreude.

In diesem Jahr kommt allerdings die hohe Inflation hinzu. Denn die Teuerung macht auch vor der Schulbank keinen Halt: Schulhefte und Zeichenblöcke kosteten im Juli 2022 durchschnittlich 13,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die Gründe dafür sind laut Behörde die Papierknappheit sowie die gestiegenen Kosten in der Papierproduktion. Andere Schulmaterialien haben sich im Vergleich zur allgemein Inflation von 7,5 Prozent nur unterdurchschnittlich verteuert: Schulranzen sind 4,7 Prozent teurer geworden, Stifte, Füller und Füllerpatronen 5,2 Prozent.

Handel rechnet mit 580 Millionen Euro Umsatz

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 771 700 Kinder eingeschult. Das waren laut Statista so viele wie seit 14 Jahren nicht mehr. In diesem Jahr könnte die Zahl möglicherweise sogar getoppt werden. Auch der Handel profitiert davon und hat im Jahr 2019 erstmals Daten erhoben, wie viel Geld Eltern für was ausgeben, und ist auf rund 580 Millionen Euro Umsatz für Geschenke und Schulausrüstung gekommen. Neuere Berechnungen gebe es nicht, sagte ein Sprecher des Handelsverbands HDE.

Neben Süßigkeiten landen vor allem Schulmaterialien, Bücher und Spielwaren in der Schultüte. Je nach Größe und Material liegen fertige Exemplare meist zwischen zehn und 50 Euro. Rohlinge und Bastelbögen gibt es günstiger. Allein für Schulranzen, Mäppchen, Turnbeutel und Co. geben die Verbraucher laut HDE im Schnitt 181 Euro aus. Je nach Marke kann der Ranzen allein um die 130 Euro kosten, mitwachsende Modelle mit umfangreicher Ausstattung sind noch teurer. Wer ältere Modelle in Betracht zieht oder gebraucht kauft, kommt in der Regel günstiger weg.

Vom Farbkasten bis zum Turnbeutel

Für Bücher und Schreibwaren werden durchschnittlich 47 Euro ausgegeben. Manche Schulen haben teils anspruchsvolle Listen, in denen detailliert vorgeschrieben wird, was die Schulanfänger mitzubringen haben. Ein gefülltes Federmäppchen, ein Farbkasten, Ölkreide, Zeichenblock, Schere, Malerkittel, Turnbeutel samt Inhalt und Sportschuhe, bestimmte Hefte – da ist schnell ein dreistelliger Betrag zusammen. Auch die Einschulungsfeier ist ein Kostenfaktor, viele Familien gehen dafür ins Restaurant.

Was für die Kleinen ein großes Abenteuer ist, wird für viele Familien zur finanziellen Herausforderung – auch wegen der aktuell hohen Inflation, wie die repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag von Ebay Kleinanzeigen zeigt. Dafür wurden im Juli 2022 mehr als 1000 Menschen befragt. Der Großteil der Familien (54 Prozent) gibt bis zu 400 Euro für den Schulstart der Erstklässler aus – zehn Prozent allerdings auch mehr als 700 Euro.

Für jede vierte Familie wird der Schulstart zu finanziellen Belastung

Gut ein Drittel der Befragten sagt, dass die Einschulung keine Belastung für die Haushaltkasse sei. Allerdings behauptet mit 23 Prozent schon jede vierte Familie das Gegenteil. Ein Fünftel der Eltern gibt sogar an, für die Einschulung ihrer Kinder extra Geld beiseitelegen zu müssen, um sich auch wirklich alle notwendigen Materialien leisten zu können. Und elf Prozent der Befragten haben darüber hinaus sogar Angst, sich wegen der steigenden Teuerungsrate nicht alles für die Einschulung ihrer Kinder leisten zu können.

Doch nicht nur bei der Einschulung kommen hohe Summen zusammen: Der Sparkassenverband hat berechnet, was eine Schulkarriere, inklusive beispielsweise Bücher, Klassenfahrten, Bustickets oder Hortbetreuung im bundesweiten Schnitt insgesamt kostet: 20 695,83 Euro pro Kind.

Bildungspaket: Zuschüsse auch für Schulbedarf

Anspruch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe erhalten oder deren Eltern den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe („Bildungspaket“): wenn das Kinder jünger als 25 Jahre ist, eine Kita oder eine allgemein- oder berufsbildende Schule besucht und keine Ausbildungsvergütung erhält.

Leistungen Zu den Leistungen zählen 156 Euro für die Ausstattung mit Schulbedarf – und zwar 104 Euro für das erste Schulhalbjahr und 52 Euro für das zweite Schulhalbjahr. Es können aber beispielsweise auch die Kosten für Nachhilfestunden übernommen oder Mittagessen in Schule oder Hort bezuschusst werden.

Anlaufstellen Wo die Leistungen des Bildungspakets beantragt werden können, ist auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aufgelistet – die jeweiligen Jobcenter und Kommunen.

Zum Artikel

Erstellt:
16. August 2022, 16:24 Uhr
Aktualisiert:
16. August 2022, 16:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen