Städtetag Baden-Württemberg

Städte klagen: Wir sind beim Klimaschutz zu langsam

Der Städtetag fordert vom Land die Einrichtung eines Klimafonds, um noch stärker in erneuerbare Energien investieren zu können. Sonst werde man an der wichtigsten Aufgabe scheitern.

Der Städtetagspräsident Peter Kurz hält den Klimaschutz längst für die wichtigste Aufgabe der Kommunen.

© dpa/Uwe Anspach

Der Städtetagspräsident Peter Kurz hält den Klimaschutz längst für die wichtigste Aufgabe der Kommunen.

Von Eberhard Wein

Nach Ansicht des Mannheimer Oberbürgermeisters Peter Kurz (SPD) ist der Klimaschutz zur wichtigsten kommunalen Aufgabe aufgerückt. „Das Thema ist klar auf Nummer eins gerutscht“, sagte der Präsident des baden-württembergischen Städtetags im Vorfeld der diesjährigen Vollversammlung der Vereinigung in Heidelberg.

„Unser gemeinsames Ziel heißt Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 – dafür müssen jetzt die notwendigen Investitionen getätigt und die Weichen richtig gestellt werden“, sagte Kurz. „Die Städte sind zu langsam; wir sind alle zu langsam.“ Zusammen mit seinem Heidelberger Amtskollegen Eckart Würzner (parteilos) forderte er eine stärkere Priorisierung, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Das Fernwärmenetz der Stadt Mannheim sei bis zum Jahr 2029 komplett auf erneuerbare Energien umgestellt. Es sei deshalb sinnvoll, sich mit einer Wärmeschutzsanierung auf den Gebäudebestand zu fokussieren, der nicht angeschlossen sei.

„Es fehlt ein Quantensprung“

Würzner verwies auf das Beispiel des neuen klimaneutralen Heidelberger Stadtteils Bahnstadt. „Das was wir vor 15 Jahren geplant haben, wird in 15 Jahren Standard sein.“ Das dauere einfach zu lange. „Diese Zeit habe wir nicht mehr.“ Es gebe viele Vorzeigeprojekte im Land, „aber der eigentliche Quantensprung fehlt.“ Es reiche nicht, dass ein oder zwei Städte erfolgreich seien. „Wir müssen alle erfolgreich sein“, sagte die Hauptgeschäftsführerin und ehemalige Lörracher Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm (CDU).

Deshalb wolle der Städtetag auch bei mittleren und kleineren Städte mitnehmen. So verfügten Großstädte meist über eine Fernwärmeversorgung, in kleineren Städten müssten hingegen erst einmal die Straßen aufgerissen werden. Anders sei es kaum machbar, sagte auch Würzner und verwies auf seine eigene Altstadt. „Deutschland ist ja in weiten Teilen schon gebaut.“ Viele Gebäude seien kaum energetisch zu sanieren.

Haushaltsrecht als Hemmschuh

Vom Land fordert der Städtetag die Aufstellung eines Klimaschutzfonds im Umfang von mehreren hundert Millionen Euro. Aus Gründen des Haushaltsrechts dürften die Städte bestimmte Kreditlinien nicht überschreiten. Deshalb würden wichtige Investitionen ohne zusätzliches Geld unterbleiben, sagte Kurz. So seien Fotovoltaikanlagen zwar längst ein finanzieller Selbstläufer. Aus statischen Gründen verlange ihre Installierung auf Dächern aber oft hohe Vorabinvestitionen.

Zudem schlug Kurz einen stärkeren institutionalisierten Austausch vor. „Wir brauchen eine zentrale Steuerung wie in der Pandemie. Wir müssen regelmäßig drauf schauen, was funktioniert und wo es Probleme gibt.“

Der Ministerpräsident wird erwartet

Nach einer rein digitalen Hauptversammlung 2020 treffen sich die Mitglieder des baden-württembergischen Städtetags in diesem Jahr wieder in Präsenz zu ihrer zweitägigen Versammlung. Erwartet werden 500 Oberbürgermeister, Bürgermeister und andere Delegierte aus den 198 Mitgliedskommunen. Am Freitag wird der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erwartet.

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Erstellt:
21. Juli 2022, 11:46 Uhr

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