Ohne Stammeln durch den Advent

Wie erkläre ich als Atheist meinen Kindern Weihnachten?

Wer selbst nicht an Gott und die Bibel glaubt, kommt mitunter ganz schön ins Stottern, wenn er seinen Kindern erklären soll, warum Menschen Weihnachten feiern. Sarah Pohl von der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen, erklärt, wie man Kindern die Bedeutung des Festes nahebringt – und sich trotzdem treu bleibt.

„Ist Gott echt der Vater vom Jesuskind?“ – Knifflige Kinderfragen an Weihnachten

© dpa/Peter Förster

„Ist Gott echt der Vater vom Jesuskind?“ – Knifflige Kinderfragen an Weihnachten

Von Lisa Welzhofer

Warum ist Jesus in einem Stall geboren?“ – „Bringt das Christkind wirklich die Geschenke?“ – „Ist Gott echt der Vater vom Jesuskind?“ Bei solchen Fragen können Atheisten-Eltern ins Stammeln kommen. Sarah Pohl, Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen (Zebra) in Freiburg, erklärt, warum sie es wichtig findet, Kindern trotzdem den christlichen Ursprung zu vermitteln.

Ist es scheinheilig, als Eltern, die nicht an die Weihnachtsgeschichte glauben, überhaupt zu feiern?

Jede und jeder dürfe Weihnachten feiern, unabhängig davon, was er glaubt oder nicht, findet die Pädagogin Sarah Pohl. Wichtig sei aber, sich als Eltern klar zu werden, warum man Weihnachten feiere und darüber mit den Kindern zu sprechen. „Viele sehen es einfach als Fest der Liebe und des Zusammenhalts“, sagt Pohl. Für Kinder seien Rituale schön und wichtig, das können auch nichtreligiöse sein. „Manche machen einen Waldspaziergang und schmücken einen Baum für Vögel. Andere treffen sich nachmittags mit Freunden zum Weihnachtstee“, sagt Pohl. Je älter Kinder werden, umso stärker könne man sie einbeziehen und fragen: Welche Bräuche sind euch wichtig an Weihnachten?

Sollte ich den religiösen Hintergrund erklären – auch wenn ich als Mutter oder Vater selbst nicht daran glaube?

„Was hinter Weihnachten steckt, gehört zum kulturellen Wissen“, ist die Erziehungswissenschaftlerin überzeugt. Deshalb sollten Eltern Kindern den christlichen Ursprung erzählen. Das sei auch ein guter Anlass, um über andere Religionen und ihre Feste zu sprechen, zum Beispiel über das jüdische Lichterfest Chanukka oder das Zuckerfest der Muslime. Auch als Nichtgläubige könne man an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen. „So lernen Kinder den Ort Kirche kennen und was dort passiert.“

Soll ich den Kindern sagen, dass ich das alles für Quatsch halte?

Wenn es ihnen wichtig ist, sollten Eltern offen damit umgehen, dass sie nicht an Gott und die Geschichten der Bibel glauben, sagt Sarah Pohl. Allerdings ohne andere, die das tun, abzuwerten. Da Kinder mystische Geschichten und magisches Denken lieben, sollte man ihnen die Möglichkeit lassen, die Weihnachtsgeschichte für wahr zu halten, wenn sie das möchten. „Man kann zum Beispiel sagen: Da gibt es kein Richtig oder Falsch, das sieht jeder anders“, sagt Pohl.

Bringt man Kinder damit nicht in Gewissenskonflikte?

Kinder könnten so ein Nebeneinander verschiedener Perspektiven gut aushalten, sagt die Expertin. „Es gehört zu einer pluralen Gesellschaft zu lernen, dass es verschiedene Sichten aufs Leben gibt.“

Soll das Christkind trotzdem kommen?

Kleine Kinder lieben magische Gestalten wie den Osterhasen, den Weihnachtsmann oder das Christkind, sagt Sarah Pohl. Aber natürlich müssten Eltern selbst entscheiden, ob sie solche Figuren einführen. Wenn ältere Geschwister die Eltern als Geschenklieferanten enttarnt haben, könne man sie in das Ritual einbeziehen, etwa so: „Deine kleine Schwester will gern noch an das Christkind glauben, also verrate es ihr nicht.“

Wie erhalte ich ohne den religiösen Hintergrund das Besondere des Festes?

Wichtig findet Sarah Pohl, dass Weihnachten nicht nur ein Austausch von Geschenken wird. Auch ohne religiöse Anteile könnten Eltern klarmachen, dass es ein besonderes Fest ist: „Es ist ja eine spezielle Zeit im Jahr. Es sind die kürzesten Tage. Das Jahr geht zu Ende, man blickt als Familie zurück, was war.“ All das hat auch seinen Zauber.

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Erstellt:
19. Dezember 2022, 16:44 Uhr

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