C02-Handel bei E-Autos

„Wer bekommt nicht gerne 300 Euro geschenkt?“

Halter eines E-Autos bekommen für ein CO2-Zertifikat eine Prämie von rund 300 Euro im Jahr. Doch die Auszahlung stockt, wie auch Carsten Melchior (41)* aus Fellbach erfahren musste. Hier ist sein Erfahrungsbericht.

Ein ID.3 von Volkswagen an einer Ladestation. Die Halter eines Elektroautos können ihre Kasse  mit einem CO2-Zertifikat aufbessern.

© dpa/Christoph Dernbach

Ein ID.3 von Volkswagen an einer Ladestation. Die Halter eines Elektroautos können ihre Kasse mit einem CO2-Zertifikat aufbessern.

Von Daniel Gräfe

„Als ich im vergangenen Jahr nach einem neuen Auto suchte, kam mir das Angebot meines Unternehmens gerade recht. Ich konnte für drei Jahre ein E-Auto, einen Renault Zoe, leasen. 10 000 Kilometer im Jahr, nur 94 Euro im Monat plus Versicherung – billiger kann man als Privatmann doch kaum ein Auto fahren!

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Bewusst habe ich mich für ein E-Auto entschieden, da ich versuche, auf die Umwelt zu achten. Ich kaufe zum Beispiel auch möglichst viele Bio-Lebensmittel aus der Region, was bei uns in Fellbach gut geht. Was das konsequente Trennen von Müll angeht, nennen mich meine Freunde „einen Hool“, also einen Fanatiker.

Im vergangenen Dezember habe ich den Leasing-Vertrag für den Zoe unterschrieben. Im Januar schrieb mir das Autohaus, dass ich eine Prämie beantragen könnte. Das habe mit der THG-Quote, also Treibhausminderungsquote, zu tun. Ich kannte das noch nicht und war anfangs etwas skeptisch. Im Prinzip können Unternehmen Zertifikate kaufen, um ihren CO2-Ausstoß zu senken. Weil mein Leasing-Auto kein Kohlenstoffdioxid ausstößt, kann ich über einen Vermittler ein Zertifikat für eine gewisse CO2-Menge weiterverkaufen und bekomme dafür 300 Euro.

„Ein Geschmäckle hat es ja schon“

Ich dachte, dass das schon ein Geschmäckle hat: Da kommt irgendein Unternehmen und kauft sich frei und macht umweltpolitisch eventuell so weiter wie zuvor. Aber immerhin muss es dafür zahlen. Und wer bekommt nicht gerne 300 Euro geschenkt? In meinem Fall sind es genau 255 Euro, das wurde mir vom Vermittler geraten. Denn bis zu diesem Betrag ist die Prämie steuerfrei. Deshalb spende ich die restlichen 45 Euro, das wird automatisch mit abgewickelt.

Die Prämie habe ich im Januar bei dem Vermittler Smartificate beantragt. Die Auszahlung sollte im März erfolgen. Am 13. April erhielt ich eine Mail, Betreff: „Deine THG-Quote kommt bald!“

Doch in der Mail hieß es, dass sich die Auszahlung verzögert. „Da dies das erste Jahr ist, in dem E-Autofahrer von der Prämie für die THG-Quote profitieren können, hat das Umweltbundesamt (UBA) nun einen erheblichen Mehraufwand, welcher durch das UBA selber falsch eingeschätzt worden ist. In früheren Gesprächen wurde uns mündlich zugesichert, dass eine Zertifizierung durch das UBA bis spätestens März erfolgen würde.“ Der ursprüngliche Termin galt damit offensichtlich nicht mehr. Ich könne jetzt im Laufe des April mit der Prämie rechnen.

„Ich warte also weiter“

Ende April kam die nächste Mail, im Text mit der gleichen Überschrift: „Deine THG-Quote kommt bald!“ Darin stand im Wesentlichen das Gleiche wie beim ersten Mal. Als neuer Termin für die Auszahlung wird im Kundenportal nun „voraussichtlich Juni 2022“ genannt.

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Ich warte also weiter. Frustriert bin ich deswegen nicht. Hätte ich das E-Auto nicht über meinen Arbeitgeber geleast und vom Autohaus den Hinweis auf Smartificate bekommen, hätte ich vielleicht etwas Zweifel, ob die Sache mit der Prämie auch tatsächlich funktioniert. So aber wird sich alles schon fügen. Und die Prämie bekomme ich dann jährlich – damit kann ich die Autoversicherung begleichen.“

* Der Name wurde auf Wunsch geändert. Die Person ist der Redaktion namentlich bekannt.

Aufgezeichnet von Daniel Gräfe

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Erstellt:
3. Mai 2022, 14:48 Uhr

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