Baden-Württemberg

Städtetag: Lage mit ukrainischen Geflüchteten nicht kalkulierbar

Nach Angaben des Migrationsministeriums sind rund 170 000 Geflüchtete und Migranten im Südwesten angekommen, 142 000 von ihnen kommen aus der Ukraine. Es fehlt landauf landab an Platz und an Schulen gibt es Konflikte.

Nach Angaben des Migrationsministeriums sind bislang rund 170 000 Geflüchtete und Migranten im Südwesten angekommen, 142 000 von ihnen kommen aus der Ukraine (Archivbild).

© IMAGO/Arnulf Hettrich

Nach Angaben des Migrationsministeriums sind bislang rund 170 000 Geflüchtete und Migranten im Südwesten angekommen, 142 000 von ihnen kommen aus der Ukraine (Archivbild).

Von red/dpa/lsw

Die Städte in Baden-Württemberg bereiten sich auf den Zuzug weiterer Flüchtlinge aus der Ukraine vor, die Lage ist aber nach Auskunft des Städtetages unkalkulierbar. „In vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen ist man momentan dabei, weitere Unterbringungskapazitäten zu schaffen“, sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied Ralf Broß. In den Städten, die keine eigenen Räumlichkeiten hätten, würden Hotels angemietet. Auch Jugendherbergen kämen für eine Unterbringung infrage.

Städtetag, Landkreistag und der Gemeindetag tauschten sich jede Woche mit dem Justizministerium über aktuelle Entwicklungen aus, um auf dem Laufenden zu bleiben, sagte Broß. Außerdem sei man auch immer mit dem Sozialministerium und dem Kultusministerium im Gespräch. „Es geht ja nicht ausschließlich um die Erstunterbringung oder Anschlussunterbringung von Geflüchteten, sondern es geht auch darum, Kinder und Jugendliche in das Betreuungs- und Schulsystem zu integrieren“, sagte Broß.

So ist die Lage in Schulen

Gerhard Brand, Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), sprach von einem uneinheitlichen Bild an den Schulen in Baden-Württemberg. „Manche sagen, die ukrainischen Kinder integrieren sich hervorragend. Es gibt aber auch Fälle, wo die Kinder denken, das sie ohnehin in ein 3 oder 4 Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehrenwerden und bringen sich gar nicht großartig ein.“

In den Schulen gebe es die Möglichkeit, die jungen Flüchtlinge durch Sprache zu integrieren. „Das klappt aber nur dort, wo wir genügend Lehrer für den Regelunterricht haben, damit Kontinuität stattfinden kann“, sagte Brand. Auch Konflikte gebe es nicht selten. „In manchen Vorbereitungsklassen weigern sich die Kinder mitunter von russischen Lehrkräften die Sprachförderung zu erhalten. Wo russlanddeutsche und ukrainische Kinder in der Klasse seien, herrscht auch schlechte Stimmung.“

Bislang rund 170 000 Geflüchtete und Migranten im Südwesten angekommen

Nach Angaben des Migrationsministeriums sind bislang rund 170 000 Geflüchtete und Migranten im Südwesten angekommen, 142 000 von ihnen kommen aus der Ukraine. Die Zahl der Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar von rund 6000 auf derzeit mehr als 13 500 ausgebaut worden. In der vorläufigen Unterbringung finden derzeit rund 55 000 Menschen Platz.

„Wir können momentan nicht kalkulieren, wie viele Geflüchtete vor dem harten Winter nach Baden-Württemberg kommen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der konkreten Strom- und Energieversorgung im Kriegsgebiet und den weiteren Kriegshandlungen“, sagte Broß.

Die Solidarität der Menschen in Baden-Württemberg, Hilfe zu leisten, ist laut Broß nach wie vor hoch. „Wenn man die Stimmung der Geflüchteten vor Ort mitbekommt, so gehen wir davon aus, dass ein Großteil von ihnen nach Ende des Ukraine-Krieges wieder in ihre Heimat zurückkehren.“

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Erstellt:
21. Dezember 2022, 15:26 Uhr

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