Kinderbetreuung in der Pandemie

So viele Kitas haben mit weniger Personal als nötig gearbeitet

In der Pandemie können Kitas Gruppen vergrößern oder mit weniger Erzieherinnen arbeiten. So viele machten davon bislang Gebrauch.

Der Fachkräftemangel macht Betreuung im Land unsicher.

© picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Der Fachkräftemangel macht Betreuung im Land unsicher.

Von Carola Fuchs und Lisa Welzhofer

Weniger Fachkräfte pro Kitagruppe als es das Land bislang vorsieht – das ist in den Augen der Kommunen nötig, um das frühkindliche Bildungssystem vor einem „Kollaps“ zu bewahren. Das machte der Präsident des Gemeindetages, Steffen Jäger, nun deutlich. Tausende Kinder könnten sonst wegen des gravierenden Fachkräftemangels in diesem Bereich erst gar keinen Kita-Platz bekommen, mahnt Jäger.

In der Pandemie hatte das Land den Einrichtungen möglich gemacht, den Personalschlüssel um bis zu 20 Prozent zu unterschreiten und Gruppen zu vergrößern. Diese Regel läuft Ende August aus. Der Gemeindetag fordert, sie zu verlängern.

2000 Kitas machen Gebrauch

Wie der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) auf Anfrage mitteilte, machten in den zwei Jahren Pandemie rund 2000 Kitas im Land von der Sonderregel Gebrauch und damit etwa jede fünfte. „Die anderen Einrichtungen haben ihren Betrieb hinbekommen, ohne die meldungspflichtigen Mindestanforderungen unterschreiten zu müssen“, so eine Sprecherin. Kitas, die Öffnungszeiten verringern oder kurzzeitig Gruppen schließen, müssen das allerdings nicht anzeigen.

Sowohl für die Landeselternvertretung baden-württembergischer Kindertageseinrichtungen (LEBK) als auch für die Bildungsverbände und -gewerkschaften gehen die Forderungen der Kommunen in die falsche Richtung, weil unter diesen Bedingungen noch mehr Fachkräfte dem Beruf den Rücken kehren würden und der Bildungsauftrag der Kitas leide. Die Elternvertreter werben dafür, verstärkt in nicht-pädagogisches Personal zu investieren, das die Erzieher unter anderem von Sekretariatsarbeit entlastet. Derzeit übernehmen Fachkräfte teilweise auch hauswirtschaftliche Aufgaben. Außerdem fordern LEBK, SPD und Verdi einen Kitagipfel im Land.

Das Kultusministerium will die Einrichtungen diese Woche noch zum kommenden Kindergartenjahr informieren.

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Erstellt:
26. Juli 2022, 16:50 Uhr

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