ÖPNV

Was könnte aufs 9-Euro-Ticket folgen?

Die Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket ist gewaltig. Der Sozialverband Deutschland fordert, dass die Aktion keine Eintagsfliege bleibt. Die Linke schlägt ein 1-Euro-Tagesticket vor.

Unheimlich beliebt: Das 9-Euro-Ticket.

© dpa/Frank Rumpenhorst

Unheimlich beliebt: Das 9-Euro-Ticket.

Von red/epd

. Der Sozialverband Deutschland fordert günstige Angebote für den Nah- und Regionalverkehr für die Zeit nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets. „Die Politik muss jetzt die Chance nutzen und langfristige Weichen für nachhaltige und bezahlbare Mobilität stellen, indem ÖPNV und Nahverkehr verbessert und für jeden bezahlbar werden“, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch. Als Beispiel nannte er ein 365-Euro-Jahresticket. Nach Einschätzung des Fahrgastverbandes Pro Bahn kann ein solches Ticket aber nur erfolgreich sein, wenn zuvor das Schienennetz und der Bahnverkehr ausgebaut wurden.

Bauer betonte, die gewaltige Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket habe gezeigt, wie groß das Nutzungspotenzial im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sei. „Diese Dynamik muss unbedingt genutzt werden, um ein dauerhaft vergünstigtes Angebot für ÖPNV-Tickets zu entwickeln“, sagte der Sozialverbands-Chef. Zur Finanzierung schlug er vor, Geld „umzuschichten“ und verstärkt in den ÖPNV und die Umgestaltung des bestehenden Straßenraums zu investieren. Dazu müssten große Erbschaften, Vermögen und Kapitalerträge stärker besteuert werden.

„Ein Euro pro Tag oder 365 Euro im Jahr“

Der Linken-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, hält ein Auslaufen des stark vergünstigten Nahverkehrs-Tickets ohne Anschlussmodell für fatal. „Wir sollten das 9-Euro-Ticket dauerhaft durch ein 1-Euro-Ticket ersetzen“, schlug er in den Funke-Blättern vor: „Ein Euro pro Tag oder 365 Euro im Jahr - mehr sollte der Nahverkehr für Bürgerinnen und Bürger nicht kosten.“ Das wäre nach Ansicht des Linken-Fraktionsvorsitzenden „ein vernünftiges Instrument gegen die Auswirkungen der Inflation, für sozialen Zusammenhalt und Klimaschutz“.

Nach Ansicht von Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von Pro Bahn, sollten zunächst das Schienennetz und der Bahnverkehr für eine stärkere Nachfrage ausgebaut und vorbereitet werden, bevor günstiger Nahverkehr angeboten wird. Zugleich müsse der Autoverkehr zum Beispiel über höhere Parkgebühren deutlich verteuert werden. „Nur über diesen Weg kann eine Verkehrswende und die Verlagerung von der Straße auf die Schiene gelingen“, sagte Naumann den Funke-Zeitungen. Diesen Weg sei die Stadt Wien gegangen und haben erst zuletzt ein 365-Euro-Jahresticket eingeführt.

Mehr Investitionen in die Infrastruktur

Auch die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Maike Schaefer (Grüne), argumentierte, neben einem bestmöglich bundesweit gültigen Ticket bräuchten die Bundesländer dennoch höhere Regionalisierungsmittel für bessere Fahrttakte, mehr Fahrzeuge und mehr Infrastruktur. „Das alles sollte zu einem großen Paket für die Verkehrswende geschnürt werden, um im Verkehrssektor nachhaltig CO2 einzusparen“, sagte die Bremer Senatorin für Klimaschutz und Umwelt dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ am Mittwoch.

Mit dem 9-Euro-Ticket können Bürgerinnen und Bürger noch bis Ende August für neun Euro monatlich deutschlandweit den Nahverkehr nutzen. Das Ticket ist ebenso wie die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel Teil des Entlastungspakets, das die Bundesregierung angesichts stark steigender Energie- und Lebensmittelpreise beschlossen hatte. Mit dem Ticket ist auch die Hoffnung verbunden, dass mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bundesfinanzminister Christian Lindner (beide FDP) haben sich indes gegen eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets ausgesprochen und auf die Kosten von monatlich über einer Milliarde Euro verwiesen.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Juni 2022, 07:52 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen