Tunnel-Graffiti könnten für die Täter teuer werden

Die großflächigen illegalen Bilder, die wohl über Nacht in den sanierungsbedingt gesperrten B-14-Tunneln angebracht worden sind, sollen bald verschwinden. Derweil laufen die Ermittlungen.

Noch sind die großflächigen Graffiti in den B-14-Tunneln zu sehen. Doch das soll sich bald ändern.Noch sind die großflächigen Graffiti in den B 14-Tunneln zu sehen. Doch das soll sich bald ändern.

© RP Stuttgart

Noch sind die großflächigen Graffiti in den B-14-Tunneln zu sehen. Doch das soll sich bald ändern.Noch sind die großflächigen Graffiti in den B 14-Tunneln zu sehen. Doch das soll sich bald ändern.

Von Jürgen Bock

Stuttgart - Das Bild, das sich den Arbeitern da vor zwei Wochen morgens bot, war eine gewaltige Überraschung. Im wahrsten Sinne des Wortes. In den derzeit wegen Sanierungsarbeiten nicht befahrbaren B-14-Tunneln Gäubahn und Viereichenhau zwischen Schattenring und Heslach waren großflächig illegale Graffiti aufgebracht worden. Wohl über Nacht hatten Unbekannte etwa 50 Prozent der Tunnelwände besprüht – in einer Aktion, die gut geplant und mit großem Aufwand umgesetzt worden sein muss. Und die nun weitreichende Folgen hat.

Das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS), das für die Belagsarbeiten in den Tunneln und die damit einhergehende stadteinwärtige Sperrung der B 14 verantwortlich ist, hat inzwischen Strafanzeige erstattet. Die Stuttgarter Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. Wie der derzeitige Ermittlungsstand ist, verrät man dort nicht. Es scheint allerdings noch keine Beschuldigten zu geben.

Dafür gewährt man einige Einblicke in die Szene – zumindest so, wie sie sich aus Sicht der Ermittler darstellt. „Wir unterscheiden zwei Gruppen“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. Bei der einen handle es sich um die Street-Art-Szene mit künstlerischem Anspruch. Die agiere oft legal. Die zweite Gruppe sei die sogenannte Battle-Crew-Szene. „Sie setzt eher auf Aufmerksamkeit und verwendet häufig nur Tags.“ Darunter versteht man den hingesprühten Künstlernamen oder das Kürzel des Graffiti-Malers. Zur Größe der Szene insgesamt lasse sich schwer etwas sagen: „Da wird in wechselnder Besetzung und auch überregional agiert.“

In den Stuttgarter B-14-Tunneln findet sich allerdings beides: großflächige Bilder, die an Kunstwerke erinnern, ebenso wie scheinbar schnell an die Wand Gekritzeltes. Fachleute gehen davon aus, dass eine ausgefeilte Logistik notwendig gewesen ist, um in relativ kurzer Zeit unbemerkt derart große Flächen zu bemalen. Außerdem dürften zahlreiche Leute und sehr viel Material im Einsatz gewesen sein.

Bei solchen Aktionen geht es auch darum, sich in den sozialen Medien zu präsentieren. „Dort wird darauf dann reagiert. Und es darf als Herausforderung an andere Gruppen verstanden werden“, sagt Kara Starke. Bisher ist allerdings nicht bekannt, dass irgendwo an anderer Stelle der Stadt von konkurrierenden Gruppen darauf reagiert worden wäre.

Ob die Täter gefunden werden, ist offen. Die Statistik macht da nicht allzu große Hoffnungen. 1062 gemeldete Sachbeschädigungen durch Graffiti hat es im vergangenen Jahr in Stuttgart gegeben. Das lag unter dem Vorjahreswert und unter dem Fünf-Jahres-Trend. Die Aufklärungsquote lag bei 16 Prozent und damit etwas über dem Schnitt der Vorjahre, der nur auf 11,4 Prozent kommt.

Wer doch erwischt wird, dem droht laut Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Wenn eine Tat gemeinschaftlich begangen wird, kann sich das Strafmaß auf bis zu drei Jahre erhöhen. Allerdings kann eine zweite Strafe dazu kommen, die je nach Einzelfall deutlich schmerzhafter sein kann. „Es können zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht werden“, so Polizeisprecherin Starke. Und die können richtig wehtun.

Im Fall der B-14-Tunnel geht das RPS von einem Schaden in Höhe von bis zu 200 000 Euro aus. Diese Summe dürfte für die Entfernung notwendig sein, genau steht sie aber erst danach fest. Wer diese Kosten als überführter Täter berappen muss, hat ordentlich zu zahlen.

Einfach in den Tunneln bleiben können die Graffiti nicht. Viele Tunnelwände sind bis zu etwa drei Meter Höhe mit einer speziellen Farbe angestrichen worden, um den Grad der Reflexion und somit die Helligkeit zu erhöhen. „Aufgrund der großflächig aufgetragenen Graffiti ist das in beiden Tunneln nicht mehr der Fall“, sagt RPS-Sprecherin Stefanie Paprotka. Außerdem könnten die teils sehr auffälligen Grafiken und Schriftzüge die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ablenken und somit das Unfallrisiko erhöhen. Sie müssen also weg.

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Erstellt:
1. September 2023, 22:10 Uhr

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